Arzt spricht von Körperverletzung

Allgemeinmediziner aus dem Raum Sulingen verweigert Corona-Impfung

Eine Impfung gegen das Corona-Virus will der Arzt aus dem Raum Sulingen an seinen Patienten aus Überzeugung nicht vornehmen.
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Eine Impfung gegen das Corona-Virus will der Arzt aus dem Raum Sulingen an seinen Patienten aus Überzeugung nicht vornehmen.

Ein Arzt aus dem Raum Sulingen ist davon überzeugt, dass die Corona-Impfung dem Körper schadet. Er weigert sich, seine Patienten zu impfen. Mehrere Institutionen äußern sich zu diesem „Einzelfall“.

  • Ein Arzt aus dem Raum Sulingen will aus Überzeugung seine Patienten nicht gegen das Corona-Virus impfen.
  • Mehrere Institutionen sprechen von einem „Einzelfall“ und möglichen Folgen für den Allgemeinmediziner.
  • Möglichkeiten an einen Impf-Termin zu gelangen, wenn der eigene Hausarzt nicht impft, sind vielfältig.

Sulingen – Knapp 54 Millionen Menschen in Deutschland sind nach aktuellem Stand vollständig gegen das Corona-Virus geimpft. Doch was tun, wenn der Hausarzt nicht impfen will? Ein Allgemeinmediziner aus dem Raum Sulingen betont: „Die Corona-Impfung ist gleichzusetzen mit einer Körperverletzung.“ Er impfe seine Patienten nicht – „aus Überzeugung“, sagt er.

Dem praktizierenden Arzt seien die gesundheitlichen Risiken, die mit einer Corona-Schutzimpfung einhergehen würden, zu hoch. Er habe „Beweise gesammelt“, dass die Impfung gegen eine Covid-19-Erkrankung dem Körper schade, erklärt er auf Anfrage dieser Zeitung. Diese Beweise, die er aber nicht konkretisieren wollte, ziehe er aus „öffentlich zugänglichen Quellen“. Andere Impfungen biete der Allgemeinmediziner jedoch an.

Namentlich will der Arzt nicht genannt werden. Auch für ein Interview sei er nicht bereit. Die Berichterstattung über die Corona-Auswirkungen in den deutschen Medien nennt er „Lüge“. Der Allgemeinmediziner klagt zudem an, dass Bildmaterial, das zur Berichterstattung über Corona-Themen genutzt wurde, nachweislich manipuliert worden sei.

Arzt ist ein freier Beruf

Wie gehen Institutionen mit einem solchen Fall um? Könnten dem Arzt aufgrund seiner Ansichten weitreichende Folgen drohen?

„Das Angebot der Corona-Impfung ist grundsätzlich eine persönliche Entscheidung, es besteht demnach kein Zwang. Ich kann es jedoch nicht nachvollziehen, dass sich ein ausgebildeter Mediziner gegen die Corona-Impfung ausspricht“, sagt Dr. Bernd Roshop, Vorsitzender des Ärztevereins Diepholz. „Persönlich kenne ich keinen Arzt, der solche Ansichten vertritt. Grundsätzlich sollten sich Ärzte an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission halten“, so Roshop. Er ergänzt, dass Patienten in Deutschland ihren Hausarzt frei wählen können.

Eine Sprecherin vom Landkreis Diepholz erklärt, dass die Zuständigkeit in einem solchen Fall bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) liege.

Rechtlich nicht angreifbar

„Grundsätzlich ist Arzt oder Ärztin ein freier Beruf. Rein rechtlich muss er nicht impfen – er ist rechtlich nicht angreifbar. Ob er eine moralische Pflicht hat, müssen Medizin-Ethiker beantworten“, sagt Detlef Haffke, Pressesprecher der KVN, dazu.

In Niedersachsen gebe es rund 14 800 Arzt-Praxen. Davon hätten in den vergangenen Monaten rund 4 500 gegen Corona geimpft. Die anderen Praxen hätten dies aus unterschiedlichen Gründen nicht getan. Haffke spricht mögliche Gründe an: So gebe es Ärzte, die aufgrund enger Räume ihre Abstandsregeln in der Praxis nicht einhalten können. Andere Praxen würden sich überfordert mit den täglich wechselnden Lieferungen von Impfstoff und der Praxisorganisation fühlen.

Berufsrechtliche Folgen können drohen

Echte „Impfverweigerer“ im Sinne von „Ich bin gegen Impfungen“ gebe es unter Ärzten sehr selten, sagt er. Aus organisatorischen oder gesundheitlichen Gründen würden nicht alle Praxen Impfungen vornehmen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass der behandelnde Arzt selbst oder die Mitarbeiter in der Praxis Hochrisikopatienten seien.

Detlef Haffke weiter: „Handelt es sich tatsächlich um ideologische Impfverweigerer, sogenannte ,Corona-Leugner‘, kann dies berufsrechtliche Konsequenzen haben. Darum kümmert sich dann die Ärztekammer Niedersachsen, die für das Berufsrecht zuständig ist.“

Nicht alle Ärzte „über einen Kamm scheren“

Dass es sich bei dem Allgemeinmediziner aus dem Raum Sulingen um einen Einzelfall handelt, bestätigt auch Thomas Spieker, Sprecher der Ärztekammer Niedersachsen. Auch er habe bisher noch nie von einem solchen Fall gehört.

Spieker weist darauf hin, dass nicht alle Ärzte, die ihren Patienten keine Corona-Impfung anbieten, „über einen Kamm geschert werden dürfen“. Es gebe verschiedene Gründe. Auch er nennt den hohen zusätzlichen Aufwand für die Mitarbeiter der Praxen. Einige könnten diesen neben dem Alltagsgeschäft nicht leisten und entscheiden sich deshalb gegen das Corona-Impfangebot.

„Es gibt genügend Möglichkeiten, an eine Impfung gegen das Corona-Virus zu gelangen. Während es am Anfang der Impf-Kampagne in Deutschland noch einen Mangel an Impfstoff gab, ist die Beschaffung mittlerweile kein Problem mehr“, so der Sprecher der Ärztekammer Niedersachsen.

Arzt-Praxen kündigen 2G-Regel an

Detlef Haffke erklärt, dass eher umgekehrte Fälle die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen aktuell beschäftigen würde. Einige Praxen hätten angekündigt, dass sie nur noch Patienten behandeln werden, die bereits geimpft oder genesen sind, also die 2G-Regel in der Praxis anwenden wollen.

Von einer solchen Regelung dürfte der Allgemeinmediziner aus dem Raum Sulingen in seiner Praxis wohl weit entfernt sein.

Der Weg zur Impfung

Sollte der eigene Hausarzt keine Impfung gegen das Corona-Virus anbieten, haben Patienten mehrere Möglichkeiten, an einen Impftermin zu gelangen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen empfiehlt, in anderen Arztpraxen anzufragen, ob diese Impfungen gegen das Corona-Virus vollziehen. Außerdem erhalten Bürger Unterstützung bei der Suche: Auf der Internetseite www.arztauskunft-niedersachsen.de der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und der Ärztekammer Niedersachsen gibt es Auskunft über Arztpraxen in der Nähe, die Corona-Impfungen anbieten. Weiterhin organisieren in vielen Städten und Gemeinden mobile Impfteams vom Deutschen Roten Kreuz frei zugängliche Impf-Aktionen für bislang ungeimpfte Bürger.

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