Online-Diagnose für Lernrückstände

Carl-Prüter-Schule in Sulingen: Startpunkt für Förderung finden

Ein Schüler und ein Lehrer arbeiten am Laptop.
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Einen Test am Rechner absolviert, unterstützt durch Frank Diedrichs, der zehnjährige Vincent (5 c).

Sulingen – Wechselunterricht, Distanzunterricht, gar kein Unterricht – die Pandemie hat auch die Schulen nicht verschont. Welche Auswirkungen das auf die Schülerinnen und Schüler hatte, wurden an der Sulinger Carl-Prüter-Schule (CPS) in den Wochen vor und nach den Herbstferien mit einem erstmals eingesetzten Verfahren ermittelt.

Grundlage ist das „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ von Bund und Ländern. Es gehe dabei um das Feststellen der Lernausgangslage, erläutert Frank Diedrichs, didaktischer Leiter der Oberschule. Konkret: „Wir überprüfen, ob die Schüler auf dem Stand sind, auf dem sie sein sollten.“

Dazu absolvierten alle rund 400 Schüler in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch am Rechner verschiedene Tests von jeweils 20 bis 30 Minuten Dauer. Sie enthielten eine Reihe von kurzen Aufgaben, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten erfordern. Dazu zählten etwa im Fach Deutsch Hörbeispiele, bei denen es um genaues Zuhören ging, in Wörtern waren fehlende Buchstaben einzutragen oder aus einer Liste von Worten der richtige Begriff zu wählen.

Stärken und Schwächen im Blick

Die Auswertung erfolgte ebenfalls softwaregestützt – nicht in Form einer Note, sondern mittels eines grünen, gelben oder roten Balkens, der angibt, wie viel Prozent des vorgesehenen Lernstandes der Schüler im jeweiligen Kompetenzbereich vorweisen kann. Zu diesen Bereichen zählen unter anderem in Mathematik Zahlen und Rechnen, Größen, Daten, Raum und Ebene beziehungsweise Raum und Form, in Englisch Hören, Lesen und Sprachermittlung, Wortschatz, Schreiben und Lesen sowie Grammatik und in Deutsch Schreiben, Hören und Lesen, Sprache sowie Rechtschreibung und Zeichensetzung. Ermittelt wurde zudem die Geschwindigkeit, in der die Aufgaben bearbeitet wurden.

Ausgehend von diesen Ergebnissen erhält jeder Schüler eine individuell zusammengestellte Fördermappe, die 20 bis 30 Seiten umfasst mit Arbeitsblättern, aber auch interaktiven Aufgaben. Beim Bearbeiten erhalten sie von den Lehrkräften bei Bedarf Hilfestellung. „Es geht dabei nicht nur um Schwächen, sondern auch um Stärken – Fördern und Fordern“, betont Diedrichs. In diesem Schuljahr sei es gelungen, den Unterricht in Deutsch und Mathematik auf jeweils sechs Wochenstunden auszudehnen, wovon zwei für die Förderung vorgesehen sind; in Englisch bleibe es bei vier Wochenstunden, weil nicht ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Sehr positive Rückmeldungen von den Eltern

„Wir haben bewusst auf eine Note verzichtet, die ins Zeugnis einfließt, weil das zusätzlich Druck erzeugt hätte.“ Stattdessen hätten die Schüler sofort eine grafische Auswertung vorliegen, und die sei zugleich eine gute Gesprächsgrundlage gewesen für die Elternsprechtage Mitte November.

Dabei habe man von den Eltern sehr positive Rückmeldungen erhalten, weil sie sofort hätten erkennen können, was ihr Kind schon gut kann und wo noch etwas eingeübt werden muss. Vielfach hätten sich die Eltern damit in ihrer Wahrnehmung auch bestätigt gefühlt.

Individueller Startpunkt für die Förderung

Die Schüler hätten zunächst die Fördermappen als zusätzliche Arbeit empfunden. Es habe etwas Zeit gebraucht, bis allen klar gewesen sei, dass damit gemeinsam ein individueller Startpunkt für ihre Förderung festgelegt werde. „Inzwischen nehmen das alle sehr positiv auf.“

Für das Kollegium habe das Projekt einen hohen logistischen und organisatorischen Aufwand bedeutet: Im Vorfeld hätten für die mehr als 20 Klassen der Schule in drei Fächern die Testaufgaben zusammengestellt werden müssen, wobei das Testniveau je nach Leistungsstärke der Schüler noch einmal individuell angepasst werden konnte, auch die Fördermappen je Fach seien für alle einzeln erarbeitet worden. „Es hat gut geklappt, weil alle Kollegen die Notwendigkeit sehen.“

Diagnose soll dauerhaft zum Einsatz kommen

Angesichts der Erfahrungen soll das Verfahren dauerhaft genutzt werden. „Wir sehen das als eine Chance, den Kindern von Jahrgang fünf an eine kontinuierliche Förderung zu gewährleisten“, sagt Frank Diedrichs. Das Ziel sei, die unterschiedlichen Rückstände in den drei Hauptfächern soweit aufzuholen, dass die Schüler in Klasse 10 die Abschlussarbeiten bestehen. Die Tests der Lernstandsfeststellung könne man künftig noch stärker selbst gestalten. „Wir stehen noch ganz am Anfang, aber es ist ein Prozess, den wir weiterführen wollen“, bekräftigt Diedrichs, „das ist ein Aufwand, der sich aber definitiv lohnt.“

Eine weitere Erkenntnis aus dem Projekt: „Für viele Schüler ist wichtig, dass sie an der Schule ein ,Sprachvorbild‘ erhalten.“ Dazu solle die Leseförderung in allen Fächern verstärkt etabliert werden, denn hier sei bei allen Schülern die entsprechende Kompetenz gesunken. Zudem sei es sinnvoll, im Unterricht Themen mehr zu verknüpfen. So könnten in Deutsch beim Lernfeld „Märchen und Fabeln“ Rechtschreibung und Zeichensetzung mehr eingebunden werden, in Englisch oder Geografie könne auch gerechnet werden. „Viele Inhalte lassen sich durch regelmäßiges Anwenden verfestigen.“

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