Abstand, Hygiene und Mundschutz

Unterricht am BBZ in Sulingen und Diepholz beginnt wieder

Sulingen – Die Leere in den Unterrichtsräumen ist beendet – zumindest teilweise: Auch im Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup (BBZ) beginnt am Montag wieder der Unterricht. Damit der Schulbetrieb trotz Corona wieder aufgenommen werden kann, mussten die Standorte Diepholz und Sulingen entsprechend vorbereitet werden.

Die Veränderungen beginnen für Schüler und Lehrkräfte bereits an den Eingängen: Schilder fordern auf zum Einhalten des Sicherheitsabstandes, und an Desinfektionsstationen können die Hände desinfiziert werden; weitere Desinfektionsstationen sind in den Fluren verteilt. Die markante Freitreppe im Sulinger Schulgebäude ist mit Flatterband abgesperrt, damit sich niemand auf die eigentlich dafür gedachten Bänke setzt, und auf den Fußböden markieren Klebebandstreifen den notwendigen Sicherheitsabstand. Reichlich Klebeband ist auch in den Klassenräumen verteilt: Es zeigt an, wo die Stühle und Tische zu stehen haben, damit Schüler und Lehrkräfte sich nicht zu nahe kommen.

Am Dienstag vergangener Woche habe man per Videokonferenz mit den Abteilungsleitungen über die Maßnahmen gesprochen und sie innerhalb von drei Tagen umgesetzt, berichtete Schulleiterin Birgitt Kathmann. Die Mitarbeiter seien mit Maßband und Klebeband durch das Gebäude gezogen, um die Markierungen anzubringen, und die Abteilung Holztechnik habe die Ständer für die Desinfektionsstationen gebaut, weil auf dem Markt keine zu bekommen seien. Das nötige Desinfektionsmittel stellte der Landkreis: „Wir hatten das Glück, dass wir noch hautgeeignetes Mittel auf Lager hatten“, so Landrat Cord Bockhop. Das werde man auch weiterhin bereitstellen; sollten die Bestände erschöpft seien, sehe man sich nach Alternativen um. Es könne sein, dass die Desinfektion nicht nötig sei, aber es mache deutlich, dass momentan kein Alltag ist. Mit den Maßnahmen Abstand, Hygiene und Mundschutz müsse man nicht über Einzelmaßnahmen diskutieren, sondern könne Leistungen wieder normalisieren.

Klebeband markiert die Position der Möbel in den Klassenräumen.

Die getroffenen Maßnahmen erstrecken sich allerdings nicht auf alle Bereiche an beiden Standorten des BBZ: Das sei bei 100 Klassen mit fast 2 000 Schülern nicht zu schaffen in der kurzen Zeit, erläuterte Kathmann. Der Unterricht beginne auch nur für die Abschlussklassen, und die seien aufgeteilt, sodass jeweils nur die halbe Klasse vor Ort sei. Die Maßnahmen beruhten auf einer Handlungsanweisung, die man auf Grundlage der Handlungsempfehlungen des Landkreises vorbereitet habe.

Der Landkreis spreche nur Empfehlungen aus, weil man auf den sozialen Druck beim Befolgen der Vorgaben hoffe: „Das ist viel besser als staatliches Ordnungsrecht“, sagte Bockhop.

2 200 Masken nahmen (von links) Philipp Warnath, Cord Bockhop und Birgitt Kathmann in Empfang von Andreas Schaller und Gerd Beich.

Der Unterricht werde sich durch die Maßnahmen stark verändern, so Philipp Warnath aus dem Personalrat der Schule: „Wir kehren eigentlich zum klassischen Frontalunterricht zurück“; Gruppenarbeiten werde es wegen des Sicherheitsabstandes nicht mehr geben. Die Anwesenheit der Schüler sei aber auch ein klarer Vorteil, denn als Lehrer könne man den Schülern so besser helfen, und von Fragen, die ein Schüler stelle, profitierten auch die anderen. Allerdings sei das nicht für alle möglich: Die Auszubildenden im Lebensmitteleinzelhandel müssten derzeit mehr arbeiten als sonst, weil sie systemrelevant seien, und hätten gar keine Zeit für Schule, und das Gleiche gelte auch für die Altenpfleger. „Die sind gerade unglaublich gefordert, aber Anwesenheitsunterricht ist immer noch der erfolgreichste, das lernen auch wir Lehrer wieder zu schätzen.“

Unterstützung bei weiteren Schutzmaßnahmen gab es von Lloyd Shoes: Am Freitag überbrachten Andreas Schaller, Sprecher der Geschäftsleitung des Unternehmens, und Gerd Beich als Vorsitzender des Betriebsrats insgesamt 2 200 Mund-Nase-Masken für Schüler und Mitarbeiter. Bereits vor Ostern habe es eine Anfrage von Lloyd gegeben, ob die Schule mit Nähmaschinen aushelfen könne, sagte Warnath, und nach Rücksprache mit dem Landkreis als Schulträger noch am Gründonnerstag seien elf Maschinen übergeben worden.

Die Nutzung einer Desinfektionsstation demonstrieren Birgitt Kathmann und Philipp Warnath.

Anfangs sei bei Lloyd nur mit einer für Textilien geeigneten Maschine in der Stepperei genäht worden, erläuterte Schaller, und dann hätten Mitarbeiter ihre privaten Nähmaschinen von zu Hause mitgebracht; mit den Schulmaschinen habe man nun einen anderen Durchsatz. „Die Auszubildenden sind mit Feuer und Flamme dabei“, lobte Beich, und man habe die Produktion von anfangs 100 Masken pro Tag auf zuletzt 2 000 Masken hochfahren können. Insgesamt seien nun rund 15 000 Masken produziert, und ab Montag werde man auch Mini- und Midi-Masken für Kinder anbieten können.

Die Masken bestehen aus bioaktivem Stoff, der normalerweise als Innenfutter für Lloyd-Schuhe zum Einsatz kommt, und sind bei 40 °C waschbar. Verkauft werden sie aber nicht: Man gebe sie kostenlos ab an Schulen, Polizei, soziale Einrichtungen und den Kirchenkreis, sagte Schaller – „das sind wir auch unseren Partnern schuldig, die das Material zur Verfügung gestellt haben.“ Kunden im Outlet erhielten beim Kauf eines Paars Schuhe eine Maske dazu, und von den Unternehmen, die Masken bekämen, freue man sich im Gegenzug über eine Spende für die Lloyd-Kinderhilfe.

Mit Flatterband abgesperrt ist die große Freitreppe im Neubau des BBZ in Sulingen, um das Einhalten des Abstands zu gewährleisten.

„Wir freuen uns als Landkreis, dass die im Alltag bereits bestehende Zusammenarbeit in der Krise weitergelebt wird und daraus so etwas Fruchtbares entsteht“, betonte Bockhop. Vorbildlich sei, dass sogar über Ostern nötiges Material bereitgestellt worden sei: „Das ist nicht selbstverständlich, aber es zeigt, dass es geht.“

Rubriklistenbild: © Bartels

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