Stöbern in der „Plattenkiste“

Axel Havekost eröffnet Sulinger Schallplattengeschäft „Vinyl214“

Ein Mann und eine Frau zeigen in ihrem Plattenladen verschieden Schallplatten.
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Auch Spezialitäten wie „The Dark Side of the Moon“ von „Pink Floyd“ oder „Nach uns die Sintflut“ inklusive Gimmicks von „Die Ärzte“ haben Andrea Havekost-Pahl und Axel Havekost im Sortiment.

Sulingen – In Zeiten, in denen jedes beliebige Musikstück augenblicklich auf dem Smartphone verfügbar ist, gelten Schallplatten vielfach als altmodisch. Diese Einschätzung kann Axel Havekost jedoch überhaupt nicht teilen: Anfang dieses Jahres eröffnete er das Plattengeschäft „Vinyl214“, Am Deepenpool 2, in Sulingen.

Die Idee dazu sei von seiner Ehefrau, Andrea Havekost-Pahl, gekommen, verrät er: Für sein Hobby als Musiker (wir berichteten) suchte er eine Gewerbeimmobilie als Studio, und der nicht benötigte Raum sollte als Ladengeschäft dienen. Mittlerweile musste das Studio jedoch wieder in den Hintergrund treten, und das Geschäft macht den Großteil der Fläche aus.

Ein breites Stil-Spektrum an Schallplatten findet sich bei „Vinyl214“.

Ohne Werbung zu machen, habe er zu Jahresbeginn eröffnet, aber aufgrund von Corona sei der Laden erst seit drei, vier Monaten „richtig“ auf. Trotzdem seien schon einige Kunden gekommen. „Das Beste ist: Sie sind auch wiedergekommen.“ Jedes Wochenende kämen zudem neue, deswegen sei er guter Dinge, dass der Laden eine Zukunft hat.

Das unterstützt auch der Bundesverband Musikindustrie, der in seinen Zahlen für das Jahr 2020 immerhin 4,2 Millionen verkaufte Schallplatten vermeldet, die Zahl der verkauften Exemplare habe sich damit seit 2011 versechsfacht.

Neue Alben hat Havekost auch im Sortiment: Eine Auswahl gängiger Scheiben führt er vor Ort, alles andere kommt auf Bestellung „zum Internetpreis“.

Einen Plattenspieler zum Probehören stellt Axel Havekost für die Kunden bereit.

Den Großteil der mehr als 3 000 Schallplatten umfassenden Auswahl machen jedoch gebrauchte Stücke aus: „95 Prozent sind aus den siebziger bis neunziger Jahren, vorwiegend Rock und Pop, aber auch Jazz, Punk und Maxis.“ Schlager und Klassik führe er dagegen fast gar nicht, weil diese Musikrichtungen kaum nachgefragt würden. „Neulich hat mal jemand eine James-Last-Box gekauft, aber das kommt wohl nur einmal im Jahr vor.“

Sein Sortiment bestücke er überwiegend aus dem Ankauf von Sammlungen: „Jede Woche kommen neue Platten in den Laden.“ Üblicherweise brächten die Menschen sie zu ihm in das Geschäft, aber er sei ständig auf der Suche nach Sammlungen, auch im Internet. Alle Platten überprüfe er sorgfältig und reinige sie, bevor sie im Sortiment landen. Die Preise reichen dabei von drei Euro bis hin zu 300 Euro für Sammlerstücke, aber „das Gros liegt zwischen fünf und 15 Euro.“

Bereit steht ein Plattenspieler zum Probehören der Alben. Zwar habe er auch eine Internetseite für sein Geschäft, aber keinen Onlineshop, denn es gehe um das Auspacken und Stöbern: „Besondere Freude macht mir, das Lächeln auf den Gesichtern der Kunden zu sehen“, sagt Axel Havekost. In seiner Kundschaft fänden sich Menschen zwischen 17 und 70, Männer ebenso wie Frauen, und in seinem Laden tausche man sich auch über Musik aus.

Auch eine Auswahl gebrauchter und generalüberholter Hifi-Bausteine findet sich im Geschäft.

Er selbst pflege seine eigene Sammlung seit 30 Jahren und habe sie von Umzug zu Umzug mitgenommen. Vor einigen Jahren habe er sich dann mit einem Freund darüber unterhalten, mal wieder Schallplatten zu hören, und sich anschließend wieder einen gebrauchten Plattenspieler gekauft. „Die Platte hat immer überlebt, trotz CD und Streaming.“ Es gehe um das Anfassen und Auflegen, um das Anschauen des Covers mit Bildern und Texten – „das ist auch ein bisschen Entschleunigung.“ Außerdem fühle sich der Klang natürlicher und wärmer an, schwärmt er, „es ist einfach näher dran am Liveerlebnis als ein digitales Produkt.“

Ebenfalls zu bekommen ist im „Vinyl214“ eine Auswahl an gebrauchten Plattenspielern und Hifi-Bausteinen von Marken wie Kenwood oder Tandberg. Die Geräte würden allesamt von einem Bekannten generalüberholt und zum Teil in neue Gehäuse installiert. Das Sortiment runden Artikel wie Bürsten oder Handschuhe zur Pflege der Schallplatten ab.

Geöffnet ist das Geschäft freitags von 15 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 16 Uhr. Für die Kontaktaufnahme, ob für Bestellungen von Schallplatten oder wegen einer Plattensammlung, empfiehlt Havekost eine E-Mail an die Adresse vinyl214@gmx.de.

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