Giftpflanze gewinnt an Boden

Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts bereitet Landvolk und Imkern Sorge

Das gelb blühende Jakobskreuzkraut – hier an der B 214 in Sulingen – verbreitet sich stark über den Straßenverkehr und sollte besonders an den Bundesstraßen entfernt werden, empfiehlt das Landvolk.
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Das gelb blühende Jakobskreuzkraut – hier an der B 214 in Sulingen – verbreitet sich stark über den Straßenverkehr und sollte besonders an den Bundesstraßen entfernt werden, empfiehlt das Landvolk.

Sulingen/Diepholz – „Die gelbleuchtenden Blüten bieten einen netten Anblick, doch Tierhalter und Imker sind in Sorge: Das Jakobskreuzkraut breitet sich immer mehr im Diepholzer und Sulinger Raum aus“, teilt Stefan Meyer mit. Der Pressereferent des Kreisverbandes Diepholz im Niedersächsischen Landvolk mit Sitz in Sulingen erinnert: „In der Pflanze steckt ein starkes Gift, welches die Leber von Tieren, aber auch von Menschen schädigt.“

Während die Bitterstoffe der Pflanze nach dem Abmähen verschwinden würden, bleibe das Gift erhalten. „Daher hat das Jakobskreuzkraut auf Weiden und Wiesen, die der Futtergewinnung dienen, im Sinne des Schutzes der Pferde und Rinder nichts verloren“, betont der Landvolk-Vertreter.

Auch für Imker ist die Pflanze kein Geschenk: „Die Bienen fliegen das Jakobskreuzkraut kaum an. Aber sollte die Pflanze noch großflächiger auftreten, könnten die Giftstoffe auch in den Honig gelangen“, schildert Ingrid Kordes, Vorsitzende des Imkervereins Sulingen, die Gefahr. Dies gelte es frühzeitig zu vermeiden. Obwohl es sich um eine heimische Pflanze handelt, sei sie in den hiesigen Breiten bis vor wenigen Jahren kaum vorgekommen. Dies ändere sich seit kurzer Zeit. Meyer und Kordes sind sich einig: „Wir wollen das Kraut keineswegs ausrotten, da es auch Raupen gibt, die von der Pflanze leben. Aber besonders in der Nähe von Straßen sollte das Jakobskreuzkraut zurückgedrängt werden.“ Der Autoverkehr sorge nämlich für eine starke Ausbreitung, wenn die klebrigen, flugfähigen Samen an den Reifen haften bleiben. Das Landvolk zählt dabei laut Stefan Meyer auf die Hilfe des Kreises und der Kommunen. Aber auch Privatleute sollten ihre Grundstücke auf die Giftpflanze hin überprüfen, wünschen sich die Vertreter der Landwirtschaft und der Imkerei. Die mehrjährige Giftpflanze sei langlebig und recht robust, am wirksamsten sei das Ausstechen samt Wurzel. „Dabei sollte der Hautkontakt mit der Pflanze vermieden werden“, empfiehlt Meyer. „Die ausgestochenen Exemplare gehören in die schwarze Restmüll-Tonne, nur so wird die Verbreitung effektiv gestoppt.“

Die Rolle des Jakobskreuzkrautes im Ökosystem

Welche Stellung hat das auch Jakobs-Greiskraut genannte Jakobskreuzkraut im Naturhaushalt? Dazu heißt es in einem Merkblatt des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): „Das Jakobs-Greiskraut besiedelt basenreiche Böden in offenen Bereichen von Halbtrockenrasen, trockenen Frischwiesen, Trockenwald-Säumen und Wegrainen. Als einheimische Pflanzenart ist es in verschiedenen Pflanzengesellschaften und Lebensraumtypen zu finden und innerhalb dieser Bestandteil verschiedener biozönologischer Prozesse. Absolut lebensnotwendig ist das Jakobs-Greiskraut für die in Niedersachsen stark gefährdete Schmetterlingsart Jakobskrautbär (oder Blut-Bär, Tyria jacobeae), dessen auffällig orangegelb-schwarz-gestreifte Raupen monophag und damit auf diese Pflanzenart angewiesen sind. Die Raupe nimmt durch Fraß am Jakobs-Greiskraut die giftigen Pyrrolizidin-Alkaloide auf und ist damit für Fressfeinde ungenießbar. Die grellen Farben von Raupe und Falter dienen als Warnung für die Feinde. Neben zahlreichen weiteren Schmetterlingsarten und Wildbienen, die die auffällig gelben Blüten des Jakobs-Greiskrautes als Nektarpflanze nutzen, leben wohl auch spezialisierte Arten der Rüsselkäfer auf dieser Pflanzenart. Daneben gibt es als Gegenspieler auch spezialisierte Blattrandkäfer oder Saatfliegen. Auch Rostpilze sind in der Lage, die Pflanze zu schädigen.“

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