Lindern ist Kontrollstelle

Fahrrad-Langstrecke: „Boxenstopp“ im Feuerwehrhaus

Gegen halb vier am Dienstagmorgen kamen Hans-Dieter Gerber, Marcus Arnold, Carsten Block und Michael Vogt (von links) in Lindern an, schliefen kurz, frühstückten und nahmen um 6.15 Uhr die restlichen gut 200 Kilometer zum Ziel in Großhansdorf bei Hamburg in Angriff.

Lindern - „Ein bisschen verrückt muss man schon sein, um so etwas zu machen“, sagt Ludger Funke vom Audax Club Schleswig-Holstein. „Und auch leidensfähig“, ergänzt Morten Himmel. Sie sprechen von der Fahrrad-Langstreckenfahrt Hamburg-Berlin-Köln-Hamburg: Die Teilnehmer haben maximal 128 Stunden Zeit für den 1 527 Kilometer langen Rundkurs. Funke und Himmel sowie Inge Jakubzik und Lilli Funke besetzen seit Sonntagabend die Kontrollstelle Lindern im Feuerwehrhaus und warten auf „Kundschaft“.

Die Müslibar ist eröffnet, Getränke stehen bereit, Linsensalat, Zucchini-Puffer und Eintopf sind vorbereitet. „Die Teilnehmer wollen an den Etappenzielen ein bisschen betüdelt werden“, weiß Inge Jakubzik. Auch Massagen gehören zum Verwöhnprogramm.

Am Samstag um 6 Uhr sind knapp 100 Radsportler in Hamburg gestartet, hier werden sie spätestens am Mittwoch zurückerwartet. Die Strecke ist eingeteilt in sieben Etappen zwischen 173 und 270 Kilometern, an weiteren acht Zwischenkontrollpunkten holen sich die Teilnehmer ihre Stempel ab. „Jeder legt Tempo, Pausen und Schlafpausen selbst fest“, erläutert Ludger Funke.

Hajo Eckstein aus Köln passierte mit seinem Velo-Mobil am Montagmittag um 13.17 Uhr als erster die Kontrollstelle Lindern. Er hatte damit gute Chancen, seinen persönlichen Rekord vom letzten Super-Brevet einzustellen, bei dem er die Tour in der Hälfte der vorgegebenen Zeit zurücklegte. Eigentlich gehe es aber darum, es überhaupt zu schaffen, die Strecke aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe zurückzulegen, erklärt Funke.

Event ist international beliebt

Der vom Verein alle vier Jahre ausgerichtete Super-Brevet ist international beliebt: Radverrückte aus zwölf Nationen haben sich auf den Weg gemacht, unter anderem starteten eine große Gruppe aus Taiwan sowie Teilnehmer aus Russland, Italien, Dänemark, Großbritannien, Korea und Brasilien. Das Durchschnittsalter schätzen die Organisatoren auf „45 plus“. Aufgrund der Hitze hatten im Vorfeld 20 Starter ihre Anmeldung zurückgezogen, fünf weitere mussten die Fahrt unterbrechen.

Das Linderner Feuerwehrhaus ist zum wiederholten Mal eine der „großen“ Stationen des Brevets – mit Rund-um-Service und Übernachtungsmöglichkeit. Der Kontakt kam seinerzeit über Gerhard Niemeyer zustande. „Der damalige Vorsitzende des Audax Clubs hat mich gefragt, ob ich in Lindern eine Kontrollstelle organisieren kann“, sagt der Sulinger Radsportler, der sich für die Aktion von der Stadt Sulingen und der Linderner Feuerwehr grünes Licht holte. Als Ansprechpartner vor Ort besorgte er auch Zelte von der Jugendfeuerwehr als Übernachtungsmöglichkeiten für die Teilnehmer. Und vor vier Jahren bot er sogar einer Fahrerin ein Dach über dem Kopf an: Sie erreichte Lindern erst nach Schließung der Kontrollstelle.

Rund die Hälfte der 80 Mitglieder des Audax Clubs sind eingebunden in die Durchführung des Fahrradmarathons. „Als Ausrichter sind wir bei dieser Fahrt sowieso außen vor – wir nutzen andere Angebote“, sagt Ludger Funke. Einige Vereinsmitglieder stehen sprichwörtlich schon in den Startlöchern für den Brevet Paris-Brest-Paris, der im August 2019 stattfindet. 

mks

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