Gemeinden wollen fusionieren / Rund 80 000 Euro Schulden als Mitgift

Süstedt und der Flecken haben sich verlobt

Bruchhausen - Von Felix GutschmidtBR.-VILSEN/SÜSTEDT · Die Gemeinde Süstedt und der Flecken Bruchhausen-Vilsen wollen fusionieren. Süstedts Bürgermeister Reinhard Thöle und Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch verkündeten gestern die Verlobung der Orte. Bis zur Sommerpause sollen die Räte der beiden Gemeinden über den Zusammenschluss beraten. Wenn sie zustimmen, sollen die Hochzeitsplanungen zeitnah beginnen.

Vollzogen werden würde die Eingemeindung im November 2016. Dann endet die laufende Ratsperiode.

Als Hauptgrund führt Thöle die finanzielle Lage Süstedts an. „Wir schieben seit Jahren ein Minus vor uns her.“ Die Gemeinde brächte rund 80 000 Euro Schulden als Mitgift in die Ehe ein.

Fleckenbürgermeister Peter Schmitz ist das bewusst. Dennoch begrüßt er die Süstedter Avancen. Für ihn wäre es eine Hochzeit aus Liebe. Historisch gesehen bildeten der Flecken, Engeln und Süstedt schon immer eine Gemeinschaft, sagt Schmitz. „Wir gehen auf dieselbe Schule, wir besuchen dieselbe Kirche und wir landen alle auf demselben Friedhof.“

Dank der größten Steuerkraft aller Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde könne sich Bruchhausen-Vilsen die Fusion mit Süstedt durchaus erlauben. Außerdem profitiere der Flecken auch wirtschaftlich, sagt Schmitz. Er rechnet mit einem Anstieg der Kaufkraft und verspricht sich eine höhere touristische Attraktivität, wenn in Zukunft auch die umliegenden Gebiete in die Vermarktung mit einbezogen würden. Außerdem wachse die Einwohnerzahl von rund 7 000 auf fast 9 000. Dadurch werde der Ort kräftiger und bekomme mehr politisches Gewicht in der Samtgemeinde.

Dass es zu einem Übergewicht des Fleckens in der Samtgemeinde kommen könnte, glaubt Wiesch nicht. Asendorf, Schwarme und Martfeld hätten nichts zu befürchten.

Für die Süstedter soll als Bürger des Fleckens vieles besser werden. Vor allem für die Instandhaltung des Wege- und Straßennetzes stünde mehr Geld zur Verfügung. Thöle rechnet auch mit höheren Zuschüssen für die Vereine im Ort.

Hinzu kommen neue Möglichkeiten der politischen Einflussnahme: Zum Einkaufen oder für Arztbesuche führen die Süstedter sowieso schon nach Bruchhausen-Vilsen, sagt Thöle. Doch bisher hätten sie bei Entscheidungen zur Nahversorgung kein Mitspracherecht gehabt. Das könnte sich mit der Fusion ändern, wenn Vertreter aus Süstedt in den Fleckenrat gewählt werden würden.

Bisher hat das Gremium 25 Sitze. Vier waren für die laufende Wahlperiode im Zuge der Eingemeindung Engelns 2011 hinzugekommen. Diese Regelung läuft 2016 aus. Wiesch rechnet damit, dass bei den nächsten Wahlen zwei bis sechs Sitze wegen der Fusion mit Süstedt hinzukommen. Unter dem Strich bliebe der Rat damit zahlenmäßig voraussichtlich gleich besetzt.

Bis die Hochzeitsglocken läuten, ist es noch ein weiter Weg. Sollte der Süstedter Rat beschließen, Fusionsverhandlungen mit dem Flecken aufzunehmen, würde bald eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Süstedt und Bruchhausen-Vilsenzusammenkommen.

Thöle kündigte an, auch die Bürger und Vereine zu befragen. Auch sie sollen der Verbindung ihren Segen geben. Wenn abschließend beide Gemeinderäte der Fusion zustimmen, muss das Land die Pläne prüfen und ein Gesetz daraus schmieden. Dieser Prozess kann laut Wiesch bis zu zwei Jahre dauern.

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