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Petra Mattfeldt alias Caren Benedikt liest am 23. Juni in Sulingen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Harald Bartels

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Autorin Petra Mattfeldt liest am 23. Juni im Kaufhaus Ranck in Sulingen.
Autorin Petra Mattfeldt liest am 23. Juni im Kaufhaus Ranck in Sulingen. © www.petra-mattfeldt.de

Sulingen – Am Donnerstag, 23. Juni, liest die aus Verden stammende Autorin Petra Mattfeldt im Sulinger Kaufhaus Ranck aus ihrer unter dem Pseudonym Caren Benedikt verfassten „Grand Hotel“-Reihe, die in Binz auf Rügen ihren Schauplatz hat. Im Interview spricht sie über ihre Werke und das Schreiben.

Frau Mattfeldt, ist es das erste Mal, dass Sie in Sulingen lesen?

Ja, tatsächlich! Ich bin eher diejenige, die an den Orten liest, über die sie auch schreibt. In Binz hatte ich viele Lesungen, aber in Sulingen war ich noch nie.

Seit 2010 haben Sie mehr als 40 Veröffentlichungen unter drei verschiedenen Autorennamen – wie ist das denn zu schaffen?

Ich kann nicht anders (lacht). Manch einer zieht seine Joggingschuhe an, rennt dann los und fühlt sich gut, wenn er laufen kann, und ich fühle mich gut, wenn ich schreiben kann. Bei mir ist es wirklich so, dass diese ganzen Geschichten nur so heraussprudeln, und deshalb schreibe ich so viel. Machen wir uns nichts vor: Ganz am Anfang hat niemand auf meine Manuskripte gewartet, und ich habe trotzdem geschrieben. Inzwischen wartet man brav auf meine Manuskripte, aber meist nicht lange – das Schreiben ist nach wie vor mein größtes Hobby, und jetzt ist es mein Beruf.

Einige Ihrer Romane sind zu ganzen Reihen geworden – ist das beim Schreiben so entstanden oder war das von vornherein so angelegt?

Ich glaube, das ist einfach meine Art zu schreiben. Ganz am Anfang hatte ich „Die Duftnäherin“ geschrieben und habe, als der Roman fertig war, für mich festgestellt, dass mich das Thema nicht losgelassen hat. Es geht immer damit los, dass ich eine gewisse Zeit spannend finde und welche Herausforderungen die Menschen damals hatten. Da habe ich mich an den Verlag gewandt, weil ich gerne eine Fortsetzung schreiben wollte, und die meinten: „Ja, mach’ mal!“ Ich hatte da noch nicht das Gefühl, zu wissen, was dabei herauskommt, aber diese ganze Recherche musste unbedingt noch geschrieben werden. Ich finde wahnsinnig spannend, was an Geschichte schon da war und wie die Menschen damit umgegangen sind. Ich kann meine Figuren schwer loslassen, gebe ich zu, und die lassen auch mich nicht so gerne los, wie es scheint. Ich höre erst auf, wenn ich das Gefühl habe: Jetzt ist die Geschichte dieser Figur erzählt.

Wie war es bei der „Grand Hotel“-Reihe?

Ich war noch gar nicht sicher, wie viele Teile es werden. Ich hatte den ersten Band geschrieben und habe dafür den Vertrag mit dem Verlag geschlossen. Beim Schreiben bin ich darauf gekommen: Was passiert als Nächstes? Inzwischen habe ich die Erfahrung, dass ich sagen kann: Das sind alleine schon 600 Seiten, da kann ich nicht noch weiter und noch weiter schreiben, also wird es einen zweiten und dritten Teil geben. Ich nehme mir inzwischen die Freiheit, die Romane einfach werden zu lassen.

Ist die Reihe ist dann abgeschlossen oder sind noch weitere Bände zu erwarten?

Die Trilogie ist abgeschlossen. Ich schreibe im Moment an etwas ganz anderem, und ich habe das Gefühl, dass von meiner Hauptprotagonistin Bernadette von Plesow die Geschichte erzählt ist, und damit bin ich auch glücklich. Gedanklich melden sich aber andere Figuren aus der Reihe zu Wort, und ich weiß noch nicht recht damit umzugehen (lacht). Ich habe noch nichts geschrieben, ich habe noch keinen Vertrag, aber ich kenne mich inzwischen gut genug, dass ich nichts ausschließen kann.

