Chorsterben in der Region: Jens Schlegel-Steenhoff will Entwicklung stoppen

„Potential gibt es genug“

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Jens Schlegel-Steenhoff, Vorsitzender der Chorverbandsgruppe Sulinger Land, will dem Chorsterben ein Ende bereiten.

Sulingen - Mit dem Bürgerbeteiligungs- und Leitbildprozess „Wir sind Sulingen 2.029“ entwickelt die Stadt Sulingen Perspektiven, die auf die Feierlichkeiten des 1000-jährigen Bestehens in 13 Jahren ausgerichtet sind. „Es gibt viele gute Ideen – nur die Musik war bislang noch kein Thema“, sagt Jens Schlegel-Steenhoff.Der Vorsitzende der Chorverbandsgruppe Sulinger Land möchte das ändern. Er sucht Mitstreiter, die unter diesem Aspekt Zukunft gestalten.

„Sulingen ist eine musikalische Stadt: Es gibt herausragende Instrumentalisten, Bands aller Stilrichtungen und Chöre unterschiedlichster Couleur“, sagt Schlegel-Steenhoff. Für seinen Plan, die Stadt zum großen Jubiläum musikalisch darzustellen, sucht er Mitstreiter, die er im Frühjahr an einen Tisch holen möchte. Eine spontane Idee, die man in diesem Kreis weiterentwickeln könnte: „Die Komposition eines Sulingen-Songs, dessen Arrangement für Chöre ebenso passt wie für eine Heavy Metal-Band.“

Für die Chormusik hat Jens Schlegel-Steenhoff ein besonderes Faible. Mit Sorge verfolgt er das „Chorsterben“ im Sulinger Land. So hatten sich der Gemischte Chor Lessen kurz nach der Feier seines 100-jährigen Bestehens und der Männergesangverein Sulingen im 153. Jahr nach seiner Gründung aufgelöst. „Dabei gibt es trotz des demografischen Wandels offenbar Potential genug“, sagt der 50-Jährige: „In Sulingen sind mindestens zehn Gesangsensembles und Projektchöre aktiv, die nicht als Verein organisiert sind.“ In diesem Zusammenhang wirbt er für die Mitgliedschaft im Deutschen Chorverband: „Man muss kein Verein sein, um hier beizutreten“, erklärt er. Vorteile seien „günstige GEMA-Konditionen, Versicherungsschutz und kostengünstige oder kostenfreie Weiterbildungsangebote“.

Trotz des Überangebots an Freizeitaktivitäten sei das Singen im Prinzip „in“, betont Schlegel-Steenhoff. Nicht von ungefähr hätten Veranstaltungen wie das „Rudelsingen“ einen so großen Zulauf.

Den Chören fehle es an einer geeigneten Öffentlichkeitsarbeit. Jahrelang habe man den Fokus auf Kinderchöre gerichtet, darüber aber das „Mittelalter“ vergessen, das oft „ein gespaltenes Verhältnis zum Volkslied“ habe.

Nur wenige Chöre hätten sich darauf eingestellt und ihr Liedgut entsprechend angepasst. Wer auf traditionellem Liedgut und ebensolchen Arrangements bestehe, müsse sich nicht wundern, wenn der Zulauf ausbleibe. Die Generation der 20- bis 50-Jährigen könne man damit kaum begeistern.

Traditionelle Chöre müssten sich öffnen für junge Leute und junge Musik. Dabei sei das klassische Volkslied nicht per se „überholt“. „Es gibt zum Beispiel ein modernes Calypso-Arrangement des Volkslieds ‚Kuckuck, Kuckuck, ruft‘s aus dem Wald‘. Oder einen tollen Satz von „Leise rieselt der Schnee‘“, erklärt Schlegel-Steenhoff.

Er bietet sich als Ansprechpartner für Chöre an, die das eine oder andere Experimente wagen möchten. Einzige Zielvorgabe: Gesungen wird über das Stadtjubiläum im Jahr 2029 hinaus.

mks

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