Wissensforum über IT-Sicherheit und Vernetzung

Blogger Sascha Lobo warnt vor der Macht der Datenströme

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Sascha Lobo verdeutlicht: Die digitale Revolution wird größer, als die meisten Menschen glauben.

Sulingen - Von Katharina Schmidt. Wird es in 10 oder 20 Jahren überhaupt noch Dinge geben, die nicht in irgendeiner Art und Weise digital vernetzbar sind? Und wie viele Daten wird der Mensch bereitwillig im Internet teilen? Der Vortrag, den der bekannte Blogger Sascha Lobo am Freitag im Stadttheater Sulingen gehalten hat, regt dazu an, über solche Fragen nachzudenken.

Lobo, schon von weitem zu erkennen an seinem rötlichen Irokesen-Haarschnitt, war Redner beim zwölften Wissensforum im Landkreis. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung der in Diepholz ansässigen Seitz-Stiftung und der Werbegemeinschaft „Initiative Sulingen“.

In diesem Jahr lautete das Thema des Forums: „Von Big Data bis IT-Sicherheit. Was die digitale Transformation für den Umgang mit Daten bedeutet und wie das Netz die Gesellschaft verändert.“ Rund 300 Gäste saßen gespannt auf ihren Plätzen, als Lobo die Bühne betrat. Der 42-Jährige ist Autor und Strategieberater. Er beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Internets und schreibt in seiner Kolumne auf Spiegel-Online darüber.

„Wir leben in einer Zeit des exponentiellen Fortschritts“, verdeutlichte er zu Beginn seines Vortrags. Experten würden vorhersagen, dass Menschen im Jahr 2030 mit winzigen, mit dem Internet verbundenen Robotern im Kopf herumlaufen werden. „Wer da keine Angst hat, dem kann ich auch nicht helfen.“

Erpressung mit der Heizung

Dabei ist Sascha Lobo keiner, der neue Technologien scheut. Ganz im Gegenteil. Er besitzt die modernsten Produkte, hat in sozialen Netzwerken mehrere Hunderttausend Follower und lernte seine Ehefrau über Twitter kennen. Daten im Netz zu teilen, findet er prinzipiell nicht verwerflich – aber es müsse bewusst geschehen. „Das Problem fängt an, wenn man nicht weiß, welche Muster und welche Macht dahinter stehen“, sagt er.

Mit vielen Beispielen untermalte Lobo, wozu Technik bereits in der Lage ist. Facebook könne Wahlen manipulieren. Heute noch völlig harmlose Bilder von einem Mittagessen ließen morgen vielleicht ungeahnte Rückschlüsse zu. Es gebe Apps, die durch Aufzeichnung von Zyklusdaten der Frau eines der meistgenutzten Medikamente weltweit, die Anti-Baby-Pille, ersetzen. Und Hacker hätten längst Menschen erpresst, in dem sie sich Zugriff zu vernetzten Heizungs-Thermostaten verschafft haben – wer kein Lösegeld zahlt, friert.

Wegen dieser „Macht der Datenströme“ fordert Lobo, dass schon in Schulen die Grundlagen digitaler Vernetzung auf dem Stundenplan steht. „Den digitalen Wandel können wir nicht abwenden, und wir dürfen ihn auch nicht kleinhoffen.“ Der Mensch habe die Verantwortung, diesen Wandel mitzugestalten. Die Gesellschaft müsse sich mit Ängsten vor Datenmissbrauch beschäftigen, bevor es zu spät ist.

„Die Menschen lieben es, Daten ins Netz zu stellen“

„Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der wir von unserer vernetzten Zahnbürste eine Nachricht kriegen: ,Wenn Sie sich in zehn Minuten nicht die Zähne putzen, fliegen sie aus ihrer Zahnzusatzversicherung‘?“, fragte der Blogger. Er schaffte es, seinen Vortrag nicht nur spannend, sondern auch unterhaltsam zu gestalten.

Verändert Technologie also grundlegend die Welt? So ist es nicht ganz, findet Lobo. „Meiner Meinung nach verändern nicht Technologien die Welt, sondern die Art und Weise, wie die Menschen sie nutzen.“ Es gebe eine Flut von Sensoren – damit einhergehe aber auch eine Datenbegeisterung. „Die Menschen lieben es, Daten ins Netz zu stellen.“ Mark Zuckerberg würde immerhin nicht mit einer Flinte hinter den Menschen stehen, und sie zwingen, Facebook zu nutzen.

Der Vortrag bot eine gute Diskussionsgrundlage. Lobo nahm sich für Fragen aus dem Publikum ebenso viel Zeit wie für den eigentlichen Vortrag. Insgesamt zeigte der Abend: Die digitale Revolution ist größer, als die meisten denken.

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