Ihre historischen Romane decken eine große Zeitspanne ab, vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Wie intensiv recherchieren Sie dafür?

Extrem viel! Es ist ja nicht so, dass ich sage: Ich möchte einen Mittelalterroman schreiben, oder: Ich möchte einen Roman in der Kolonialzeit schreiben, sondern am Anfang ist die Neugierde. Es ist ganz unterschiedlich, wie die hervorgerufen wird – das kann ein Fernsehbericht sein, das kann ein Zeitungsartikel sein. Dann finde ich eine Zeit spannend und fange an zu gucken. Das ist eine sehr, sehr gesunde Neugierde, mit der ich an alles herangehe, und wenn ich das dann spannend finde, habe ich das Gefühl: Und jetzt möchte ich darüber schreiben. Aber dann muss ich schon alles zu dieser Zeit wissen – was war los, welche Herausforderungen hatten die Menschen, was ist politisch passiert. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann mich total hineinversetzen, wie sich meine Figuren zu der Zeit gefühlt haben, lege ich los. Es ist schön, dass ich mir einen, sage ich mal, sehr zuverlässigen „Schreibruf“ erarbeitet habe, sodass mich meine Verlage einfach machen lassen.

Unter Ihren Pseudonymen Caren Benedikt und Ellin Carsta schreiben Sie historische Romane, und unter Ihrem tatsächlichen Namen Krimis und Thriller. Ist das eher eine Hilfestellung für die Leserschaft, die dann weiß, was sie unter welchem Namen zu erwarten hat, oder ist das eine eigene „Schreibpersönlichkeit“?

Genau das habe ich für mich herausgefunden, dass die drei tatsächlich gefühlt unterschiedliche Herangehensweisen an Themen haben, das ist ganz eigenartig. Unter meinem richtigen Namen mache ich vor allem die „Leidenschaftsprojekte“, bei denen ich sage: Dieses eine Buch möchte ich schreiben, so wie „München 72“, das nächsten Monat erscheint. Der Vorteil ist, dass meine Verlage mir sehr vertrauen und mich einfach machen lassen.

In welcher „Persönlichkeit“ fällt Ihnen das Schreiben am leichtesten?

Das kann ich gar nicht sagen, ich glaube, das ist wie eine Stimmung. In dem Moment, in dem ich weiß, ich schreibe einen Caren Benedikt, und das ist das Thema, lasse ich mich da voll und ganz hineinfallen. Mir haben auch schon viele Leserinnen und Leser gesagt, der Schreibstil sei irgendwie anders, und ich stelle das beim Schreiben auch fest. Ich nehme das wahr, aber ich steuere es nicht. Deswegen kann ich nicht sagen, was mir am leichtesten fällt – immer das Buch, das ich gerade schreibe, finde ich in dem Moment am allerinteressantesten (lacht).

Werden Sie sich vor der Lesung noch mit Sulingen so weit beschäftigen, dass die Stadt eventuell mal in einem Ihrer Romane auftaucht?

An dem Tag werden wir uns auf jeden Fall vorher die Stadt angucken, das mache ich immer, um einen Ort auf mich wirken zu lassen. Um den Bogen zu ziehen: Das Grand Hotel war nichts, was ich geplant habe, sondern wir waren vor vielen Jahren in Binz, und da habe ich dieses Hotel gesehen und zu meinem Mann gesagt: Lass uns da mal hingehen und gucken. Ich suche das nicht gezielt aus, und deswegen kann ich nicht ausschließen, dass ich in Sulingen etwas entdecke – einen bestimmten Ort, eine bestimmte Atmosphäre –, und wenn mich dann etwas packt und ich weiß, es gibt eine wahre Historie dazu, sehe ich mich schon wieder schreiben.

Lesung in Sulingen

Petra Mattfeldt liest am 23. Juni ab 19 Uhr im „Bistro C / O Ranck. Der Eintritt kostet 15 Euro inklusive eines Begrüßungsgetränks. Karten sind im Vorverkauf erhältlich in der Ranck Bücherwelt oder telefonisch unter 0 42 71 /8 03 65.

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