Querschnitt der Musik einer Kultband

„ABBA Review“: Charme und Publikumsgespür

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Die Tribute-Band „ABBA Review“ bot poppige Disco-Hits, sentimentale Balladen und krachende Rocknummern.

Die Temperaturen waren herbstlich, aber pünktlich zum Konzertbeginn hatten sich die Regenwolken verzogen. „Wenn euch zu kalt ist: Tanzen hilft“, schrieb Sängerin Isabell Classen den Zeitreisenden auf ihre Fahrkarten. Die Tribute-Band „ABBA Review“, eine internationale Produktion mit Musikern aus Schweden, England, Deutschland, Polen und Jamaica, präsentierte mit ihrer Revue auf dem Gelände des Cafés am Stadtsee einen Querschnitt des musikalischen Schaffens der schwedischen Erfolgsband: Allein das letzte ihrer acht Studioalben ließen sie in ihrem Repertoire außen vor.

Sulingen - „Waterloo“, „Honey, Honey“, „The winner takes ist all“, „Chiquitita“, „Fernando“, „Mamma Mia“: Die sechsköpfige Band bot poppige Disco-Hits, sentimentale Balladen und krachende Rocknummern. Charme, Authentizität und Publikumsgespür waren ihre großen Stärken, der Dialog mit den Zuschauern Programm. Vertreter aller Generationen ließen sich zum Mitsingen, rhythmischem Klatschen oder zum Schwenken von Wunderkerzen animierten.

Als eine der erfolgreichsten Musikgruppen aller Zeiten schrieb die schwedische Pop-Band ABBA von ihrer Gründung 1972 bis zu ihrer Auflösung 1982 Musikgeschichte. Ihre Markenzeichen waren ein ausgefeilter Harmoniegesang, farbenfrohe Kostüme und aufwändige Produktionen.

Das Gesangsquartett wechselte mehrfach das Outfit und zeigte, was die damalige Mode zu bieten hatte: Lidia Lingstedt und Isabell Classen präsentierten sich wie ihre musikalischen Vorbilder, Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad, in bunt-poppigen Wallekleidern, Glitterkostümen oder Kimonos im Siebziger-Jahre-Stil; vereinzelt hatten sich auch die Fans im Publikum entsprechend „in Schale“ geworfen. Steve H. Stevens (Gitarre) und Torsten C. Mahnke (Piano) alias Björn Ulvaeus und Benny Andersson überzeugten vor allem als Instrumentalisten. Mit Verstärkung von Lee Romeo (Bass) und Wosch Cutter (Drums) boten sie einen ebenso harmonischen wie differenzierten Sound.

„Seit März 2018 sind wir deutschlandweit mit der Band in dieser Besetzung unterwegs“, berichtete Rudolf Hauptmann, Inhaber der Produktion. 35 Konzerte hätten die sechs Musiker seitdem absolviert. Open-Air-Veranstaltungen seien eher die Ausnahme und daher eine besondere Herausforderung. Den Erfolg bescheinigten ihnen viele Konzertbesucher. Sie stimmten „mit den Füßen“ ab, indem sie das Konzert singend und tanzend begleiteten und die Bühnenkünstler regelrecht abfeierten. In den Song „Thank you for the music“ – er war die letzte von mehreren Zugaben – stimmte das Gros der Zuschauer ein: ein Song mit Symbolkraft.

Dörte Knake (Café am Stadtsee), die zum dritten Mal zu einem Open Air auf das Gelände eingeladen hatte, sprach von 580 Besuchern. „Im letzten Jahr hatten wir 200 Gäste mehr. Schade! Wetterbedingt sind viele Kurzentschlossene zu Hause geblieben.“ Für den 18. Juli kommenden Jahres kündigte Dörte Knake eine „Verdi-Gala“ als Klassik-Open-Air an.

Die Kritiker haben recht: Auf der Bühne standen nicht Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad – kleine Abweichungen vom ABBA-Originalsound waren unüberhörbar. Dennoch: Das Quartett war authentisch, sprühte vor Lebensfreude und zog mit seiner kurzweiligen Revue nicht nur eingefleischte Fans der schwedischen Popband in ihren Bann. Wer sich auf die Siebziger-Jahre-Zeitreise einließ, erlebte einen richtig guten Abend in zauberhaftem Ambiente. Ebenso wie bei der Betrachtung eines halb vollen (oder eines halb leeren) Glases war das Urteil der Konzertbesucher abhängig von individueller Einstellung und Haltung.

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