Nach 18 Jahren in der Kirchengemeinde: Pastor Schafmeyer tritt Ruhestand an

Abschied aus Sulingen steht bevor

Als „theologisch sehr selbstbewusst“ und stark ehrenamtlich aktiv habe er die Kirchengemeinde erlebt, bilanziert Pastor Jörg Schafmeyer. Foto: Behling

Sulingen – Jörg Schafmeyer und seine Ehefrau Ulrike nehmen in rund einem Monat Abschied von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und der Stadt Sulingen: Der 64-Jährige, der hier über 18 Jahre als Pastor im Einsatz war, tritt seinen Ruhestand an. Sein Elternhaus in Harpstedt wird gerade umgebaut, dort zieht das Paar ein. Die drei Kinder sind in Sulingen erwachsen geworden und „aus dem Haus“ – fast: „Der jüngste, Jona Max, ist jetzt 19. Einen Tag, nachdem Papa aufhört, geht er ins Theologiestudium“, verrät Schafmeyer.

Was hat ihn einst bewogen, Seelsorger zu werden? „Für mich war das damals ein Aussteigerstudium. Ich war sehr beeindruckt von unserem Pastor, der war ein bisschen verrückt – hat im Stresemann-Anzug die Erdbeeren gepflückt, stand immer so ein bisschen schräg daneben. Das fand ich gut, ich hab mich auch nicht so bürgerlich verortet.“ Das Theologiestudium, um „rauszukommen“. „Der Glaube insgesamt öffnet einem ja auch eine andere Welt, die nicht einfach so kompatibel ist mit allem, was einen sonst umgibt.“

Zwischen den Wirklichkeiten stehen, das gelte für die Religion wie für seine zweite große Passion, die Kunst: „Da stellt man sich auch so ein bisschen auf einen Balken und guckt mal in die andere Richtung.“ Abstrakte Gemälde Schafmeyers an den Wänden der Pastorenwohnung, im Arbeitszimmer die kleine Bibel, die er früher bei seinen Rucksackreisen dabei hatte, mit Flügelschrauben gekreuzigt. „Seit zwei, drei Jahren vergrabe ich Bibeln.“ Der Ritus des Begrabens sei ein Ritus der Heiligung; das Gegenteil von „aus den Augen, aus dem Sinn“. Kunst und Seelsorge: „Beides muss ich nicht aufgeben, nur, weil ich jetzt in den Ruhestand gehe.“

Vielleicht werde er Gesprächskreise anbieten, überlegt Schafmeyer. „Hier in Sulingen habe ich unglaublich gerne die ,Exerzitien im Alltag‘ angeboten, gemeinsam mit der katholischen Gemeinde.“ Mit guter Resonanz, obwohl „alles andere als niederschwellig. Ich habe immer das Konzept gehabt, die Schwelle nicht zu niedrig zu machen, sondern lieber den Leuten über die Schwelle rüber zu helfen.“ Schafmeyer unterstreicht die Unterstützung durch Ehefrau Ulrike, mit ihr verabschiede die Gemeinde „eine engagierte Pfarrersfrau mit Leib und Seele. Sie hat hier einiges selbstständig auf die Beine gestellt, von der Arbeit mit Kindern am Anfang bis zu Gebetskreisen, der Gestaltung von Glaubenskursen.“ Ihn selbst habe immer die Diakonie sehr interessiert, das „Haus am Suletal“ begleitete er auch in den Gremien, die Sulinger Tafel liege ihm sehr am Herzen. Im diakonischen Feld lasse sich auch ein ehrenamtlicher Pastor unterbringen. „Aber nicht da, wo er gewirkt hat. Das macht man nicht, man muss dem Nachfolger die Chance lassen, sich zu etablieren.“ Die Pastorenstelle ist zum 1. Dezember ausgeschrieben.

Nach dem Vikariat in Bassum und Loccum, dann jeweils neun Jahren als Pastor in der Kirchenregion Stuhr und in Bremerhaven, kam Jörg Schafmeyer 2001 in die Sulestadt. „Nach den Erfahrungen in der ,Großstadt‘ hat mich die Verlässlichkeit der Leute hier enorm beeindruckt. Und die Freundlichkeit. Unsere Nachbarn, Meyers, haben uns früh morgens in den Stall geholt, da wurde ein Fohlen geboren – unsere Tochter Charlotte war hellauf entzückt. Wir dachten, wir sind hier in einer anderen Welt. Die Gottesdienste waren gut besucht; das sind sie immer noch, auch die Jugendarbeit blüht.“ Es gebe viele Aktivitäten, die ehrenamtlich verantwortet sind, Hauskreise, den Jugendgottesdienst J-Day, die Neusehland-Gottesdienste. „Ich habe die Gemeinde als theologisch sehr selbstbewusst erlebt.“

Die Ökumene sei ihm wichtig, er habe immer ein gutes Verhältnis zu den katholischen Amtsbrüdern gepflegt, auch zur Freikirche, zu den Russisch-Orthodoxen. „Wir können es uns nicht leisten, als Christen eine Front aufzutun untereinander“, betont Schafmeyer. Dass die Sankt-Nicolai-Kirche allen offen steht – verlässlich, an jedem Tag, morgens bis abends – sei gleich zu Beginn sein Bestreben gewesen, auch, sie mit Leben zu füllen, etwa mit einer wöchentlichen Sprechstunde. „Sie ist tatsächlich seit 17 Jahren ununterbrochen täglich geöffnet. Das finde ich toll. Und ich hoffe, dass es so bleibt.“

Gottesdienst und Empfang im Oktober

Die Kirchengemeinde verabschiedet Jörg und Ulrike Schafmeyer im Rahmen eines Festgottesdienstes am Sonntag, 20. Oktober, ab 10 Uhr in der Sankt-Nicolai-Kirche. Ein Empfang in der Alten Bürgermeisterei schließt sich an, bei dem alle Interessierten dem Paar persönlich alles Gute für den neuen Lebensabschnitt zu wünschen können.

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