„Unerklärliche Kurzschlussreaktion“

Angeklagter räumt Bedrohung ein

Verden - Von Wiebke Bruns. „Vertraust Du mir? Dann mach mal die Augen zu“, sagte der Mann zu seiner Lebensgefährtin. Im nächsten Moment spürte sie, wie sich die Schlinge um ihre Hände zuzog. Kurz darauf lag die heute 52-Jährige aus Staffhorst (Samtgemeinde Siedenburg) gefesselt an Händen und Füßen in ihrem Bett und wurde mit einem Anglermesser bedroht. muss.

Alles nur, weil der 51-Jährige den Pin-Code ihrer EC-Karte wissen wollte. Am Freitag gab es für das ehemalige Paar ein Wiedersehen am Landgericht Verden, wo sich der Mann wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten Zunächst versuchte der zuletzt in Bruchhausen-Vilsen gemeldete Angeklagte, die Frau als Lügnerin darzustellen. Er habe an jenem 19. Oktober 2016 lediglich ihr Auto, ihre Scheckkarte und ihr Mobiltelefon entwendet und vor dem Verlassen ihres Hauses das Telefonkabel durchschnitten, erklärte er über seine Verteidigerin Tanja Brettschneider. Als Begründung wurde eine schwere Depression mit Suizidgedanken angeführt. „Er war an einem Punkt angelangt, wo er nicht mehr ein noch aus wusste“, verdeutlichte die Juristin.

Begleitet von einer Mitarbeiterin der Stiftung Opferhilfe trat seine Ex-Lebensgefährtin in den Zeugenstand. Eine Packung Taschentücher legte sich die Zeugin bereit, brauchte sie aber nicht. Ganz ruhig berichtete sie von dem Kennenlernen über eine Internet-Kontaktbörse, rund drei Monate vor der Tat. Auf die erste Rose im Netz folgte ein übergroßer Blumenstrauß beim ersten Treffen in Hannover am Hauptbahnhof. Es sollte ein gemeinsamer Urlaub in ihrem Haus werden.

Das böse Erwachen am Tattag

Der Angeklagte kümmerte sich um Reparaturen am Haus, es wurde gemeinsam gekocht, berichtete die 52-Jährige. „Anfangs hat er alles bezahlt, dann wurde das langsam weniger. Von eingelagerten Möbeln habe er berichtet, gesehen habe sie diese nie. Im Gepäck hatte er dafür jede Menge großspurige Geschichten. Dass er bei einer großen Sicherheitsfirma in Hamburg tätig sei und früher als Bodyguard gearbeitet habe. Unter anderem für Udo Jürgens, den sie so toll fand. Aus dieser Zeit habe er Hintergrundinformation, natürlich alles streng geheim.

So richtig trapsen hörte die verliebte Frau die Nachtigall aber nicht. Das böse Erwachen kam am Tattag, als sie gefesselt im Bett lag, das gemeinsam gekaufte Anglermesser an der Kehle. Richtig hysterisch sei der Angeklagte gewesen, offenbar aber immer noch phantasiereich. „Die Mafia sei hinter ihm her. Die hätten ihn gefunden“, sagte er. Nachdem sie den Pin-Code genannt hatte und die Außentür nach seinem Verschwinden zugeklappt war, konnte sie sich aus der Fesselung befreien und bei Nachbarn die Polizei rufen.

Unerklärliche Kurzschlussreaktion

Während der Aussage schüttelte der Angeklagte immer wieder den Kopf, aber nach einer kurzen Pause und einem Gespräch mit seiner Verteidigerin folgte ein umfassendes Geständnis. „Es war genauso, wie die Zeugin das hier geschildert hat. Er war von ihr abhängig, das Zusammenleben jedoch schwierig gewesen“, erklärte die Anwältin in seinem Namen. Die Tat, eine unerklärliche Kurzschlussreaktion. Am Montag soll bereits das Urteil verkündet werden. „Sechs Jahre plus x“, so der Vorsitzende, hat der Angeklagte zu erwarten.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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