Thriller-Adaption „Blackout“ zeigt im Sulinger Theater Verletzlichkeit der modernen Welt auf

Beklemmende Stille vor dem Schlussapplaus

Auch das Bühnenbild für seine Theaterfassung von „Blackout“ entwarf Thomas Tiberius Meikl. Foto: Kropf

Sulingen - Von Gerhard Kropf. Schon beim Eintreten in das Sulinger Theaterfoyer war am Mittwochabend alles anders als sonst: Im Halbdunkel gaben batteriegespeiste Lämpchen das nötige Licht. Das passte zum Theaterstück des Abends: „Blackout“ nach dem 2012 erschienenen Thriller von Marc Elsberg. Er beschreibt darin eindringlich, welche Katastrophen den Menschen drohen, wenn in Europa plötzlich der Strom ausfällt.

Thomas Tiberius Meikl gelang eine beeindruckende Bühnenfassung der rund 800 Seiten umfassenden Buchvorlage, die den Leser chronologisch von Tag eins bis dreiundzwanzig und mit zahlreichen verschiedenen Schauplätzen fesselt. Meikl nahm Kürzungen vor und entwarf für seine Inszenierung auch das Bühnenbild: Metallgestänge erinnerten einerseits an Baugerüste und Kranausleger, andererseits auch an Strom-Überlandleitungen. Zu Beginn der Aufführung, noch im Dunkeln, hört das Publikum ein kurzes Getöse und Geschepper, und als die Bühnenbeleuchtung anging, sah es ein Durcheinander von Metallteilen: War es ein Anschlag auf die Strommasten oder das Geräusch von Verkehrsunfällen, Folge des plötzlich ausfallenden Stroms?

Auch Piero Manzano, dargestellt von Mario Thomanek, ist betroffen. Plötzlich hat er kein Wasser mehr. Ihm ist klar: Kein Strom, keine Pumpen, kein Druck, kein Wasser und auch keine Heizung, mitten im Februar. Aber als ehemaliger Computerhacker hat er einen Verdacht: Nicht Anschläge auf Strommasten, sondern die neuen smarten Stromzähler könnten schuld sein, da der europaweite Stromausfall in Italien und Schweden begann, wo diese modernen Geräte schon flächendeckend verbaut sind. Sie bieten das Einfallstor, so glaubt Manzano, durch das Terroristen den Blackout auslösen, wegen des europaweiten Verbundes in vielen Ländern gleichzeitig.

Manzano geht mit diesen Informationen zur Polizei und zu Europol, wird anfangs nicht ernst genommen oder man misstraut ihm. So können die Terroristen den Blackout fortsetzen.

Augenzeugen werden per Video eingeblendet und berichten. Eine besonders düstere Szene spielt im Krankenhaus, wo die Notstromgeneratoren wegen fehlenden Treibstoffnachschubs ausgefallen sind, notwendige Operationen nicht durchgeführt werden können und wenn doch, dann ohne Narkose und Schmerzmittel.

Jedes Mal bedrückende Stille im Publikum, das realisierte, wie abhängig die Menschen vom Strom sind und wie verletzlich die moderne Gesellschaft und das moderne Leben sind. Hilflos müssen die Regierungen der betroffenen Länder zusehen. Schließlich, nach zwei Wochen und vielen dramatischen Ereignissen, gelingt es Manzano und Europol zusammen, die Quelle der Hackeranschläge in Istanbul und in Mexico-City zu verorten, und ein internationaler Polizeieinsatz schaltet sie aus. Das Stromnetz kann langsam wieder hochgefahren werden und bleibt stabil.

Ende gut, alles gut? Mitnichten. Die Folgen des zweiwöchigen Stromausfalls in Europa und den USA werden noch lange auf die Überlebenden einwirken. Videos und eine Stimme aus dem Off zeigen es eindringlich als letzte Szene. Beklemmende Stille im Publikum, und erst zögerlich beginnt der verdiente Schlussbeifall, der dann aber um so länger dauert und die acht Schauspieler immer wieder auf die Bühne fordert.

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