DRK bildet Helfer für neues Krisen-Interventionsteam aus

Nach Schicksalsschlag: Hilfe für seelisch Verletzte

+
Sie wollen seelisch Verletzten helfen: (v.l.) Jochen Thaens (DRK Bremen), Wilfried Gallas (DRK Nienburg), Marco Prüshoff, Maik Karock, Florian Bultmann, Antje Burdorf, Dirk Fullriede, Norbert Lutzniak, Birgit Lutzniak (alle DRK Diepholz) sowie Kira Borghorst (DRK Nienburg).

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Es ist eine bedrückende Stille, die sich kaum aushalten lässt. Plötzlich ist der Tod in den Alltag eingebrochen, hat ein tragischer Unfall einen Menschen aus der Familie gerissen. Sprachlos steht ein Angehöriger an der Unfallstelle. Speziell geschulte Rettungskräfte können jetzt helfen.

Denn Szenen des stummen, unerträglichen Schmerzes erleben Rettungskräfte bei ihren Einsätzen immer wieder. Dirk Fullriede, Leiter der Rettungswache in Sulingen, kennt sie nur zu gut – genauso wie die Hilflosigkeit, einen geschockten Angehörigen sich selbst überlassen zu müssen, weil die Rettungskräfte zum nächsten Einsatz gerufen werden. „Dann hat man manchmal schon Bauchschmerzen“, sagt Fullriede.

Denn die seelischen Verletzungen, die ein tödlicher Unfall bei Familienangehörigen auslöst, sind unsichtbar – aber nicht selten zerstörerischer und schmerzhafter als körperliche Blessuren. Damit Angehörige in solchen Stunden nicht allein bleiben, baut das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) im Landkreis Diepholz einen Krisen-Interventionsdienst auf. Der Lehrgang dafür in Barrien war ein Pilot-Projekt für den DRK-Landesverband Niedersachsen, erläutert Fullriede. Im Nachbar-Landkreis Oldenburg gebe es bereits 60 solcher Einsatzkräfte. Hand in Hand arbeiten sie mit der Notfallseelsorge zusammen – genau dieses Ziel hat auch das neue Krisen-Interventionsteam (kurz KIT) im Landkreis Diepholz.

In fünf Monaten haben sich neun Rettungsdienst-Mitarbeiter (davon zwei aus dem Landkreis Nienburg) an jeweils einem Wochenende zu Krisen-Interventionshelfern ausbilden lassen – in insgesamt 85 Unterrichtsstunden. Grundlagen der Psychologie und der Umgang mit Psychotraumata, Tod und Trauer gehörten ebenso zu dem Programm wie Kenntnisse über verschiedene Religionen und anderes mehr. Gemeinsam mit Heinz Dierker, dem Landesbeauftragten für Niedersachsen und Oldenburg, sowie Jochen Thaens (DRK Bremen) erarbeiteten sie sich die Grundlagen für ihre neue Aufgabe. Das Ziel ist es, sie in das Netzwerk der Notfall-Alarmierung einzubinden, um Betreuungslücken zu schließen – bis sich Verwandte, Nachbarn oder Seelsorger um die seelischen Verletzten kümmern können.

Bei ihrem Einsatz tragen die KIT-Mitglieder spezielle Westen. „Bei Bedarf können wir jetzt schon eingesetzt werden“, sagt Fullriede. Ausbildungskurse für weitere Helfer sollen folgen. Interessierte können sich per E-Mail an Dirk Fullriede wenden:

dirk.fullriede@drk-diepholz.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

„Summer in the City“: Besucher wünschen sich Fortsetzung

„Summer in the City“: Besucher wünschen sich Fortsetzung

Weyhe nimmt‘s locker mit „Singing in the rain“

Weyhe nimmt‘s locker mit „Singing in the rain“

Kommentare