Abwassergebühren sollen deutlich steigen

Wasserversorgung Sulinger Land: Kommende Generationen entlasten

Ein Mann hält einen Wasserzähler in der Hand.
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Einen Wasserzähler, wie ihn Geschäftsführer Andreas Geyer in der Hand hält, brauchen die Kunden nicht in der Geschäftsstelle vorbeizubringen – es genügt die Karte mit dem Zählerstand.

Sulingen – Die Verbandsversammlung der Wasserversorgung Sulinger Land (WSL) tagt am Mittwoch im Gasthaus Koopmann in Kirchdorf. Auf der Tagesordnung findet sich die Vorauskalkulation der Gebühren für die Jahre 2022 bis 2023 – hier zeichnet sich beim Abwasser eine deutliche Erhöhung der Beträge ab.

Konkret sieht die von einer Fachkanzlei erstellte Vorauskalkulation vor, dass beim Trinkwasser die Verbrauchsgebühr pro Kubikmeter abgenommener Wassermenge von derzeit 1,19 Euro auf 1,12 Euro brutto sinkt. Ganz anders beim Schmutzwasser: Hier soll die Gebühr je vollem Kubikmeter von 3,14 Euro auf 4,17 Euro steigen, also um nahezu ein Drittel.

Angepasst werden sollen auch die Gebühren für die dezentrale Schmutzwasserbeseitigung: Bei der Beseitigung aus abflusslosen Sammelgruben steigt die Gebühr je Kubikmeter von 21,51 Euro auf 38,24 Euro, die Schlammbeseitigung aus Kleinkläranlagen kostet künftig 39,58 Euro je Kubikmeter statt bisher 31,42 Euro. Die Gebühr für eine vergebliche Anfahrt sinkt von 92,82 Euro auf 40 Euro, die Zusatzgebühr für die Leerung an Wochenenden und Feiertagen beträgt statt bisher 330 Euro dann 100 Euro, und für eine kurzfristige Leerung werden künftig statt 250 Euro nur noch 50 Euro fällig.

Drei Hauptgründe für die Anpassung

In die Kalkulation spielten viele Parameter hinein, erläutert Verbandsgeschäftsführer Andreas Geyer. Die drei wichtigsten seien der Ausgleich der Unter- oder Überdeckung, die allgemeinen Kostensteigerungen sowie das Stichwort Generationengerechtigkeit.

Der Deckungsausgleich ist eine Besonderheit des Kommunalrechts. Danach arbeiten öffentlich-rechtliche Unternehmen wie die Wasserversorgung Sulinger Land nicht in der Absicht, Gewinne zu erzielen, sondern kostendeckend. Nimmt der kommunale Zweckverband also mehr Gebühren ein, als er zur Deckung der Kosten benötigt, muss der Überschuss den Kunden durch eine Gebührensenkung quasi „erstattet“ werden. Reichen die Einnahmen nicht aus, müssen die Gebühren angehoben werden.

Gebühren müssen kostendeckend sein

Beide Fälle sind nun eingetreten: Die Jahre 2017 bis 2019 seien sehr trocken gewesen, es sei wesentlich mehr Wasser als kalkuliert abgesetzt worden, erläutert Geyer. Das sei 2020 festgestellt worden und werde nun in der Kalkulation der Trinkwassergebühren den Bürgern wieder „gutgebracht“. Pro Kubikmeter gehe es um rund 22 Cent – aber aufgrund der übrigen Effekte sinke die Gebühr tatsächlich nur um sieben Cent.

Beim Schmutzwasser habe es eine Unterdeckung in den Jahren 2019 und 2020 gegeben, weswegen der Betrag nun um rund 20 Cent pro Kubikmeter steigen müsse. Diese Unterdeckung betreffe auch die dezentrale Abwasserbeseitigung, wobei hier die Gebühren für 2021 niedriger waren, um eine Überdeckung aus den Jahren 2017 und 2018 „gutzubringen“. Die Erhöhung der künftigen Gebühren sei aber begrenzt, weil der Verband einen günstigeren Dienstleistungspartner gefunden habe, erläutert Andreas Geyer.

