Konzert mit Pianistin Marina Baranova

Veranstaltungsreigen des „KunstKulturForums“ endet mit dem Feuervogel

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Sichtlich bewegt dankte Friedrich Orth der Pianistin Marina Baranova mit dem traditionellen Abschiedsgeschenk.

Kirchdorff - Das Klavierkonzert am Samstagabend sollte ursprünglich das letzte im Jahresprogramm des „KunstKulturForums“ Kirchdorf sein, tatsächlich markierte es das Ende der knapp zehnjährigen Vereinsgeschichte.

„Es war das Sahnehäubchen auf der Torte, die wir gemeinsam gebacken haben“, sagte Friedrich Orth. Sichtlich bewegt dankte er der Pianistin Marina Baranova für ihren Vortrag mit dem traditionellen Abschiedsgeschenk, einem Usambaraveilchen aus Kirchdorf.

Die Entscheidung, die Vereinstätigkeit ruhen zu lassen, habe man schweren Herzens getroffen, hatte Vorsitzender Dr. Herbert Huth bei seiner Begrüßung betont. Die Resonanz auf die Veranstaltungen habe zu wünschen übrig gelassen, ohne finanzielle Unterstützung der Kommune sehe man sich nicht in der Lage, den Verein am Leben zu erhalten. Er dankte Weggefährten, Helfern und Sponsoren sowie insbesondere Friedrich Orth: „Er war das Herzstück unseres Vereins.“

Rund 60 Zuhörer verfolgten das, zunächst, letzte KKF-Konzert.

Marina Baranova präsentierte Barockmusik in neuem Gewand. „Ich lasse meine Gedanken und Assoziationen in die Partituren einfließen“, erklärte die Pianistin ihren Ansatz: „Improvisationen und Variationen sind Teil der musikalischen Praxis im Barock, und diesen Spielraum nutze ich.“ Ihre Interpretationen waren in diesem Sinne nicht immer werkgetreu, sondern einfühlsame, emotionale und nuancenreiche „Remixe“.

Die 36-Jährige begann das Konzert mit Sarabanden von Georg Friedrich Händel, Sergei Rachmaninow, Carl Philipp Emanuel Bach, Charles Valentin Alkan und Edvard Grieg, die sie zu einer Hypersuite zusammenführte: „Das Konzept habe ich im Kopf, Anfang und Ende auch“, erklärte Marina Baranova, die ihr Repertoire zum größten Teil auswendig spielte.

Das galt auch für die Suite ihrer Lieblingsstücke von Jean-Philippe Rameau, die sie in neuem Kontext ineinanderfließen ließ.

Fingerakrobatische Meisterleistung

Große Momente der Klaviermusik erlebte das Publikum nach der Pause: Auf der Grundlage von Alexander Iljitsch Silotis Bearbeitung des Präludiums in e-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier (Johann Sebastian Bach) hatte Baranova das Original in ihrer „Um-Komposition“ teilweise „zurückgeholt“.

Beflügelt vom Werk des französischen Barockkomponisten François Couperin bot sie abschließend eine Suite aus fünf ihrer ursprünglich für barocke Tasteninstrumente mit zwei Manualen komponierte Lieblingsstücke – eine fingerakrobatische Meisterleistung, denn auf einem modernen Instrument sind sie nahezu unspielbar.

Es sei für sie eine Ehre, die Ära „KunstKulturForum“ beenden zu dürfen, sagte Marina Baranova. Sie fühlt sich dem Verein seit langem verbunden: Damals noch Studentin, gastierte sie auf Empfehlung der Musikhochschule Hannover vor neun Jahren erstmals in Kirchdorf. „Gespielt habe ich auf einem Klavier, von dem ich nicht wusste, ob es den Abend übersteht“, erinnerte sich die Künstlerin schmunzelnd. Als der Verein einen Flügel anschaffen wollte, verließ man sich auf ihr Urteil und ihre Empfehlung.

Standing Ovations der 60 Zuhörer

Ihre Zugabe „Feuervogel“, eine Eigenkomposition, hatte Symbolcharakter: „Sie haben in den letzten zehn Jahren Unglaubliches geleistet“, bescheinigte Baranova den Kirchdorfer „Kulturmachern“: „Trotz oftmals sehr geringer Resonanz haben Sie sich nicht entmutigen lassen – ganz im Sinne der Kultur. Ich hoffe, dass der Verein irgendwann wie Phönix aus der Asche auferstehen wird.“

Die Standing Ovations der rund 60 Zuhörer galten der Ausnahmekünstlerin für ein Klavierkonzert der Extraklasse, aber auch den Veranstaltern für fast zehn Jahre Kultur vor Ort. - mks

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