50 Jahre DRK-Haus in Sulingen

Aus dem Keller in die eigene Bleibe

Das DRK-Haus an der Südstraße in Sulingen.
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Seit 50 Jahren steht das DRK-Haus an der Südstraße in Sulingen.

Sulingen – Einen runden „Geburtstag“ könnte der DRK-Ortsverein Sulingen in diesem Jahr feiern, denn sein Sitz, das DRK-Haus an der Südstraße, wird 50 Jahre alt. Auf ein Fest aus diesem Anlass verzichtet der Verein angesichts der Umstände, eine vorsichtige Rückkehr zur Normalität steht im Vordergrund: „Wir versuchen, das Leben wieder in unser Haus zu holen“, sagt die Vorsitzende Gisela Lühmann-Landau, „denn dafür ist es da.“

Dass der Ortsverein über ein eigenes Gebäude verfügt, verdankt er einer Erbschaft: 1967 vermachte der Sulinger Josef Schiffgens einen großen Teil seines Vermögens – um die 80 000 DM, nach heutigen Maßstäben knapp 163 000 Euro – dem Deutschen Roten Kreuz, und der Kreisverband beschloss, das Geld je zur Hälfte für seine geplanten Tagesstätten in Sulingen und Diepholz zu verwenden. Am Bau beteiligte sich auch die Stadt Sulingen, die das Grundstück kostenlos zur Verfügung stellte und einen Zuschuss von 40 000 DM leistete, der DRK-Landesverband und das Niedersächsische Sozialministerium unterstützten das Projekt ebenfalls.

Der „erste Spatenstich“ erfolgte im Spätsommer 1970, im Herbst konnte das Gebäude, das zusammen mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus errichtet worden war, eingeweiht werden.

Ende der Raumnot

Für den Ortsverein endete damit eine Zeit der Raumnot: Für gesellige Veranstaltungen war man zu Gast in der örtlichen Gastwirtschaften, aber für alle übrigen Angebote stand nur ein Kellerraum in der damaligen Mittelschule zur Verfügung – ob für die Ausbildung von Schwesternhelferinnen für die Arbeit im Krankenhaus, Lehrgänge zur häuslichen Krankenpflege oder für Sofortmaßnahmen am Unfallort, heute bekannt als Erste-Hilfe-Kursus.

Dort tätig war auch Gerda van Züren. Die 101-Jährige trat 1950 in das DRK ein und war von 1968 bis 1981 Ausbildungsleiterin für die häusliche Krankenpflege. Der Kellerraum habe keine Heizung gehabt, erinnert sie sich, sondern im Winter habe man sich mit einem Heizlüfter behelfen müssen. Aus Kleidungsstücken aus der Altkleidersammlung habe man einen Vorhang genäht, um den Raum teilen zu können. In diesem Raum habe sich auch der „Knüddelclub“ getroffen – eine Gruppe von zehn Damen, hervorgegangen aus dem Frauenchor, die Pullover für das Kinderheim strickten.

Zeitzeugin Gerda van Züren erinnert sich noch an den Bau des DRK-Hauses.

Die Vorbereitungen für den Bau seien schwierig gewesen, aber die damalige Vorsitzende des Ortsvereins, Ida-Dora Blüthgen, sei „sehr tatkräftig“ gewesen. Den Umzug in das neue Haus empfand Gerda van Züren als großen Fortschritt: „Das war etwas ganz anderes im DRK-Haus: Wir hatten eine Heizung und schönes Licht, das war eine Erleichterung.“ Hilfreich seien zudem die Waschbecken gewesen: „Das war wichtig für die Hygiene bei den Kursen.“

Im Vordergrund stand bei dem Gebäude jedoch eine andere Nutzung: Eingeweiht wurde es als „Altenbegegnungsstätte“. Das Konzept sah vor, dass jeden Tag, auch am Wochenende, Ältere und Alleinstehende sich hier treffen können, jeweils mit zwei Ehrenamtlichen des DRK als Ansprechpartnern. „Es sollte eine Stätte der Begegnung und Geselligkeit sein“, so Gisela Lühmann-Landau. Schnell öffnete die Einrichtung aber nur noch an drei Tagen pro Woche und schließlich nur noch sonntags. Rasch war zudem nur noch vom DRK-Haus die Rede.

Zwischenzeitlich nutzte der Verein die Räume auch als Lager für die Altpapier- und Kleidersammlung sowie für die „Butterverteilung“: Dabei hatte das DRK die Aufgabe, Butter aus den Beständen des Bundes für den Katastrophenfall, deren Haltbarkeitsdatum kurz vor Ablauf stand, an Bedürftige abzugeben.

Heimat diverser Aktivitäten

Bereits 1980 folgte ein Anbau für die Kleiderkammer, inzwischen ist hier der Shop „Kaufen und Helfen“ untergebracht. Von Anfang an sei die DRK-Bereitschaft ebenfalls hier beheimatet gewesen, für sie sei 2004 das Dachgeschoss ausgebaut worden. Die letzte Erweiterung gab es 2017, als der DRK-Kreisverband das angrenzende Feuerwehrhaus, nach dem Umzug der Ortsfeuerwehr an ihren neuen Standort, erwarb.

Bis zum Beginn der Corona-Pandemie war das DRK-Haus Heimat diverser Aktivitäten und hätte es weiter sein sollen: „Es ist ganz viel in Planung gewesen“, sagt die Ortsvereinsvorsitzende, „und es blutet einem das Herz, dass das alles nicht mehr ging.“ Die Blutspende sei als einziges Angebot auch weiterhin gelaufen, wenn auch wegen der nötigen Abstände in der Edensporthalle. Aber inzwischen habe der Shop wieder geöffnet, in der vergangenen Woche habe es bereits ein erstes Treffen der Bezirksfrauen gegeben und die Bereitschaft und die Wasserwacht seien, unter Beachtung der Hygieneauflagen, wieder aktiv.

Erster Seniorennachmittag am 4. August

Für Mittwoch, 4. August, sei zudem der erste Seniorennachmittag geplant – mit Kaffee und Kuchen sowie Bingo. Vorerst solle der Seniorennachmittag am ersten Mittwoch im Monat stattfinden, eventuell seien eine Weihnachtsfeier oder Ausflüge noch möglich in diesem Jahr. „Wir hoffen, dass wir ein paar der Veranstaltungen aus dem Vorjahr nachholen und dass die Menschen wieder zurückkommen.“ Ida-Dora Blüthgen habe immer gesagt: „Probleme gibt es überall, aber ohne sie wäre es langweilig.“ Das stimme heute immer noch, aber „wir suchen nach Lösungen.“

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