Kredite sollen vermieden werden

Die Kostensteigerungen für den Betrieb machen sich vor allem in zwei Bereichen bemerkbar, bei den Aufwendungen für Tiefbauarbeiten und bei den Energiekosten. In beiden Fällen seien die Steigerungen enorm: Alleine für Strom entstünden für den Gesamtbetrieb Mehrkosten von mehr als 100 000 Euro von 2021 zu 2022. Um hier einsparen zu können, sei vorgesehen, auf den geplanten Neubauten – wie dem Sulinger Wasserwerk und der Erweiterung der Kläranlage Sulingen – Photovoltaikanlagen zu installieren: „Das sind Einspareffekte, die wir voll an die Kunden weitergeben.“ Auf den relativ alten Anlagen an anderen Standorten sei die Installation nicht sinnvoll.

Der dritte – und wichtigste – Faktor, der Erhalt der Generationengerechtigkeit, ergibt sich aus der Abschreibung, der „Absetzung für Abnutzung“, kurz AfA. Sie soll, über einen jährlichen Betrag, einen Ersatz am Ende der Abschreibungsdauer finanzieren. Das Problem dabei: Abgeschrieben wird über einen relativ langen Zeitraum – beim Trinkwassernetz sind es 40 Jahre, bei Abwasserkanälen sogar 75 Jahre. Als Basis für die Abschreibung dienen jedoch die Kosten zum Zeitpunkt des Baus, doch „das ist zu den heutigen Kosten nicht mehr zu haben, dabei soll die Abschreibung der Re-Investition dienen.“ Der tatsächliche Wertverzehr sei jedoch, je nach Alter der Installation, zwei- bis zweieinhalb mal so hoch, also müssten für einen Neubau Kredite aufgenommen werden. „Wir leben bisher auf Kosten der nachfolgenden Generationen“, kritisiert Geyer. Daher werde ab 2022 die sogenannte kalkulatorische AfA angewandt, wobei der tatsächliche Wertverzehr eingerechnet werde, basierend auf Daten zur Preissteigerung, die bis 1948 zurückreichen.

Fast dreimal mehr Trinkwasser als Schmutzwasser

Diese Änderung bei der Abschreibung ist laut Geyer der Hauptgrund für die moderate Gebührensenkung beim Trinkwasser und den deutlichen Anstieg beim Abwasser. Dass die Auswirkungen so unterschiedlich ausfallen, liege auch an den unterschiedlichen Mengen: Rund drei Millionen Kubikmeter Trinkwasser bewegt die Wasserversorgung Sulinger Land jährlich, aber nur etwa eine Million Kubikmeter Schmutzwasser. Die Differenz erkläre sich aus verschiedenen Gründen: Nur 1,74 Millionen Kubikmeter des Trinkwassers gingen an Privatkunden, die übrige Menge an Gewerbekunden, zu denen auch die Landwirtschaft zählt. Die Menge des Schmutzwassers stammt aus der Stadt Sulingen sowie den Samtgemeinden Kirchdorf und Schwaförden, nicht aus der Samtgemeinde Siedenburg; zudem wird sie reduziert durch dezentrale Abwasseranlagen.

Wir leben bisher auf Kosten der nachfolgenden Generationen.

Andreas Geyer, Geschäftsführer Wasserversorgung Sulinger Land

Mittwoch Versammlung

Der öffentliche Teil der Verbandsversammlung der Wasserversorgung Sulinger Land beginnt am Mittwoch, 15. Dezember, gegen 16.15 Uhr im Gasthaus Koopmann in Kirchdorf. Neben den Änderungen der Wasserabgaben- und der Schmutzwasserabgabensatzung geht es unter anderem um aktuelle geschäftliche Mitteilungen und sowie Wirtschaftsplan und Haushaltssatzung 2022.

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