Mitglieder der Sulinger „Reload“-Crew helfen

Sachspenden für Flutopfer im Ahrtal: 8 700 Paar Handschuhe und mehr

Zwei Männer stehen vor den geöffneten Hecktüren eines mit Hilfsgütern gefüllten Lieferwagens.
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Die letzten Sachspenden laden Michael Wohlers (links) und Manuel Bartels in den bis zum Dach gefüllten Sprinter.

Sulingen – Für das Foto mag Manuel Bartels die hinteren Türen des Sprinters nur ganz vorsichtig öffnen, denn angesichts der schieren Menge hat er Sorge, dass die sorgfältig verstauten Hilfsgüter für die Flutopfer im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler wieder herauspurzeln. Von der Hilfsbereitschaft der Menschen und Firmen im Sulinger Land ist er begeistert: „Der Sprinter ist voll bis obenhin. Die Ausbeute ist top, wirklich genial.“

Der Twistringer gehört zum festen Kreis der Helfer und Organisatoren des Reload Festivals in Sulingen. Diese Gruppe, auch „Reload“-Crew genannt, hatte bereits in der Vorwoche Kochgeschirr, Campingkocher und Gaskartuschen für die Menschen in der vom Hochwasser der Ahr betroffenen Region gesammelt und vor Ort abgeliefert. Dort seien sie herzlich empfangen worden, berichtet Bartels, und die Menschen seien wirklich dankbar gewesen. Gleich nach der Rückkehr am Sonntag habe eine seiner Kontaktpersonen im Hochwassergebiet gefragt, was dort konkret benötigt wird „und ab Montag habe ich das in die Tat umgesetzt.“ Von vielen Unternehmen aus der Region habe er Sachspenden erhalten oder Geld, um die benötigten Dinge einkaufen zu können. Zusätzlich riefen die „Reload“-Macher dazu auf, Hilfsgüter am Donnerstag auf dem Festivalgelände in Sulingen abzugeben.

Die Liste der Spenden ist lang – und eindrucksvoll: 8 000 Paar Gummihandschuhe, 709 Paar Arbeitshandschuhe, 144 Schaufeln, 54 Abzieher, 54 Besen, vier Spitzhacken, 50 Spaten, 70 Eimer, 25 Holzstiele und 15 Besenköpfe sowie acht Regenjacken zählt Bartels auf, ein Teil davon stamme von einer in Bremen eingerichteten Sammelstelle. Zudem habe man von Privat eine Geldspende erhalten, die für den Kauf von Diesel für die Räumfahrzeuge vor Ort genutzt werden soll.

Lange Liste an gespendeten Werkzeugen und Gerätschaften

Begleitet von zwei weiteren Mitgliedern der „Reload“-Crew, Michael Wohlers aus Twistringen und Manuela Jaeger aus Vechta, brachte Manuel Bartels die Lieferung am Freitag zum Firmengelände des Veranstaltungsunternehmens „Infinity Staging“ in Grafschaft, das den freiwilligen Helfern als Lager und Unterkunft dient. Von dort gehe es dann am Samstag in die Täler nach Dernau, Mayschoß und Rech, um – wie schon am Wochenende zuvor – beim Aufräumen selbst mitzuhelfen.

Seine Eindrücke aus dem Katastrophengebiet seien auch mit fast einer Woche Abstand schwer in Worte zu fassen, sagt Bartels: „Wenn man von den Weinbergen herunterkommt, sieht man schon das große Ausmaß an kaputten Häusern und Straßen. In den Tälern ist es dann wirklich schlimm – Autos und große Container liegen auf Feldern, von den Straßen ist viel weggeschwemmt, überall ist viel, viel Schlamm.“ Das Wort „Krieg“ komme ihm als Beschreibung in den Sinn, „und das ist eher noch untertrieben.“

Beklemmende Eindrücke aus dem Katastrophengebiet

Zusammen mit anderen Helfern habe man an zwei Tagen zwei Häuser „entkernt“. In einem sei der Keller gar nicht mehr zugänglich gewesen, das Erdgeschoss meterhoch mit Schlamm gefüllt – und im ersten Obergeschoss habe ein ganzer Baum gesteckt. Außen an den Häusern könne man sehen, wie hoch das Wasser gestanden hat, teilweise bis zu zehn Meter hoch: „Das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man das im Fernsehen sieht.“

Gut sei die Zusammenarbeit der vielen freiwilligen Helfer, der Lohn- und Bauunternehmen: „Die machen wirklich eine Top-Leistung.“ Trotzdem werde das Beseitigen der Schäden noch Monate, wenn nicht gar Jahre dauern, schätzt Bartels, denn „gefühlt sind erst fünf Prozent geräumt.“

Nächste Tour ist für August geplant

Zuhause habe er ein, zwei Tage gebraucht, um wieder herunterzukommen, sich zu sortieren und die Bilder zu verarbeiten, bekennt er. Dennoch ziehe es ihn wieder dorthin, auch wegen der Kontakte zu den Menschen vor Ort und den Helfern, die er geknüpft hat. „Wenn ich könnte, wäre ich auch länger da unten.“ Auf jeden Fall werde es noch eine dritte Tour mit Hilfsgütern und Helfern in die Region geben. Sie werde für den Zeitraum zwischen Mitte und Ende August geplant: „Das bietet sich an, weil es die für das ,Reload‘ geplanten Wochen sind und ein Teil der Crew hat dann Urlaub.“

Der Sprinter ist voll bis obenhin. Die Ausbeute ist top, wirklich genial.

Manuel Bartels

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