Avacon schaltet Straßenbeleuchtung ab – Westnetz sieht sich nicht zuständig

Finstere Nächte in Sulingen

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Die Straßenlaternen wurden am Samstagabend wieder eingeschaltet – fraglich ist, ob sie Montagabend leuchten.

Sulingen - Von Andreas Behling. Ein düsterer Ort ist Sulingen auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht, dafür sorgt die Straßenbeleuchtung. Eigentlich – seit Mittwochabend spenden die Laternen an einer ganzen Reihe von Straßen kein Licht mehr. „War vorhin echt unheimlich auf dem E-Center Parkplatz“, kommentiert in der Nacht zu Samstag eine Nutzerin in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Sulingen, wenn...“ die Diskussion um die Ursache der Finsternis. „Frag den Bürgermeister, der steht ja auf dem Marktplatz“, empfiehlt am Samstagmittag ein anderer Nutzer Dirk Rauschkolbs Sprechstunde auf dem Wochenmarkt. Gute Idee.

„Ich habe gestern Abend davon gehört“, sagt Rauschkolb. Er kennt nicht den Grund für das Problem, von dem die Verwaltung offenbar informiert ist: Das Internetportal „Bürgertipps“ der Stadt Sulingen (https://buergertipps.sulingen.de) verzeichnet den „Totalausfall der Straßenbeleuchtung“, nennt als Adresse „Heideweg, Feldstraße, Bogenstraße, Lange Straße, Kurze Heide, usw.“. Ein gelbes Zeichen hinter dem Eintrag bedeutet „wird bearbeitet“. Der Bürgermeister stellt fest: „Für das Stromnetz ist die Westnetz zuständig, für die Unterhaltung der Straßenbeleuchtung die Avacon.“ RWE Deutschland hatte das Stromnetz im Sulinger Land Anfang 2015 von der Avacon übernommen, mit dessen Betrieb die hundertprozentige Tochter Westnetz beauftragt. Derzeit läuft eine gemeinsame Ausschreibung der Kommunen des Sulinger Landes, um die Unterhaltung der Straßenbeleuchtung neu zu vergeben – für die ist noch bis Ende dieses Jahres die Avacon Vertragspartner.

Als Laie tippt man ja eher auf ein Netzproblem, wenn die Laternen gleich straßenweise ausfallen. Ein Mitarbeiter der Störungshotline von Westnetz erklärt: „Für die Straßenbeleuchtung ist die Kommune zuständig.“ Er geht auf Nummer sicher, ruft beim Bereitschaftsdienst an. „Der Kollege sagt, die Avacon ist zuständig.“ Auch die hat eine Hotline, nächster Versuch. Eine freundliche Mitarbeiterin setzt sich mit ihren Kollegen am Standort Syke in Verbindung und meldet: „Es gibt wohl eine Umstellung, weil wir das Netz abgegeben haben.“ Sie notiert sich die betroffenen Straßen, „ich gebe das gleich weiter.“ Kurze Zeit darauf meldet sich Corinna Hinkel, Pressesprecherin der Avacon AG: „Wir haben ja die Straßenbeleuchtung und deren Steuerung an die Westnetz abgegeben. Vor drei Tagen haben wir die Steuerung abgestellt und die Westnetz hat übernommen.“ Aufgrund der Anfrage aus der Redaktion werde „die Steuerung wieder angestellt, in unserer Netzleitstelle in Salzgitter. Heute Abend müsste es Licht geben. Montag muss Westnetz dann die Probleme beheben.“

Als Dirk Rauschkolb das hört, ist er einigermaßen fassungslos: „Das hört sich ja nach Strategie an!“ Der Bürgermeister kündigt an, einige „ernste Gespräche“ zu führen und versichert: „Ich bleibe an der Sache dran.“ Es ist 18.45 Uhr am Samstagabend und ein Blick aus den Fenstern der Redaktion zeigt, dass sich erwartungsgemäß Dunkelheit über Sulingen gelegt hat. Genau in diesem Moment gehen die Laternen an der Kampstraße an. Ob sie das wohl auch am Montagabend tun werden?

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