Sulingen: Erinnerung an den großen Brand vom 12. September 1719

„Brandwache“ zum Jubiläum

Katja Ahrens (links) und Kerstin Melloh-Kordes boten die kostenlosen Stadtführungen am Jubiläumstag an.

Sulingen - Von Sylvia Wendt. Das Jubiläum des großen Sulinger Brandes war vor über zwei Jahren als Ziel angedacht, einen Film fertig zu haben über 1 000 Jahre Sulinger Geschichte. Des 300-jährigen Jubiläums wurde am 12. September 2019 gedacht – mit besonderen Stadtführungen durch Sulingens Stadtkern. Der Film indes wird Szene um Szene weiter gedreht, denn das „Sulingen Projekt“ hat bei den Recherchen zu 1 000 Jahren Sulinger Geschichte viele kleine und größere Anekdoten herausgefunden – die Dreharbeiten sind längst nicht beendet.

Die Kirche und drei Häuser blieben am 12. September 1719 vom Feuer verschont. Mehr nicht. 750 Menschen waren obdachlos. Daran wurde am Donnerstag erinnert: Gästeführerinnen Katja Ahrens und Kerstin Melloh-Kordes erklärten die Besonderheiten rund um den Brand, die Unterbringung der Menschen in anderen Orten, den Wiederaufbau der Stadt.

„Neben der Telefonzelle an der Alten Wache stand immer der Weihnachtsmann, wenn wir aus dem Weihnachtsgottesdienst in der Nicolaikirche gekommen sind“, erinnert sich Kerstin Melloh-Kordes beim Blick auf eine der historischen Aufnahmen, die im mobilen Schaufenster präsentiert werden. Tatsächlich treffen sich zur „Brandwache“ im Schatten der Kirche viele Sulinger, jeder liefert neue Anekdoten und Erinnerungen.

Die Stadtführungen durch das Mittelzentrum konzipieren die Gästeführer grundsätzlich individuell, können sie für Touren zu Fuß, per Rad, im Bus und auch barrierefrei zusammenstellen, unterschiedliche Themenschwerpunkte setzen. Viele Sulinger nutzen das Angebot, ihren Wohnort, ihre Heimatstadt genauer vorgestellt zu bekommen. Sogar manche Kohltour beginnt mit einem geführten Stadtrundgang.

Am Jubiläumstag des Brandes ist der Blick auf den Kern der Stadt gerichtet. Die Kirche im Mittelpunkt – Pastor Jörg Schafmeyer führte die Besucher durch das Gotteshaus. Der 15-jährige Jörn Bergmann informierte bei der abendlichen Führung über die Glocken im Kirchturm, lud ein, den Kirchturm zu erklimmen. Und ließ die Glocken am Donnerstagabend einmal ganz anders erklingen. Eine der Glocken stammt aus dem Jahr 1713. Sie wird seit dem großen Brand drei mal täglich geläutet. Um 7 Uhr zu Tagesbeginn, um 12 Uhr zu Mittag und um 19 Uhr nach getaner Arbeit sind drei mal drei Schläge zu hören – das ist Sulingens ältester Brauch. Geläutet werde aus Dankbarkeit für den Wiederaufbau und als Bitte, die Stadt zukünftig von Feuer und anderem Unglück zu verschonen. Derzeit befinden sich Glockenakten in Sulingen, um die Geschichte der Glocken zu recherchieren. Bergmann und Heike Teerling wissen nun bestätigt, dass die historische Glocke im Dezember 1947 auf dem Glockenfriedhof in Hamburg wiedergefunden wurde. Da der Name Sulingen als Inschrift erhalten war und damit zugeordnet werden konnte, kehrte die Glocke per Bahn ins Mittelzentrum zurück. Die Gruppe hofft, weitere Details herauszufinden. Die nächsten Dreharbeiten des „Sulingen Projekts“ finden am 28. September statt, auf dem Rittergut Lüning, wo einst die Postrelaisstation war. „Komparsen brauchen wir immer“, heißt es seitens der Film-Crew (kontakt@sulingen-projekt.de). Weitere Infos unter www.sulingen-projekt.de.

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