WOCHE DER DIAKONIE Fachstelle Sucht und Suchtprävention begleitet derzeit 180 Klienten

Abhängige „auf die Erde zurückholen“

Leiter der Fachstelle Sucht und Suchtprävention ist seit 2017 Jens Rusch.
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Leiter der Fachstelle Sucht und Suchtprävention ist seit 2017 Jens Rusch.

Sulingen/Diepholz – „Nach dem Eintritt in die Rente hat mein Mann eine Alkoholabhängigkeit entwickelt. Seine Sucht ist Teil unseres Lebens geworden. Da ich ihn und mich schützen will, gehen wir nicht mehr unter Leute: Die ständigen Lügen haben zu einer Vertrauenskrise geführt; ich sehe keinen anderen Ausweg, als mich von ihm zu trennen.“ Worte einer Hilfesuchenden, die sich an die Fachstelle Sucht und Suchtprävention im Diakonischen Werk in Sulingen und Diepholz gewandt hat.

„Die Alkoholabhängigkeit eines Menschen ist für sein enges soziales Umfeld eine besondere Herausforderung“, sagt Jens Rusch, Leiter der Fachstelle. „Sie leiden mehr als der Betroffene selbst.“ Es seien daher oft Angehörige, die den Kontakt zur Beratungsstelle suchen. Rusch und sein Team entwickeln zusammen mit ihnen Ideen, wie sie den Betroffenen von seinem „Planeten“ zurückholen, auf dem er sich eingerichtet hat. Rusch: „Wir haben viel Erfahrung sammeln dürfen und damit ganz unterschiedliche Strategien kennengelernt, alkoholkranke Menschen zu erreichen.“ Die Familie spiele auf dem Weg aus der Sucht eine tragende Rolle.

Im Idealfall nimmt der Betroffene beim zweiten oder dritten Angehörigengespräch teil. Es ist ein erster Schritt in ein neues, selbstbestimmtes Leben. Die Mitarbeiter der Fachstelle Sucht hatten laut Statistik im Jahr 2019 Kontakt zu 660 Hilfesuchenden. Jens Rusch und sein Team – fünf Berater, zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen sowie eine Fachärztin, eine Trauma-Psychologin, eine Gestalttherapeutin und eine Ergotherapeutin als Honorarkräfte – vermittelten an den Standorten Sulingen und Diepholz 128 Personen in ambulante oder stationäre Behandlung in Kliniken. 86 Personen nahmen das ambulante Therapieangebot der Fachstelle Sucht vor Ort in Anspruch. Rusch ist Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge mit sozialtherapeutischer Zusatzausbildung (Sucht). Fünf Jahre sammelte er Berufserfahrung in Suchtkliniken. Seit 2000 verstärkt er das Team der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks, leitet es seit 2017.

Die Beratung ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen kostenlos. Die ambulante Behandlung, die in der Regel 40 Therapieeinheiten und vier Angehörigengespräche umfasst, beginnt nach der Kostenzusage durch Rentenversicherung oder Krankenkasse. Die Erfolgsquote ist laut Jens Rusch hoch: 80 Prozent der Klienten seien ein Jahr nach Abschluss abstinent.

„Der wesentliche Teil der Therapie ist Motivationsarbeit“, erklärt Rusch. Es gehe nicht nur darum, den Weg aus der Sucht zu finden, sondern auch darum, die sich auftuenden Lücken zu schließen und einen veränderten Umgang mit sich selbst, mit den eigenen Gefühlen und seinen Mitmenschen zu erlernen.

Aktuell begleitet das Team der Fachstelle Sucht 125 Klienten in Diepholz und 55 in Sulingen, Alter: zwischen 14 und 85. In 60 Prozent der Fälle steht der problematische Umgang mit Alkohol im Fokus, aber auch bei anderen Suchterkrankungen (Cannabis, Opiate, Glücksspiel, Medikamente, Medien) bieten die Ansprechpartner des Diakonischen Werks ihren Klienten Hilfe. Finanziert wird ihre Arbeit vom Kirchenkreisverband, vom Landkreis, vom Land Niedersachsen und den Rentenversicherungsträgern.

Suchterkrankte „auf die Erde zurückzuholen“ und ihnen und ihren Familien eine neue Perspektive zu geben, formuliert Jens Rusch als größtes Ziel. Sucht sei kein Grund zur Scham, sondern eine Krankheit, aus der es einen Weg gibt. Für Betroffene und für ihre Angehörigen.

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