Was macht Sulingen attraktiver?

Abiturienten machen sich Gedanken: Bahnanschluss und Klinik sind wichtig

Eine junge Frau und ein junger Mann sitzen auf einer Beeteinfassung an einer Straße in Sulingen.
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Was müsste sich ändern, damit junge Leute nach Studium und Ausbildung zurückkehren? Die Jahrgangssprecher Daria Meyer und Eliah Robowski haben sich im Abiturjahrgang umgehört.

Sulingen – Bei den Grußworten anlässlich ihrer Entlassungsfeier haben die Abiturienten des Sulinger Gymnasiums genau hingehört: Sowohl Landrat Cord Bockhop als auch Bürgermeister Rauschkolb hätten davon gesprochen, dass sie mit dem Abiturzeugnis „ausschwärmen“, aber nach Studium und Ausbildung wieder in die Region zurückkehren sollten, erinnert sich Jahrgangssprecher Eliah Robowski.

Das blieb nicht ungehört, stellt Jahrgangssprecherin Daria Meyer fest: „Wir haben uns im Jahrgang gefragt, was sich ändern müsste, damit wir gerne zurückkommen.“

Ganz oben auf der Wunschliste stehe ein Bahnanschluss für Sulingen. „Gerade, wenn man möchte, dass Studierende wieder zurückkommen, ist das ein wichtiger Punkt“, betont sie. Die bestehenden Landesbuslinien, die eine Anbindung an die umliegenden Städte mit Bahnanschluss schaffen sollen, hält sie nicht für ausreichend, denn im Kirchdorfer Ortsteil Kuppendorf, wo sie aufgewachsen ist, sei nur zweimal am Tag ein Bus gefahren. „Ohne Führerschein ist es schwierig, wenn man mal nach Kirchdorf oder Sulingen möchte. Da muss man warten, dass die Eltern Zeit haben, einen zu fahren.“

Am Bahnhof tummeln sich Wildkräuter, keine Fahrgäste – bessere ÖPNV-Anbindung steht auf der Wunschliste.

Die Verlässlichkeit sei nicht gegeben, auch bei den Landesbuslinien nicht, führt Eliah Robowski an. Gerade erst habe er in Mellinghausen erlebt, dass der Bus vier Minuten vor der Abfahrtszeit laut Fahrplan davonfuhr. „Es ist eine schöne Gegend, in die wir gerne wieder zurückkommen – aber das fällt leichter, wenn wir eine Anbindung haben.“ Generell sei der öffentliche Personennahverkehr hier unattraktiv, speziell für junge Leute. „Es muss nicht wie in der Großstadt sein, wo alle zehn Minuten ein Bus kommt, aber die Busse sollten häufiger fahren.“

Kritisch sehe der Jahrgang den geplanten Bau einer Zentralklinik in Twistringen-Borwede, wofür die Klinik in Sulingen geschlossen werden soll. Dabei bereitet den Jugendlichen vor allem die Versorgung im Notfall Sorge: Für geplante Eingriffe sei es auch in Ordnung, wenn man dafür etwas weiter fahren muss, sagt Eliah Robowski, aber kritisch werde es beim Einsatz eines Notarztes, der an einem Krankenhaus angesiedelt sei: „Bis der ganz aus Twistringen kommt, vergehen Jahre.“

Medizinische Versorgung im Notfall bereitet Sorge

Ein medizinisches Versorgungszentrum, wie es als Nachnutzung für das Sulinger Klinikgebäude bereits ins Gespräch gebracht wurde, sehen beide Sprecher nicht als Alternative. „Es spielt keine Rolle, wo die Ärzte sind“, sagt Eliah Robowski, aber „mehr Ärzte wären schön, damit man nicht auf einen Termin warten muss.“

Ein weiterer Punkt ist die Attraktivität der Sulinger Innenstadt: „Ich persönlich finde es schade, dass die Lange Straße keine Fußgängerzone ist“, sagt Eliah Robowski, „denn es gibt nur bei wenigen Restaurants dort die Chance, schön draußen zu sitzen.“ Außerdem fehle für die Freizeit ein Platz zum Treffen, mit Sitzgelegenheiten und vielleicht der Möglichkeit, sich in der Nähe etwas zu essen zu holen.

Reger Verkehr herrscht auf der Langen Straße – Eliah Robowski spricht sich für eine Fußgängerzone aus.

Eine größere Auswahl wünschen sich die Abiturienten laut Daria Meyer auch beim Shoppen: „Es ist schön, dass wir Ranck hier haben, aber es fehlt noch ein bisschen mehr Auswahl für Jugendliche, auch wenn das nicht die Aufgabe der Politik ist.“

Ihre Kritik wollen die Abiturienten aber nicht als generelle Ablehnung verstanden wissen: „Wir wollen nicht sagen, dass alles blöd ist, sondern es mit unseren Anregungen noch schöner machen“, betont Daria Meyer. Sie werde immer zurückkehren, nicht nur, weil ihre Familie hier lebt, sondern beispielsweise auch, um in der Kirchdorfer Heide spazieren zu gehen.

Abiturienten schätzen auch die Vorzüge des Sulinger Landes

Auch Robowski findet: „Die Stadt hat eine schöne Größe, das meiste, wie Schwimmbad oder Kino, gibt es hier, und man kann seine Kinder überall hin schicken.“ Für die Freizeit gebe es auch mit den Sportvereinen oder Feuerwehren viele Möglichkeiten. Dem stimmt Daria Meyer zu: „In der Jugendfeuerwehr hat es immer viel Spaß gemacht, das gibt es so in der Großstadt nicht.“

Dem Sulinger Land werden beide jedoch zunächst den Rücken kehren: Daria Meyer zieht es zu einem Pharmaziestudium nach Braunschweig, Eliah Robowski strebt ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens in Hamburg an. Damit geht es ihnen wie vielen ihrer bisherigen Mitschüler: „Etwa 70 bis 80 Prozent wollen die Region für ein Studium oder eine Ausbildung verlassen, aber es können sich viele von uns vorstellen, später wieder hierher zu kommen.“

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