Stadt Sulingen würdigt „flüchtlingsfreundliche Betriebe“ / Jens Leßmann fordert „verlässliche Rahmenbedingungen“

Ausbildung und Arbeit wesentlicher Beitrag zur Integration

Vertreter der ausgezeichneten Firmen mit Bürgermeister Dirk Rauschkolb (links). Foto: Behling

Sulingen – „Wir möchten ihnen ein bisschen zurückgeben für das, was sie getan haben“: Bürgermeister Dirk Rauschkolb sprach am Freitagabend von einer Geste der Anerkennung durch die Stadt Sulingen. Die hatte zu einem Empfang mit Vortrag, Imbiss und Erfahrungsaustausch in der Alten Bürgermeisterei Vertreter von Firmen eingeladen, die als „flüchtlingsfreundliche Betriebe“ ausgezeichnet wurden. Die Idee zu der von Astrid Ellmers, städtische Koordinatorin in Flüchtlingsfragen, organisierten Veranstaltung stamme von Heiner Gutschmidt von der Flüchtlingsinitiative.

Die Flüchtlingswelle sei eine Herausforderung für jede Kommune gewesen – sie zu bewältigen, sei in Sulingen gut gelungen, befand Rauschkolb, was auch der Flüchtlingsinitiative zu verdanken sei. Einen wesentlichen Beitrag zum Integrationsprozess würden nun die Betriebe leisten, die Geflüchteten Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze bieten.

„Sie haben etwas von dem gezeigt, was unser Land zu einem erfolgreichen Gemeinwesen macht: Unternehmergeist“, stellte Jens Leßmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Diepholz-Nienburg, in seinem Gastvortrag fest, „indem sie Flüchtlinge aufgenommen haben in ihren Betrieb und versuchen, ihnen eine berufliche Perspektive zu geben.“ Integration könne nicht vom Staat geleistet werden – „er ist aber dazu aufgerufen, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Mit Empathie, Interesse, auch Eigeninteresse hätten sich die Unternehmer den Flüchtlingen zugewandt. Die Bewerbungen um Ausbildungsplätze seien drastisch zurückgegangen. Der Bedarf sei sehr groß, „zumal über 100 000 Handwerksbetriebe bundesweit in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen Nachfolger suchen. Wenn jedoch schon keine Ausbildungsplätze mehr besetzt werden können, werden natürlich auch die Meisterschulen deutlich weniger besucht.“ Er wisse, dass in vielen Betrieben die Enttäuschung groß war, „als sich herausstellte, dass viele junge Menschen, die gekommen sind, keinen qualifizierten Berufabschluss aufweisen oder keine gute Schulbildung haben.“ Doch es gehe oftmals um Personen, „die Ehrgeiz haben, die die Arbeit sehen und die an die Verantwortung herangeführt werden können.“ Es gebe einen Strauß finanzieller Leistungen, die das auch fördern. Die Kreishandwerkerschaft rate, nicht gleich mit dem Ausbildungsverhältnis, sondern mit einer Einstiegsqualifizierung zu beginnen, „sie als Betrieb können so überprüfen, ob Sprachkenntnisse und Schulbildung ausreichen, um die Ausbildung überhaupt schaffen zu können.“ Leßmann verwies auch auf Möglichkeiten wie die Verlängerung des ersten Lehrjahres.

Letztlich gehe es darum, die geflüchteten Menschen „an eine qualifizierte, eine anspruchsvolle Tätigkeit heranzuführen.“ Rechtssicherheit, dass nach Ausbildungsbeginn nicht die Abschiebung droht, sei essenziell.

Genau dieses Problem sprachen Vertreter der ausgezeichneten Betriebe an, die von ihren Erfahrungen – auch negativen, aber überwiegend positiven – mit der Beschäftigung von Flüchtlingen berichteten. Heiner Gutschmidt verwies auf das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz: Damit bekämen Flüchtlinge, die eine Ausbildung absolviert haben, eine Bleibeperspektive auf Dauer.

Ausgezeichnet wurden die Firmen Autohaus Clamann, Löchel Industriebedarf, Leymann Baustoffe, BVG Ranck, Jantzon & Hocke, Gerdes + Landwehr, „davit international“ (Hische), Witte Baugesellschaft, Bäckerei und Konditorei Voss-Döring, Comte Galvanotechnik, Tischlerei Marcus Barth (Siedenburg), Bauunternehmen Konrad Leymann.  ab

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