25 Jahre „Melanies Hauskrankenpflege“ in Sulingen: Fachkräftemangel ist ein Thema

„Die Arbeit ist komplizierter geworden“

Melanie Vogt (Zweite von rechts) und Jürgen Vogt mit Nadine Wietelmann und Sonja Quellhorst. Foto: Kurth-Schumacher

Sulingen – „Damals brauchte man ein Telefon mit Anrufbeantworter, ein Blutdruck- und Blutzuckermessgerät und ein Auto – mehr nicht“, erinnert sich Melanie Vogt an den Beginn ihres ambulanten Pflegedienstes vor 25 Jahren. Es war Pionierarbeit und zugleich ein finanzielles Wagnis. Heute führt sie ein komplexes Unternehmen mit aktuell 26 Mitarbeitern.

Melanie Vogt stammt aus Hannover-Seelze. Das Rüstzeug für ihre spätere Selbstständigkeit erwarb die examinierte Krankenschwester in einer kirchlichen Einrichtung in Hannover, nach acht Jahren Berufserfahrung wechselte sie als Gemeindeschwester in die Sozialstation der Samtgemeinde Kirchdorf, Träger war ebenfalls die Kirche.

„Meine Zukunft habe ich damals als Ordensschwester gesehen“, sagt Melanie Vogt lachend. Es kam anders. Über den Schießsport im Schützenverein Dörrieloh lernte sie ihren späteren Ehemann Jürgen Vogt kennen. Er war es, der sie zur Selbstständigkeit ermutigte, als sie eine neue berufliche Herausforderung suchte.

Am 1. Oktober 1994 gründete Melanie Vogt den zweiten privaten häuslichen Pflegedienst im Sulinger Land. Nach 14 Tagen meldete sich der erste Patient. Und dann ging es stetig bergauf. Als sie anderthalb Jahre später in den Mutterschutz ging, stellte die „Einzelkämpferin“ ihre erste Mitarbeiterin ein. Ihr Ehemann hielt ihr den Rücken frei, ging nach der Geburt der Töchter Ronja und Nora in Familienzeit und übernimmt bis heute vielfältige Aufgaben im Betrieb.

Inzwischen ist der Pflegenotstand auch in Sulingen angekommen „Die Jahre, in denen wir uns Mitarbeiter aussuchen konnten, sind längst vorbei“, sagt Melanie Vogt. „Es fehlen uns Fachkräfte – nicht zuletzt, weil die Leistungen in unserem Beruf nicht entsprechend honoriert werden.“

140 Patienten werden wöchentlich versorgt

Melanies Haus-Krankenpflegedienst versorgt aktuell wöchentlich 140 Patienten in Sulingen, Schwaförden und der Samtgemeinde Kirchdorf. Zum Dienstleistungsangebot gehören unter anderem die Grund- und Behandlungspflege und die hauswirtschaftliche Versorgung – nach wie vor unter dem Leitgedanken, älteren und kranken Menschen den Verbleib in ihrem häuslichen Umfeld so lange wie möglich zu erhalten.

„Die Arbeit ist komplizierter geworden“, sagt Melanie Vogt mit dem Hinweis auf ständig steigende Auflagen, die Suche nach Personal und die Auseinandersetzung mit der Pflegekammer. Insbesondere letztere ist ihr ein Dorn im Auge: „Die Zwangsmitgliedschaft bringt uns nichts. Vor allem keine neuen Mitarbeiter, die wir dringend brauchen.“ Ihre Idee: ein Solidaritätszuschlag, der in die Pflegebranche fließt und die Berufe attraktiver macht – etwa für Auszubildende. Vogt: „Wir haben zeitweise fünf junge Menschen in der Altenpflege ausgebildet, zurzeit fehlt uns der Nachwuchs.“

Das Stammpersonal, zuverlässige Kräfte mit Teamgeist und Freude am Beruf, gleiche aktuell das Defizit an Mitarbeitern aus. Allerdings: „Um einen Wunschdienstplan zu realisieren, sind wir zu dünn besetzt. Wir suchen dringend Pflegefachkräfte oder Pflegeassistenten, die unser Team verstärken.“

Nadine Wietelmann und Sonja Quellhorst unterstützen sie in der Pflegedienstleitung, aus der sich die 59-Jährige nach und nach zurückziehen möchte.

Kraft für den Arbeitsalltag schöpft Melanie Vogt in ihren Hobbys. Neben der experimentellen Archäologie und der Musik nennt sie das Schneidern von Fantasy-Kostümen als ihre Steckenpferde. Trotz aller Widrigkeiten hat sie weder ihre Berufswahl noch den Schritt in die Selbstständigkeit oder die Entscheidung für den Standort Sulingen bereut: „Ich bin hier genau richtig.“  mks

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