Fachausschuss lehnt Ende der Zusammenarbeit ab

Sulingen: Betriebliche Kinderbetreuung bleibt noch bestehen

Ein Schild am Eingang von Ratz und Rüber weist auf die Kooperation zur betrieblichen Kinderbetreuung hin.
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Insgesamt 15 Krippen- und 25 Kindergartenplätze werden aktuell im Rahmen der betrieblichen Kinderbetreuung bei „Ratz & Rübe“ vorgehalten.

Der Fachausschuss stimmte gegen das Ende der betrieblichen Kinderbetreuung in Sulingen – und löst damit Verwunderung aus bei den heimischen Betrieben. Deren Vertretung, die Initiative Sulingen, war sich nämlich mit der Verwaltung einig über den Abschluss der Kooperation.

Sulingen – Am Montag verwarf der Ausschuss für Soziales, Schule und Jugend der Stadt Sulingen den Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung, der ein Ende der betrieblichen Kinderbetreuung vorsah (wir berichteten). Von dieser Entscheidung zeigt sich am Dienstag Marc Steen, stellvertretender Vorsitzender der Initiative Sulingen, auf Nachfrage „maximal irritiert“.

Im Jahr 2010 hatten Stadt und Initiative eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, wonach an der Kindertagesstätte „Ratz & Rübe“ eine Krippengruppe eingerichtet werden sollte, deren Plätze vorrangig für Kinder von Mitarbeitern der Mitgliedsbetriebe der Initiative gedacht waren. In der Folge wurde diese Vereinbarung auch auf Kindergarten- und zuletzt auf Hortplätze ausgedehnt. Im Gegenzug finanzierten die entsprechenden Betriebe dieses Angebot mit.

„Maximal irritiert“ über Vorgehen der Politik

„Wir haben im Vorfeld mit der Stadt gesprochen und uns für die Auflösung der Vereinbarung ausgesprochen, weil sie keine Vorteile mehr für die Betriebe bietet“, erläutert Marc Steen. Vor allem der seit 2013 bestehende Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz sei der Grund dafür, denn: „Es ergibt jetzt überhaupt keinen Sinn mehr, für etwas extra zu zahlen, das ohnehin allen zusteht.“

Insgesamt sei die betriebliche Kinderbetreuung über die Jahre jedoch ein Erfolgsmodell gewesen. Zwar sei die Nachfrage anfangs geringer gewesen, aber zum Schluss hätten die Plätze nicht mehr ausgereicht, sodass die Kinder auch in anderen Einrichtungen untergebracht werden mussten. Es sei aber vielfach den Betrieben auch nicht um Betreuungsplätze an sich gegangen, sondern attraktiv sei gewesen, direkten Zugriff auf Plätze in der Kindertagesstätte „Ratz & Rübe“ zu haben. Bei dieser Entscheidung des Fachausschusses werde es die Initiative Sulingen nicht belassen, kündigt Steen an: „Wir werden jetzt das Gespräch mit der Politik suchen.“

Zum ursprünglichen Artikel vom 12. Januar:

Sulingen – Nach mehr als zehn Jahren steht die betriebliche Kinderbetreuung in Sulingen auf dem Prüfstand: Am Montag verweigerte der Ausschuss für Soziales, Schule und Jugend, mit vier Nein- bei drei Ja-Stimmen und einer Enthaltung, die Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung. Der sah vor, die bestehende Kooperation mit der Initiative Sulingen zum 31. Juli dieses Jahres aufzulösen.

Mit Beginn des Kindergartenjahres 2010 / 2011 war im Rahmen dieser Kooperation zunächst in der Kindertagesstätte Ratz und Rübe eine ganztägige Krippengruppe eingerichtet worden, 2012 folgte die Kindergartenbetreuung und 2015 kam schließlich auch der Hort hinzu. Insgesamt umfasst die Kooperation aktuell 15 Krippen-, 25 Kindergarten- und zehn Hortplätze. Diese Plätze werden vorrangig vergeben an Kinder von Mitarbeitern der Mitgliedsbetriebe der Initiative, was die jeweiligen Betriebe mit 25 000 bis 30 000 Euro pro Jahr mitfinanzieren.

Rahmenbedingungen haben sich verändert

Inzwischen hätten sich aber die Umstände der Kinderbetreuung geändert, erläuterte Birgit Dullin, Leiterin des Fachbereichs I Allgemeines und Soziales. Vor allem, weil 2013 für Kinder ab vollendetem ersten Lebensjahr ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz eingeführt wurde.

Auch im Alltag stoße das Projekt in den Einrichtungen an seine Grenzen: Die langen Betreuungszeiten zwischen 5.30 und 20 Uhr würden immer seltener nachgefragt, ebenso die Sonderöffnungszeiten vor 7 Uhr und nach 17 Uhr. Zudem komme der Großteil der Kinder, die in diesem Rahmen betreut wurden, aus Sulingen, sodass sie ohnehin einen Anspruch auf einen Platz in einer Sulinger Einrichtung gehabt hätten; durchschnittlich seien in den vergangenen drei Jahren nur drei auswärtige Kinder betreut worden. Für sie solle auch nach Ende der Kooperation die Betreuung in Sulingen weiter gewährleistet bleiben, bis sie eine Schule besuchen.

Ausschussmitglieder wollen nicht auf Einnahmen für die Stadt verzichten

Walter Legler (Gruppe CDU / Bürger erreichen) rief dazu auf, nicht leichtfertig auf die Einnahmen zu verzichten, die von den Betrieben klaglos gezahlt würden – es scheine für die Firmen ein wichtiges Argument zu sein, diesen Anspruch auf einen Betreuungsplatz zu haben. Das unterstützte sein Gruppenkollege Oliver Böhm, der es ablehnte, freiwillig auf Einnahmen zu verzichten, solange die Initiative nicht von sich aus die Kooperation auflösen wolle.

Auf der Suche nach Fachkräften müssten die Betriebe sich auf möglichst vielfältige Weise attraktiv darstellen, führte Claus Freye (SPD) an, und da reichten flexible Arbeitszeiten nicht. Daher solle die Stadt die Kooperation nicht ohne Not beenden.

Stadtverwaltung sieht keine rechtliche Grundlage mehr

Eindringlich für den Beibehalt der Vereinbarung warb auch Anke Harzmeier, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Sulingen punkte seit Jahren als familienfreundliche Kommune, weswegen es schlimm sei, wenn die Vergabe von Betreuungsplätzen an auswärtige Eltern zu einer reinen „Goodwill-Aktion“ werde. Stattdessen solle darüber nachgedacht werden, die Kooperation anzupassen, beispielsweise durch das Reduzieren der dafür bereitgestellten Plätze, durch das Senken der Kosten für die Betriebe, durch ein Verteilen der Plätze auch auf andere städtische Kindertagesstätten oder durch eine Befristung des Modells.

„Die Kooperation ist zwar nach außen werbewirksam, aber sie erfüllt keinen Sinn mehr“, sagte dagegen Bürgermeister Dirk Rauschkolb. Zwar verliere die Stadt durch das Ende der Kooperation Einnahmen, aber „wir sehen keine ernsthafte rechtliche Grundlage mehr dafür, und das müssen wir offen und fair ansprechen.“ Auch für auswärtige Kinder werde im Bedarfsfall eine Betreuungsmöglichkeit gefunden, versicherte er.

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