Kunsthof: Diskussion um Niedersächsischen Weg

Expertenrunde: „Brauchen verlässliche Perspektiven“

Die Zuhörer auf dem Kunsthof.
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Die Zuhörer auf dem Kunsthof.

Bockhorn – Der Niedersächsische Weg gilt als bundesweit einmalige Vereinbarung zwischen Landesregierung, Landvolk und Landwirtschaftskammer, Natur- und Umweltverbänden. Sie haben ein Maßnahmenpaket für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz beschlossen und zur gemeinsamen Verpflichtung erklärt. Auf Einladung von Bernd Neumann und Anne Heinz (Kunsthof Bockhorn) befassten sich am Mittwoch Agrar- und Umweltfachleute im Rahmen der „Kulturwoche Landwirtschaft“ mit diesem Aktionsprogramm.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren Nelly Wendt vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Referat „Planung, Strategie, Landwirtschaft 4.0“), Karin Bellingrodt (Bund, Kreisgruppe Diepholz), Konrad Wolf (Nabu, Ortsgruppe Sulingen) sowie Theo Runge, Vorsitzender des Landvolks, und Kreislandwirt Wilken Hartje als Vertreter der Landwirtschaftskammer.

Bevor er Moderatorin Susanne Kayser (Neustadt a. Rbge.) das Mikrophon übergab, lud Musiker Rainer Wölk die 30 Gäste zum Mitsingen des Volkslieds „Die Gedanken sind frei“ ein, um „einen gemeinsamen Ton“ zu finden. Um es vorwegzunehmen: Im Grundsatz waren sich nicht nur die Diskussionsteilnehmer einig, dass sich Landwirtschaft verändern muss, allerdings aus unterschiedlichen Perspektiven.

Rainer Wölk.

Die Fragen von Susanne Kayser berücksichtigten die Aspekte Ökonomie, Ökologie und soziale Nachhaltigkeit. Der „Niedersächsische Weg“, vor 20 Jahren noch undenkbar, sei für Landwirte vertretbar, wenn ihnen ein entsprechender Ausgleich gezahlt werde, sagte Theo Runge: „Wir können nicht von Luft und Liebe leben.“

Wilken Hartje unterstrich, dass die Last nicht nur auf den Schultern der Landwirte liegen dürfe: „Gefordert ist die ganze Gesellschaft: Wir brauchen auch im öffentlichen Raum und in Privatgärten Mut zur Unordnung.“

Für die betriebswirtschaftliche Planung sei es unerlässlich, konkrete Zahlen zu haben: „Wir wissen zum Beispiel nicht, wie hoch die Ausgleichszahlungen für Gewässerschutzstreifen sind.“

Bernd Neumann.

Viele Maßnahmen seien sinnvoll, aber praktisch schwer umsetzbar. Ein fairer Ausgleich sei „in der Mache“, offenbarte Nelly Wendt. Ihr sei bewusst, dass eine gemeinsame Lösung gefragt sei, und sie nehme mit nach Hannover, dass es „eine Menge zu tun gibt“. Das Ministerium verstehe sich als „Wegbereiter“ auf vielen Ebenen, der Niedersächsischer Weg sei Teil eines Gesellschaftsvertrags.

Karin Bellingroth nannte unter anderem als Zukunftsvision, dass „umgepflügte Wegeseitenränder“ wieder in öffentliches Eigentum zurückgeführt werden. Konrad Wolf bezeichnete den Niedersächsischen Weg als „zu kurz gesprungen“: „Jeder kleine Schritt ist wertvoll, aber die Maßnahmen reichen nicht aus, um das Artensterben aufzuhalten – manches hat allein Alibi-Funktion.“ Es brauche übergeordnete Konzepte für längere Zeiträume. Und für die Landwirte eine solide finanzielle Basis.

84 Prozent der Bevölkerung wünscht den Erhalt der kleinen Höfe, stimmt aber an der Ladentheke anders ab. Zudem fehlt es an Akzeptanz in der Gesellschaft: Vor allem in den Großstädten gibt es ein Informationsdefizit.

Diese Erkenntnisse veranlassten Theo Runge zu der düsteren Prognose: „Wenn nichts passiert, wird die Hälfte der Betriebe in den nächsten drei Jahren nicht mehr existieren.“

Die Diskussionsteilnehmer: Konrad Wolf, Karin Bellingrodt, Wilken Hartje, Theo Runge, Nelly Wendt und Moderatorin Susanne Kayser (von links).

Bauern würden „in Generationen denken“, die Politik leider nur in Legislaturperioden. Der Appell der Landwirte: „Wir brauchen Perspektiven, wir brauchen Verlässlichkeit!“

Dass man anders wirtschaften und leben müsse als bisher, liege auf der Hand, hatte Bernd Neumann (Kunsthof) eingangs betont, er erhoffe sich von der Diskussion praktische und machbare Ansätze. Den praktischsten eröffneten die Gastgeber selbst: Sie baten die 30 Gäste um Spenden für die Weiterführung des Baumpflanzprojekts der Dorfgemeinschaft.

Von Martina Kurth-Schumacher

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