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Zustrom aus der Ukraine: Flüchtlingsnetz Stuhr stellt sich neu auf

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Von: Andreas Hapke

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Andre Becker, Thorsten Ehlers und Thomas Leleko mit Elektrogeräten aus der Aktion „Spenden statt entsorgen“.
In den neuen Räumen bauen (v.l.) Andre Becker, Thorsten Ehlers und Thomas Leleko das Angebot der Aktion „Spenden statt entsorgen“ auf. © Rainer Jysch

Mit den Flüchtlingen aus der Ukraine kommen auf das Flüchtlingsnetz Stuhr neue Aufgaben zu. Dafür wollen sich die Ehrenamtlichen neu aufstellen. Im Treffpunkt B5 laufen die individuellen Beratungen wieder an. Für die Wohnungsvermittlung zwischen Flüchtlingen und Privatleuten bietet sich das Netz auch an.

Stuhr – Mit den rückläufigen Flüchtlingszahlen waren zuletzt auch die Aufgaben für das Flüchtlingsnetz Stuhr weniger geworden. Dies spiegelt sich in der Zahl der aktiven Mitglieder wider. Laut Koordinator Andre Becker stehen zwar noch 45 Ehrenamtliche auf der Liste, maximal seien aber nur noch zehn von ihnen tatkräftig dabei. Der Flüchtlingstreff B5 in Brinkum als Anlaufpunkt des Netzes war während der Pandemie geschlossen. Lediglich die Ausgabe von Fahrrädern an Bedürftige habe nach Terminabsprache über Whatsapp noch funktioniert, berichtet Becker.

Nun hat der Angriffskrieg, den Russland in der Ukraine führt, die Situation schlagartig verändert. Millionen Menschen aus der Ukraine sind auf der Flucht – und die ersten von ihnen längst auch in Stuhr angekommen. Sie benötigen vor Ort jegliche Unterstützung, die sie bekommen können. Klar, dass sich auch das Flüchtlingsnetz wieder einklinkt. Nur wie?

„Wir müssen uns jetzt erst mal intern zusammensetzen und über die weitere Strategie beraten. Noch läuft alles ein bisschen durcheinander. Was können wir leisten mit dem vorhandenen Personal?“ Das muss laut Becker die grundlegende Frage sein. Verbunden ist sie mit der Hoffnung, dass wieder mehr Menschen im Flüchtlingsnetz aktiv werden. Ute Sydow, Mitgründerin des Netzes im Jahr 2015, wünscht sich ein Treffen aller unterstützenden Organisationen, vom Sozialverband bis hin zum Deutschen Roten Kreuz.

Viele Flüchtlinge von damals wollen sich jetzt gerne bei der Unterstützung der Ukrainer einbringen. Afghanen, Syrer, Iraner. Alle möglichen Nationalitäten.

Ute Sydow

Klar ist, dass die Ehrenamtlichen die Gemeinde bei der Vermittlung von Privatwohnungen an Ukrainer unterstützen. Dazu hatten sich zwei Mitglieder beim jüngsten Helfertreffen bereit erklärt – dem ersten seit November 2021. „Und wir können Platz zur Verfügung stellen, wo Menschen Spenden abgeben, die wir dann verteilen“, fügt Becker hinzu.

Am Montagnachmittag haben er und einige Mitstreiter damit begonnen, die räumlichen Voraussetzungen für die Wiedereröffnung des B5 zu schaffen. Dabei kommen den Helfern zusätzliche räumliche Kapazitäten zugute. „Nach langem Drängen“, sagt Becker, habe die Gemeinde dem Flüchtlingsnetz ein ans B5 grenzendes und leer stehendes Ladenlokal überlassen.

Ursprünglich wollten die Ehrenamtlichen dort ihre Fahrradwerkstatt einrichten. Die aktuelle Werkstatt komme eher wie „eine Tropfsteinhöhle“ daher, sagt Becker. Das neue Lokal hingegen: beheizt, beleuchtet und vor allen Dingen trocken. Die Fahrräder werden aber wohl erst später dorthin umziehen. Vorübergehend könnte das Lokal dem Sammeln von Spenden dienen.

Außerdem haben Becker & Co. Elektrogeräte vom alten in den neuen Raum geschleppt, um nebenan wieder mehr Fläche für Zusammenkünfte zu schaffen. Die Geräte stammen aus der Aktion „Spenden statt entsorgen“: Mitglieder des Reparaturcafés im Mehrgenerationenhaus holen ausgediente Wasserkocher, Kaffeemaschinen und ähnliches vom Wertstoffhof der AWG in Melchiorshausen ab, um sie auf Vordermann zu bringen und über das Flüchtlingsnetz an Bedürftige zu verteilen (wir berichteten).

Helfer ziehen mit Elektrogeräten um.
Wuppen Elektrogeräte von einem Ladenlokal ins andere und schaffen damit Platz im ursprünglichen Flüchtlingstreff B5: Thomas Leleko (l.) und Thorsten Ehlers. © Rainer Jysch

Jetzt ist wieder reichlich Platz im ursprünglichen B5, den Ute Sydow nur allzu gerne so nutzen würde, wie er von Beginn an gedacht war: als Begegnungsstätte. „Die Ukrainer sollen sich dort treffen, so wie sich damals die Syrer dort getroffen haben“, sagt Sydow.

Einziger Haken: Da das Flüchtlingsnetz eine private Initiative ist und Ukrainer überwiegend mit dem in der EU nicht zugelassen russischen Impfstoff „Sputnik V“ geimpft sind, gelten die Kontaktregelungen der niedersächsischen Corona-Verordnung für Personen ohne Covid-Impfschutz. Sie dürfen sich nur mit maximal zwei Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Dies hat gestern die stellvertretende Fachdienstleiterin im Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz, Christine Sandkuhl, auf Anfrage der Kreiszeitung bestätigt. Einzige Ausnahme wäre eine offizielle Veranstaltung, für die die 3-G-Regel greifen würde. „Wir sind dabei, entsprechende Impfangebote für die Ukrainer zu stricken“, fügte Sandkuhl hinzu.

Für die erlaubten individuellen Beratungen möchte Ute Sydow den B5 heute wieder öffnen – „für alle, die mich angesprochen haben“. Dies seien zum Beispiel Personen, die Ukrainer bei sich aufgenommen und nun Informationsbedarf hätten. Insgesamt sieht die Seckenhauserin andere Erfordernisse bei der Hilfe als 2015. „Da mussten wir den Menschen zeigen, wie das Leben hier funktioniert. Das müssen wir jetzt nicht.“ Was sie besonders freut: „Viele Flüchtlinge von damals wollen sich jetzt gerne bei der Unterstützung der Ukrainer einbringen. Afghanen, Syrer, Iraner. Alle möglichen Nationalitäten.“

Was die weiteren Öffnungsschritte angeht, wird das Flüchtlingsnetz laut Becker „flexibel reagieren. Wir sind ja keine straffe, militärische Organisation“.

Kontakt

Wer Infos über das Flüchtlingsnetz benötigt, wendet sich an Koordinator Andre Becker, 0176 / 47 7056 94.

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