Bezug für Mai 2020 im Visier

Sulingen: „casa“ und Lebenshilfe realisieren inklusive Wohnanlage

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Projektteam Schwafördener Weg voran: Andreas Körner und Sandra Meyer (beide „casa“-Baubetreuungsgesellschaft) sowie Katrin Kinner, Margret Herzog und Annette Lüneburg (alle Lebenshilfe Grafschaft Diepholz).

Sulingen - Von Carsten Schlotmann. Annette Lüneburg spricht von einer „großen Neuigkeit“: Lebenshilfe Grafschaft Diepholz GmbH und „casa Baubetreuungsgesellschaft“ schaffen im Norden des Schwafördener Weges eine Wohnanlage. „Eine inklusive Wohnanlage“, konkretisiert Lüneburg, Geschäftsführerin der Lebenshilfe. Andreas Körner, Geschäftsführer der „casa“, spricht von einem Investitionsvolumen von mehr als vier Millionen Euro.

Der Vorstand des Vereins Lebenshilfe, einziger Gesellschafter der Lebenshilfe GmbH, habe laut Lüneburg am Montag seine Zustimmung zu dem Vorhaben gegeben. Andreas Körner gab am Donnerstag im Rathaus der Stadt Sulingen den Bauantrag ab. „Mit der Bitte um Weitergabe an den Landkreis“, sagt der Geschäftsführer. Entstehen sollen im östlichen Teil des Grundstückes Schwafördener Weg 54 zwei Gebäude, in denen die Planer in jeweils zwei Geschossen und einem zusätzlichen Staffelgeschoss eine Gesamtmietfläche von nahezu 1 950 Quadratmetern schaffen.

Im „Haus eins“ wollen Körner, „casa“-Planerin Sandra Meyer sowie Katrin Kinner, die als Architektin für die Lebenshilfe das Projekt begleitet, acht 50 Quadratmeter große Appartements schaffen, Platz für eine Wohngemeinschaft für bis zu fünf Personen, vier Wohnungen mit Größen von 65 bis 100 Quadratmetern sowie einen Dienstraum für eine Nachtbereitschaft. Unter dem Dach von „Haus zwei“ sollen vier Appartements mit jeweils 50 Quadratmetern Wohnfläche untergebracht werden, Platz für eine Wohngemeinschaft wie in „Haus eins“, ein Gemeinschaftsraum mit Küche, vier Wohnungen mit Größen von 65 bis 100 Quadratmetern sowie drei Büros mit Nebenräumen.

Zusammengefunden hatte sich die Lebenshilfe mit der „casa“ unmittelbar nach der Jahreshauptversammlung im November vergangenen Jahres. Während der Tagung hatte Lüneburg öffentlich verkündet, dass die bisherigen Überlegungen zu einem inklusiven Wohnprojektes an der Südstraße nicht von Erfolg gekrönt gewesen seien.

Andreas Körner hatte die Berichterstattung in der Sulinger Kreiszeitung verfolgt. Er nahm Verbindung mit der Geschäftsführerin auf. „Wir haben dann schnell gemerkt, dass wir mit einem ähnlichen Pulsschlag unterwegs sind“, so Lüneburg.

Grundlage der Planungen für das Vorhaben Schwafördener Weg war die Ursprungsidee der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz, Wohnraum für Menschen mit Beeinträchtigungen zu schaffen, „die in der Bewältigung von Alltagsthemen kompetent sind“ (O-Ton Lüneburg). „Und die gerne Tür an Tür leben mit Menschen ohne Beeinträchtigungen.“ Ziel sei nach wie vor, durch die Schaffung entsprechenden Wohnraums die gleichberechtigte Teilhabe der Interessenten an der Gesellschaft sicherzustellen; modifiziert.

Entwickelt haben die Mitarbeiter der Lebenshilfe zwischenzeitlich, gemeinsam mit den Angehörigen des Wohnbeirates der Wohnanlage am Schwafördener Weg sowie denen der Beiräte aus dem ambulant betreuten Wohnen, eine Umfrage, die Auskunft darüber gibt, „wie unser Klientel eigentlich leben will“, so Lüneburg. Schon bei der Entwicklung der Fragestellungen sei deutlich geworden, „dass es nicht nur um Menschen mit geringem Hilfebedarf gehen kann.“

Die Frage der Belegung der zukünftigen Wohnanlage dürfe nicht von den Kompetenzen möglicher Interessenten abhängig sein. „Gerade junge Menschen mit Beeinträchtigungen haben ganz konkrete Vorstellungen von Lebensqualität; unabhängig vom Grad ihrer Behinderung.“

Das Konzept der Wohnanlage am Schwafördener Weg entspreche nicht dem einer Sondereinrichtung, deren Struktur von Mitarbeitern der Lebenshilfe beeinflusst wird. Annette Lüneburg: „Wir denken vom Menschen mit Beeinträchtigung aus - und dessen individuellen Bedürfnissen.“

Klartext: Jeder Mieter könne sich seine Leistungspakete selbst zurechtschneiden; ob Menschen mit oder Menschen ohne Beeinträchtigungen. Die Novelle des Bundesteilhabegesetzes biete für dieses Konzept eine Riesenchance. „Das neue Gesetz sieht eine klare Trennung von Grundsicherung und Fachleistungen vor.“

Im Innenverhältnis der Kooperation zwischen Lebenshilfe und „casa“ tritt die Baubetreuungsgesellschaft als Investor auf. Die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz als Pächterin, die die Räume weitervermietet. Andreas Körner hofft darauf, dass die Baugenehmigung nicht allzu lange auf sich warten lässt. Nach derzeitigem Planungsstand gehe man davon aus, die Räume im Mai kommenden Jahres an die Pächterin übergeben zu können.

Kommentar: Fachlichkeit führt zu Ergebnissen

Von Carsten Schlotmann.

Ergebnisse entstehen da, wo Fachlichkeiten kooperieren. Lebenshilfe Grafschaft Diepholz und „casa Baubetreuungsgesellschaft“ bündeln die Kräfte und bringen in einer Wohnanlage Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen. Annette Lüneburg, Geschäftsführerin der Lebenshilfe und damit der zukünftigen Vermieterin, spricht von einem „Sahneschnittchen“, das am Schwafördener Weg entstehe. 

Ein „Schnittchen“, dessen Verzehr nicht nur dem eigentlichen Klientel vorbehalten bleibt. Lüneburg und Mitstreiter geben sich offen. Menschen mit Beeinträchtigungen und ohne, Alt und Jung seien am Kaffeetisch gleichermaßen erwünscht, multikulti, wie auch immer: „Etwas Buntes soll entstehen“, sagt die Geschäftsführerin; eben bunt wie die Gesellschaft. Inklusion steht für gleichberechtigte Teilhabe. 

Lebenshilfe lädt ein, am Leben ihres ureigensten Klientels teilzuhaben; nicht nur temporär, sondern im Wohn- und damit auch im Lebensraum. Lebenshilfe ist längst mehr als ein Elternverein. Lebenshilfe ist Wegweiser. Es muss normal sein, anders zu sein.

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