Grundstücke werden versteigert

„Geschenkt noch zu teuer“: Bahnstrecke von Sulingen nach Staffhorst unterm Hammer

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Das ehemalige Bahnstreckenteilstück, das jetzt versteigert werden soll, verläuft auf einer Länge von rund 13 Kilometern – mit Unterbrechungen – von Sulingen nach Staffhorst, das Gesamtgrundstück hat eine Fläche von rund 27,4 Hektar.

Sulingen/Siedenburg - Ob Schlösser, Wälder, Bahnhöfe oder, wie Ende 2017, gar ein komplettes Dorf, Alwine in Brandenburg: Das Auktionshaus Karhausen in Berlin ist dafür bekannt, außergewöhnliche Objekte unter den Hammer zu bringen. Da ist der aktuelle Auftrag nichts Exotisches für Matthias Knake, öffentlich bestellter und vereidigter Grundstücksauktionator und im Vorstand des Auktionshauses.

Die Deutsche Bahn lässt ein Stück der ehemaligen Eisenbahnstrecke Diepholz-Nienburg versteigern, teilt er mit – das von Sulingen nach Staffhorst, ein rund 13 Kilometer langer Abschnitt des „östlichen Arms“ des Sulinger Kreuzes, auf dem 1969 der Personenverkehr eingestellt wurde.

Das Mindestgebot für das rund 27,4 Hektar große Gesamtgrundstück beläuft sich auf 49.000 Euro. Tatsächlich ist es eher eine Reihe von Grundstücken, teils nicht breiter als der reine Bahndamm, teils umfangreicher, die als Paket versteigert werden soll. Straßen und Brücken kreuzen an mehreren Stellen das Bahngrundstück, in Mellinghausen steht ein Gebäude der Raiffeisen-Warengenossenschaft Niedersachsen Mitte auf der Trasse. 

Die Strecke beginnt nördlich der zum ehemaligen Sulinger Bahnhof gehörenden Gleisanlagen, auf Höhe von Nordsulingen, zweigt von den Gleisen in Richtung Bassum ab und schlägt einen Bogen nach Osten. Die Grundstücke befinden sich in den Gemarkungen Nordsulingen, Ohldendorf, Siedenburg, Mellinghausen, Maasen, Borstel, Bockhop und Staffhorst, zum überwiegenden Teil also in der Samtgemeinde Siedenburg.

„Ungefähr 40 Anfragen liegen uns bereits vor“

Das Auktionshaus Karhausen habe bereits mehrere Eisenbahnstrecken versteigert. „Bei Bahnobjekten haben wir eine nahezu hundertprozentige Abverkaufsquote“, berichtet Matthias Knake. „Ungefähr 40 Anfragen liegen uns bereits vor.“ Das Objekt ist immer noch bahngewidmet – dennoch spricht Knake von einer „spannenden Investition“, „so haben in der Vergangenheit schon Eisenbahnfans ersteigerte Strecken teilweise wieder in Betrieb genommen oder es wurden die hochwertigen Gleise zu Geld gemacht.“ 

Auch landwirtschaftliche Nutzung sei denkbar, wer allerdings auf dem Grund bauen möchte, müsse erst die Entwidmung beantragen und die Kosten für das Verfahren tragen. Die Versteigerung in Berlin ist für den 21. September geplant.

Siedenburg hat kein Interesse

Bürgermeister Dirk Rauschkolb findet es bedauerlich, dass die Bahn den Sulinger Part des Grundstücks nicht der Stadt angeboten hat, „ein Teilerwerb ist nicht möglich.“ Er erinnert daran, dass der geplante Anschluss der Straße „Am Stellwerk“ an die nördliche Entlastungsstraße nicht zustande kam, da die Bahnlinie im Bahnhofsbereich nicht gequert werden durfte, „vielleicht hätte sich nördlich davon eine sinnvolle Lösung realisieren lassen.“ 

Auf Siedenburger Seite sei man nicht daran interessiert, gemeinsam für das Grundstück zu bieten. Vielleicht könne man später mit dem Käufer ins Geschäft kommen. Siedenburgs Samtgemeindebürgermeister Rainer Ahrens stellt fest: „Es gibt Dinge, die sind geschenkt noch zu teuer.“ Die Verkehrssicherungspflicht, die erforderlichen Unterhaltungsmaßnahmen, Altlasten – „aus meiner Sicht hat die Samtgemeinde kein Interesse.“

Schock beim AEBB

Seit Jahren setzt sich der Verein Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde, kurz AEBB, für den Erhalt beziehungsweise die Reaktivierung der Strecken des Sulinger Kreuzes für den Personenverkehr ein. „Da waren wir natürlich ein bisschen geschockt, als wir von der Auktion erfuhren“, bekundet Vorstandsmitglied Detlev Block. Der Verein habe nicht die Mittel, die Bahnstrecke zu erwerben, sei ja auch kein Schienenverkehrbetreiber. 

„Sollte es zu einer Entwidmung der Strecke kommen, ist sie für eine künftige Nutzung unwiederbringlich verloren“, ist Block überzeugt. Wie das AEBB mit der Entwicklung umgeht, werde diese Woche bei einer Vorstandssitzung besprochen. 

Am Montag hatten die Grünen im Landtag gefordert, die Reaktivierung alter Bahnstrecken in Niedersachsen voranzutreiben.

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