16-jähriger Flüchtling in Bremen möchte zu seinem Cousin nach Sulingen

Allein in der Fremde

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Mohamed Abdullah würde gerne bei seinem Cousin in Sulingen wohnen.

Sulingen/Bremen - Von Tobias Kortas. „Dafür sind wir nicht zuständig.“ Diesen Satz hört Heiner Gutschmidt, pensionierter Lehrer aus Sulingen andauernd. Hintergrund: Der Flüchtling Mohamed Abdullah lebt zurzeit in einer Unterkunft in Bremen.

Der von Gutschmidt und seiner Frau Christien Tempel betreute Cousin des 16-Jährigen, Ahmed Mousa Attib, lebt aber gemeinsam mit anderen Sudanesen in Sulingen. Deshalb möchte das Ehepaar die Vormundschaft für den Jungen übernehmen und ihn nach Sulingen holen. Bis dato ohne Erfolg.

Es stünde bereits in Absprache mit der Sulinger Verwaltung ein Bett im Zimmer des Cousins in Sulingen bereit. Ein Schulplatz in einer Sprachförderklasse sei ebenfalls vorhanden. Der sei allerdings gefährdet. Gutschmidt: „Wir müssen bis Ende des Monats Rückmeldung geben oder der Platz ist weg.“

Um Mohamed nach Sulingen zu holen, hat Gutschmidt zahlreiche Behörden kontaktiert: Darunter das Amt für soziale Dienste Sozialzentrum Süd in Bremen, die Einrichtung, in der Mohamed Abdullah untergebracht ist, das Ausländeramt in Bremen sowie das Jugendamt Diepholz. Allerdings „schieben die Behörden die Zuständigkeit hin und her“.

Will heißen: Das Amt für soziale Dienste verweise Gutschmidt an das Bremer Jugendamt, dieses wiederum erkläre, dass die Einrichtung, in der der junge Sudanese untergebracht ist, zuständig sei. Die dortige Heimleiterin habe die Umstellung (so die offizielle Bezeichnung) begrüßt, sich allerdings nicht wieder gemeldet. Daraufhin habe Gutschmidt wieder mit zahlreichen Ämtern telefoniert. Über die Ausländerbehörden in Bremen und Diepholz sei er schließlich an das Diepholzer Jugendamt verwiesen worden – ohne in Erfahrung zu bringen, wer sich um die Angelegenheit zu kümmern hat.

Eine telefonische Recherche dieser Zeitung ergab, dass weder die Leiterin der Unterkunft, noch ein Verwaltungsangestellter des Sozialzentrums Süd eine Auskunft über die Zuständigkeit geben können. Beim Jugendamt in Diepholz war niemand erreichbar. Schließlich erklärte Bernd Schneider, Pressesprecher der Bremer Sozialbehörde, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Land Niedersachsen für einen solchen Fall zuständig sei. Dieses war gestern Nachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme erreichbar.

Für Mohamed Abdullahs Zukunft haben Gutschmidt und Tempel – vorausgesetzt, dass der Jugendliche nach Sulingen kommen kann – schon einiges geplant. Als ehrenamtliche Paten bei der Stadt Sulingen betreuen sie bereits neun Sudanesen, darunter Mohamed Abdullahs Cousin. Neben dem Platz im Zimmer des Cousins und der Möglichkeit, eine Sprachschule zu besuchen, „habe ich sogar schon einen Praktikumsplatz für ihn“, so Gutschmidt. In Bremen habe der Junge zurzeit keine Beschäftigung.

Bis jetzt besuche Mohamed Abdullah seinen Cousin jedes Wochenende. „Auf diese Weise haben wir auch von ihm erfahren.“ Nun hat Heiner Gutschmidt, „der am Ende seiner Möglichkeiten ist“, nur noch einen Wunsch: „Jemand soll sich der Sache annehmen.“

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