Keine Zusammenstöße

Kraniche und Flugzeuge teilen sich Himmel über Stuhr

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Die Flugzeuge steigen beim Start so steil in den Himmel, dass sie schnell höher als die meisten Vögel fliegen.

Stuhr - Von Katharina Schmidt. Wenn Hinrich Mahlstädt aus Moordeich in diesen Tagen in den Himmel über Stuhr blickt, fallen ihm oft Kraniche auf, die zu ihren Winterquartieren Richtung Süden ziehen. Und ihm fallen Flugzeuge auf, die vom Bremer Flughafen aus in die Luft steigen. Er fragt sich: Wie können die Piloten sicherstellen, dass sie nicht in eine Vogelformation fliegen und die Tiere somit gefährden?

Laut Simon Köcher, ebenfalls Stuhrer und Fachmann für Vogelkunde beim Bremer Flughafen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Um es vorwegzunehmen: Sie alle laufen darauf hinaus, Rücksicht auf die Vögel zu nehmen. „Im Zweifel warten die Maschinen auch“, schildert Köcher.

Dem Landschaftsökologen zufolge begeben sich im Herbst mehrere Millionen Vögel in allen Größen auf den Weg gen Süden. Wo sie sich befinden, lasse sich unter anderem mit von Radargeräten erfassten Daten herausfinden, welche die Bundeswehr auf einer Internetseite bereitstelle.

Auskunft über den Vogelzug gibt Köcher zufolge darüber hinaus die Internetseiten „Ornitho“. Dort können Vogelkundler – egal ob hauptamtlich oder aus purer Leidenschaft – Beobachtungen eingeben. Speziell für Kraniche biete sich www.kraniche.de an.

Aber die Mitarbeiter des Flughafens verlassen sich nicht nur auf das Internet. Zum einen beobachten sie die Situation vom Flugplatz aus. Zum anderen buchen sie im Herbst und Frühjahr einen externen Fachmann, der sich in der Umgebung umschaut. „Deswegen wissen wir recht gut, was im Umfeld passiert“, so Köcher. Er selbst fährt auch öfter raus, zum Beispiel zu den Kladdinger Wiesen, um sich ein Bild der Situation zu verschaffen.

„Alle Flughäfen haben einen Mitarbeiter wie mich“

Wenn er dabei etwas Interessantes sieht, reichen ein paar Klicks auf seinem Smartphone, um sich mit Berufskollegen kurzzuschließen. „Alle Flughäfen haben einen Mitarbeiter wie mich“, sagt Köcher. „Wir sind in einer ,WhatsApp‘-Gruppe organisiert“. Eine gewisse Vernetzung ergibt sich auch durch den Deutschen Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von an der Luftfahrt beteiligten Institutionen, für den Simon Köcher acht Jahre lang gearbeitet hat. Dem Ausschuss zufolge können Zusammenstöße von Flugzeugen und Vögeln nicht nur für die Tiere tödlich enden, sondern auch für Menschen in abstürzenden Fliegern.

Die Mitarbeiter des DAVVL haben unter anderem die Flughöhen von Vögeln dokumentiert. Das Ergebnis: 90 Prozent der Vögel flögen unter 300 Metern, Kraniche seien deutlich höher unterwegs. Trotzdem: „Das Flugzeug ist schnell aus dieser Zone heraus“, sagt Köcher. In der Reisezone gebe es fast keine Vögel.

Laut dem Fachmann wurde in Deutschland seit mindestens 15 Jahren kein Zusammenstoß von einem Flugzeug mit einem Kranich aufgezeichnet. Länger reichten die Aufzeichnungen nicht zurück. Andere Fälle von Vogelschlag kämen durchaus vor. Oft finde man nur einen Blutfleck, den man mittels DNA-Analyse zuordnen könne. Es handele sich teils um Vögel, die nur 16 Gramm wiegen, aber sehr hoch fliegen.

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