Auftritt in Stuhrer Kirche

„TIK-Theater“ macht die Geschichte Martin Luthers greifbar

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Der „Fall Luther“ zog das Publikum in der Stuhrer Kirche in seinen Bann.

Stuhr - Von Angelika Kratz. Kurz vor dem Reformationstag wurde der „Fall Luther“ als theatralische Gerichtsverhandlung mitten im uralten Altarraum der Stuhrer Kirche verhandelt. „Ich kann nicht anders, Gott helfe mir“, wurde Luthers vor Jahrhunderten ausgesprochenes Bekenntnis als zutiefst zu Herzen gehende Aufführung am Sonnabend mit neuem Leben und ganz aktuellen Botschaften gefüllt.

Zu verdanken war diese Version einer überaus lebendigen und nachfühlbaren Geschichte eines gottesfürchtigen, zweifelnden und damit wachen Menschen mit vielen politischen Aspekten zum Miterleben und Mitfühlen, dem „Theater in der Kirche“ (TIK), einem Laienensemble aus Oberfranken. Das Stück sei bereits vor vielen Jahren schon einmal in der Stuhrer Kirche mit einem anderen Ensemble gewesen und hätte das Publikum begeistert, wusste Gastgeber Pastor Robert Vetter zu berichten. Zum großen Jubiläum des Dr. Martin Luther ergab sich nun wieder ein weiterer Glückgriff mit dem engagierten „TIK-Theater“.

Im Rahmen einer Gerichtsverhandlung erlebte ein leider nur kleines, aber begeistertes Publikum die vielen Lebensstationen von Dr. Martinus Luther zwischen den geplatzten Lebensträumen seiner Eltern durch Luthers Berufung als Mönch und dem Zweifeln an seiner eigenen Mission.

Zwischen den einzelnen Szenen im Altarraum setzte Organistin Olga Burmeister an der Orgel die kleinen Kontrapunkte zum Sackenlassen der oft schwerwiegenden Aussagen. Nur spärlich ausgestattet war die kleine Bühne mit einem kargen Tisch und zwei Hockern und einem öfters genutztem Weinkrug. Die Technik passte sich mit genau dem richtigen zurückhaltenden Licht an und zunehmend gestaltete sich das ganze Kirchenschiff in ein lebendiges Aktionsfeld zwischen Wittenberg, der Wartburg bis hin zum fernen Rom.

Ensemble aus Oberfranken überzeugt

Das von Karlheinz Komm geschriebene Stück einer Gerichtsverhandlung zur Frage an Luthers Schuld mit seinen Worten und Schriften den blutigen Bauernaufstand verursacht zu haben, wurde von dem Ensemble des „TiK-Theaters“ aus Oberfranken sehr überzeugend dargestellt.

Mitten drin und maßgebend in seiner Rolle als Luther agierend, Michael Lehner. Ihm mochte man alle Zweifel eines gottesgläubigen und dennoch politischen Menschen abnehmen. Das zehnköpfige Ensemble mit wechselnden Rollen verdiente ein weiteres großes Lob.

Sicherlich wird so manchem aus dem Publikum die politische Brisanz von Luthers Thesen an Wittenbergs Kirchentür, vor dem Hintergrund politischer Meinungsfreiheit durch die Buchdruckerkunst und die Einführung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache auch für das niedrige Volk, bewusst geworden sein.

Das „Tik-Theater“ erhielt großen Applaus, wenn es auch nach zwölf Jahren Spielzeit nun zum Luther-Jubiläum seinen „Fall Luther“ zu den Akten legen möchte.

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