Fitnessstudios im Sulinger Land leiden unter Zwangspause / Workout per Video

Beitrag weiter zahlen oder nicht?

Neue Farbe an den Wänden: Studioleiter Jannis Rochner hat die Schließung unter anderem zum Renovieren genutzt. Foto: Bartels

Sulinger Land - Von Harald Bartels. Zahlen die Mitglieder ihre Beiträge weiter, obwohl sie nicht im Studio trainieren dürfen? Zu den zahlreichen Einrichtungen, die im Zuge der Corona-Pandemie schließen mussten, gehören auch die Fitnessstudios im Sulinger Land. Anders als viele Geschäfte dürfen sie auch weiterhin nicht öffnen, um so das Ansteckungsrisiko zu vermindern.

Bereits im März hatte das „Studio fünf“ in Sulingen seine Mitglieder darüber informiert, dass von April bis zur Wiedereröffnung keine Beiträge eingezogen werden –  weil man keine Leistungen erbringen könne. „Daraufhin haben wir sehr viele Nachrichten von Mitgliedern erhalten, die freiwillig ihre Beiträge weiter zahlen wollten, um das Studio zu unterstützen“, berichtet Geschäftsführer Jannis Rochner. „Wir sind begeistert von dem Feedback.“ Das Team habe jedoch auch gemerkt, wie sehr die Krise Privatleute betreffe, etwa durch Kurzarbeit oder Selbstständige, denen nun Aufträge fehlten.

Die Gesellschafter hätten besprochen, wie mit der Situation umzugehen sei und sich entschieden: „Wir wollen dieses Geld nicht für die laufenden Kosten verwenden, sondern in das Studio investieren.“ Beschafft werden sollten neue Geräte, um das Angebot noch attraktiver zu gestalten. In der Zwischenzeit würden alle Geräte und Flächen gereinigt sowie die Räume gestrichen und renovieren.

„Wir können uns aktuell auf unsere Mitglieder verlassen, der Großteil verzichtet auf eine Erstattung“, sagt auch Dennis Bredehorn, der erst im Februar zusammen mit Juliane Krauß das Studio „Easyfitness“ in Sulingen eröffnete. Die Beiträge werden weiter abgebucht und den Mitgliedern drei Optionen angeboten: Das Geld werde aus Solidarität gespendet, es könnte umgewandelt werden in einen Gutschein zum Weiterverschenken an Freunde oder Verwandte oder die Ausfallzeit werde kostenfrei an die vereinbarte Vertragslaufzeit angehängt. „Wir sind sehr glücklich darüber, und alle Mitarbeiter bleiben Teil des Teams.“

Angeboten werden nun Videos für die Mitglieder für ein Work-out zuhause – ohne Geräte, nur mit dem eigenen Körpergewicht – „das ist ein kleiner Teil, den wir zurückgeben können“, sagt Bredehorn. Zudem seien kleinere Veränderungen im Studio vorgenommen worden, beispielsweise wurde eine weitere Sitzgruppe aufgestellt, und die Mitglieder durften online über ein neues Gerät abstimmen. Das ist bereits bestellt.

Von sich aus auf den Einzug der Beiträge verzichtet hat Gaby Kettelhake, Inhaberin des Studios „Casa Vitale“ in Siedenburg. „Das ist zwar existenzbedrohend, denn die Betriebskosten sind da, aber uns sind die Hände gebunden.“ Bei allen sei das Geld nun knapp, aber sehr bedenklich sei die Situation für alle freiberuflichen Trainer und Übungsleiter, denn für sie gebe es in Niedersachsen – anders als in anderen Bundesländern – keine Unterstützung, außer der Grundsicherung.

In der Zwischenzeit hätten die Trainer kleine Videos (im Freien) für die Mitglieder gedreht, mit Übungen für zuhause und Tipps. Einige nutzen das Angebot, sich kostenlos Geräte für das Training auszuleihen. „Ich wäre heilfroh, wenn es bald Lockerungen gibt, gerne mit Hygieneauflagen, denn man merkt die Unzufriedenheit bei den Mitgliedern.“

Die Bitte, die Beiträge weiter zu zahlen, findet sich noch auf der Internetseite des Studios „4evervital“ in Kirchdorf. Das sei aber mittlerweile überholt, sagt Inhaber Andreas Kröger: „Wir sind zunächst davon ausgegangen, dass die Schließung nur vier Wochen dauert, und hatten angeboten, die Ausfallzeit an den Vertrag anzuhängen.“

Inzwischen würden aber keine Beiträge mehr eingezogen und alle Mitglieder werden persönlich angesprochen. Kröger beurteilt die Situation kritisch: „Rein wirtschaftlich wird es ein Studiosterben geben.“ Es gebe eine große Verunsicherung in der Branche, denn es gebe zwar bestehende Verträge, aber schon normalerweise eine große Fluktuation bei den Mitgliedern, weil Verträge auslaufen – „in manchen Studios sind das 30 bis 50 Prozent, die man erst einmal ausgleichen muss, und da spreche ich noch nicht von zugewinnen.“ Kröger selbst habe die Soforthilfe beantragt, aber der Betrag decke nicht einmal die Betriebskosten von zwei Monaten. Als Physiotherapeut sei er in der glücklichen Lage, dass seine Praxis weiterlaufe und er so die Verluste aus dem Fitnessbereich kompensieren könne. So nutze er die vorhandenen Geräte für die Physiotherapie. Er werde sein Unternehmen umstrukturieren und auf ein Gesundheitszentrum umstellen. Aus seiner beruflichen Praxis, unter anderem in einer Rehaklinik, sei er mit dem Arbeiten unter Infektionsgefahr vertraut, seine Geräte hätten die Zulassung für die erweiterte ambulante Physiotherapie (EAP) und seien mit antibakteriellen Griffen ausgestattet, schildert Kröger. Außerdem seien sie so aufgestellt, dass zwischen ihnen genügend Abstand bleibe. Bei Bedarf könne er sogar noch Schutzwände zwischen den Plätzen installieren: „Wir könnten von heute auf morgen wieder starten.“

Das Sulinger Fitnessstudio „Sport’s“ hatte bis Redaktionsschluss nicht auf die Interviewfrage geantwortet.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Meistgelesene Artikel

Frontalkollision: Zwei Tote bei Unfall auf B214 in Barver

Frontalkollision: Zwei Tote bei Unfall auf B214 in Barver

Frontalkollision: Zwei Tote bei Unfall auf B214 in Barver
Kreissparkasse Syke schließt sechs Filialen

Kreissparkasse Syke schließt sechs Filialen

Kreissparkasse Syke schließt sechs Filialen
„Vier Baustellen“ beschäftigen Sulinger Patrick Bade

„Vier Baustellen“ beschäftigen Sulinger Patrick Bade

„Vier Baustellen“ beschäftigen Sulinger Patrick Bade
Schaschlik und Plov aus dem Kazan: Radik Tamoyan betreibt neues Restaurant in Barnstorf

Schaschlik und Plov aus dem Kazan: Radik Tamoyan betreibt neues Restaurant in Barnstorf

Schaschlik und Plov aus dem Kazan: Radik Tamoyan betreibt neues Restaurant in Barnstorf

Kommentare