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Bild drückt Dank für Solidarität mit Ukrainern in Sulingen aus

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Von: Sylvia Wendt

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Symbolstarkes Gemälde: Sulingens Bürgermeister Patrick Bade mit der Künstlerin Uliana Korol-Pochynok und deren Tante, die das Gespräch dolmetscht, Olga Aginski (von rechts).
Symbolstarkes Gemälde: Sulingens Bürgermeister Patrick Bade mit der Künstlerin Uliana Korol-Pochynok und deren Tante, die das Gespräch dolmetscht, Olga Aginski (von rechts). © S. Wendt

Sulingen – „Die Solidarität stärkt uns alle“: Besuche von Prominenz aus Politik und Showgeschäft, die weltweite Welle unter dem Hashtag #StandwithUkraine – Olga Aginski, gebürtige Ukrainierin und seit fast 20 Jahre im Sulinger Land heimisch, bestätigt, dass die Menschen in der Ukraine diese Hilfe erreicht.

Ihre Nichte Uliana Korol-Pochynok ist mit ihrem Ehemann und den Kindern David (drei Jahre) und Glieb (acht Jahre alt) nach Sulingen geflüchtet. Sie waren gerade erst nach Kyjiw gezogen, als der Krieg ausbrach: Bevor die Familie Fuß fassen konnte, befand sie sich auf der Flucht vor der russischen Armee.

Uliana Korol-Pochynok ist Künstlerin – gemalt hatte sie jedoch lange nicht. In Sulingen fand sie den Frieden, der die Ideen für ein Bild beflügelte. „Ich bin froh und dankbar, dass in Deutschland so viel gemacht wird für Flüchtlinge aus der Ukraine“, sagt sie – und überreicht das erste Bild, das sie wieder malen konnte, an Sulingens Bürgermeister Patrick Bade. Der zeigt sich dankbar und berührt: „Ich danke von Herzen und bin tief beeindruckt.“ Uliana Korol-Pochynok hat das ukrainische Symbol für Geborgenheit, den Schwan, in ein besonderes Federkleid gehüllt: die blau-gelben Farben der Ukraine und die schwarz-rot-goldenen der Bundesrepublik. Beide Länder stehen vereint auf einem Stück Erde, geben Halt in einer Zeit, in der drumherum vieles kaputtgeht, verschwindet, nicht greifbar ist. Die Künstlerin hat diesem Gefühl deutlich Raum gegeben, Nebel, Wolken verhangen ist es um den Menschen. Olga Aginski bestätigt: „Die Menschen haben alles verloren. Sprache, Kultur, Geschichte – ihr Zuhause. Das fehlt jetzt.“

Dass der russische Aggressor das Land tatsächlich angreift, Häuser zerbombt, Kriegsverbrechen begeht – nein, dass habe sie sich letztlich nicht vorstellen können. Aginski berichtet von einer Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter, beide Ukrainerinnen, die sie neulich in einem Geschäft gehört hat. Die Frauen kauften einen Koffer und die Tochter erklärte: „Wenn ich könnte, würde ich sofort den Koffer packen und nach Hause fahren.“ Nach Hause fahren: Nicht alle Geflüchteten wollen dies, die Familie Korol-Pochynok bereitet sich auf einen Aufenthalt in Deutschland vor. Die Zelte für den Umzug nach Kyjiw hatten sie in Lemberg abgebrochen.

Der achtjährige Glieb geht bereits in Sulingen zur Schule, spricht zwar noch kein Deutsch, „aber die Kinder gehen anders mit der Situation um“, berichtet Olga Aginski. Das Zusammensein der Kinder sei bedeutend. Deshalb auch wäre ein Kindergartenplatz für den dreijährigen David wichtig. „Da sind wir dran“, betont Astrid Ellmers, die sich seitens der Stadt Sulingen in vielen Treffen um die akuten Probleme kümmert.

Das Team der Ukraine-Hilfe im Mittelzentrum umfasst viele Akteure2 aus unterschiedlichen Bereichen. Eine Hürde ist das Erlernen der deutschen Sprache. Wenn die genommen ist, stehe manche berufliche Option offen. Astrid Ellmers weist auf die persönlichen Beratungstermine mit Mitarbeitern des Jobcenters hin, um Hilfen zu beantragen oder berufliche Möglichkeiten und Qualifikationen zu klären. Sprachkurse, Integrationstreffen, Fahrradtouren: Für den 31. Mai ist ein orthodoxer Gottesdienst geplant.

Gibt es Probleme mit hiesigen russischstämmigen Bürgern? „Zahlreiche Bürger haben sich sofort gemeldet, als wir nach Übersetzern gefragt haben“, erinnert Astrid Ellmers. Es gibt aber auch andere, bestätigt Olga Aginski: „Ich habe keine Geduld, anderen zu erklären, dass es wirklich Krieg ist in der Ukraine.“ Manche würden auch hier nur die russischen Nachrichten gucken – und alle Gräuel leugnen, die das ukrainische Volk täglich erträgt.

Uliana Korol-Pochynok indes erklärt jedem weiterhin, wie die Situation in ihrem Heimatland tatsächlich ist. Auch sie lässt die Verzweiflung über das Schicksal in Tränen ausbrechen. Das Gros der Familie ist noch dort. Und das Leben, wie man es bisher kannte – mit Sprache, Kultur, Geschichte.

Unterstützung für Ukraine-Hilfe

Wer die Ukraine-Hilfe unterstützen möchte, kann sich unter ukrainehilfe@sulingen.de melden und etwa Wohnraum, Dolmetscherdienste oder Freizeitgestaltung, beispielsweise Malkurse für Kinder oder Erwachsene, anbieten. Gebeten wird, gezielt zu spenden, im Rathaus können keine Sachspenden entgegengenommen werden.

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