Aktuell noch Testphase

Sulinger Bauhof liebäugelt mit E-Mobilität

Einen Streetscooter testen derzeit unter anderem Jörn Breuer (links) und Betriebsleiter Heiko Stamme für den Sulinger Bauhof. Foto: Bartels
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Einen Streetscooter testen derzeit unter anderem Jörn Breuer (links) und Betriebsleiter Heiko Stamme für den Sulinger Bauhof. 

Sulingen – E-Mobilität ist in aller Munde, aber wie bewähren sich die Fahrzeuge im Alltag? Dieser Frage gehen derzeit ganz praktisch die Mitarbeiter des Sulinger Bauhofs nach.

Der Grund dafür ist jedoch nicht bloße Neugier, sondern hat handfeste Gründe: Das Elektrikerfahrzeug, ein Mercedes Vito aus dem Jahr 2005, sei abgängig, so Betriebsleiter Heiko Stamme. Ohne größere Investitionen, unter anderem in diverse Roststellen und ein defektes Getriebe, werde das Fahrzeug im März nicht durch den TÜV kommen. Seit 2018 beschäftige man sich mit einem möglichen Ersatz, und dabei sehe man sich verstärkt nach Fahrzeugen mit Elektroantrieb um.

Das ist allerdings leichter gesagt als getan: „Es gibt kaum passende Fahrzeuge.“ Vor einigen Monaten habe man bereits ein Auto von Nissan und einen E-Golf von VW getestet, aber das seien Familienautos und für den Einsatz beim Bauhof zu klein. Von Renault und Fiat gebe es Lieferfahrzeuge, aber die seien eigentlich zu groß. Testen könne man sie bislang allerdings nicht – „wir haben alle Sulinger Autohäuser angefragt.“

„Wollen verschiedene Eindrücke bekommen“

Einzig Mercedes habe mit dem eVito ein Fahrzeug einen Kastenwagen, und den Streetscooter der Post gebe es auch als Pritschenfahrzeug. Zum Test habe man daher für eine Woche über das Sulinger Autohaus Clamann einen eVito vom Autohaus Anders aus Syke vor Ort gehabt. Und noch bis Mitte der Woche teste man einen Streetscooter von Fricke Nutzfahrzeuge aus Heeslingen.

In den Test sind nahezu alle der 14 Mitarbeiter des Bauhofs eingebunden: „Alle wollten gerne damit fahren, aber mir war es auch wichtig, verschiedene Eindrücke zu bekommen“, erklärt Heiko Stamme.

Die Erfahrungen mit diesen beiden Testfahrzeugen sind durchaus positiv: „Es ist das erste Mal, dass ich so etwas fahre, aber es ist kein Riesenunterschied zu einem Verbrenner mit Automatik“, berichtet Mitarbeiter Jörn Breuer. Der größte Unterschied sei, dass die Fahrzeuge nur ein geringfügiges Fahrgeräusch abgeben. Das Ansprechverhalten sei auch etwas anders, aber das sei besonders im Stadtverkehr gut: „Vom Fahren her ist das eine schöne Sache.“

Für längere Strecken ungeeignet

Im täglichen Einsatz müsse man sich allerdings umstellen, denn bauartbedingt könnten die Fahrzeuge keine Anhänger ziehen, sagt Stamme. Da man die Fahrzeuge jeden Abend aufladen könne, sei auch die Reichweite kein Thema, solange man sich überwiegend in der Stadt bewege. Mit dem eVito sei man auf durchschnittlich 90 Kilometer Reichweite gekommen, und der Streetscooter erreiche im Schnitt 120 Kilometer, weil er leichter sei; allerdings habe man ihn auch schon mit 600 Kilogramm Zuladung gefahren. „Wenn man mehr auf eine ökonomische Fahrweise achtet, schafft man sicher auch mehr“, ergänzt Breuer.

Nicht geeignet sind die Fahrzeuge allerdings für längere Strecken: Für eine längere Fahrt zum Aufbau eines Messestandes für die Stadt habe man den eVito nicht einsetzen können, weil klar gewesen sei, dass man mit einer Ladung nicht hin und zurück komme und es vor Ort keine Möglichkeit zum Aufladen gegeben habe, so Stamme. Endgültig beurteilen könne man die Reichweite jedoch nicht, weil es während des Tests keinen richtigen Winter gegeben habe – die Akkus hätten bei Kälte weniger Leistung, und die Heizung im Auto arbeite nicht, wie im Verbrenner, mit der Abwärme des Motors, sondern greife ebenfalls auf den Akku zu.

Offene Fragen

Das Fazit nach den Tests fällt nicht eindeutig für ein E-Fahrzeug aus: „Prinzipiell schon, aber es gibt noch einige Fragen, die uns auch die Hersteller noch nicht beantworten können“, schränkt Stamme ein. In der Anschaffung seien die Kosten für ein E-Fahrzeug höher, aber niemand könne bisher sagen, wie die Kosten für Instandhaltung und Unterhalt seien und wie lange Antrieb und Akku halten. Wenn ein E-Fahrzeug angeschafft werde, sei der eVito aber der Favorit des Bauhofs, da man beim Streetscooter merke, dass er in der Bauart sehr auf die Post ausgelegt sei und das Fahrverhalten anders sei.

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