„Bluegrass & Americana Music“-Festival

Gutsscheune: 450 Zuhörer schenken immer wieder Szenenapplaus

Kagey Parrish und Laura Wortmann (The Honey Dewdrops) sowie Molly Rose Tuttle (The Goodbye Girls) laufen zur Höchstform auf.

Varrel - Von Rainer Jysch. „Ihr brecht alle Besucherrekorde“, hat Bluegrass-Veranstalter Rainer Zellner am Sonnabend in der ausverkauften Varreler Gutsscheune dem Publikum zugerufen. In der Tat steigt die Zahl der Besucher dieser Traditionsveranstaltung stetig an. „Ich fahre jedes Jahr nach Amerika und suche die Bluegrass-Perlen für euch“, erzählte er den 450 Besuchern. Bereits zum achten Mal in Folge kutschiert Zellner seine elfköpfige Bluegrass-Truppe im Banjo-Bus kreuz und quer durch Deutschland. Nördlicher als Stuhr – der elften Station der Reise – geht die Tour nicht.

24 Veranstaltungsorte an 24 Tagen stehen seit fast zwei Wochen auf dem Festivalplan. „Die Musik ist in den Südstaaten der USA entstanden, als sich die Aussiedler aus England, Irland und Schottland in den Staaten Kentucky, North-Carolina, Tennessee und Virginia niedergelassen hatten“, gab Zellner den Bluegrass-Neulingen eine kurze Einführung. „Sie haben ihre Geigen- und Tanzstücke mitgebracht und dort die Balladen gesungen. Das Banjo ist ja der Dudelsack der Country-Musik“, witzelte Zellner in Anspielung auf die Ursprünge. Auch Gospel-Klänge sowie Elemente spiritueller Musik lassen sich im Bluegrass entdecken. Bill Monroe aus Kentucky gilt in den 1940er Jahren als Erfinder dieser einzigartigen Mischung. Mit seiner Band „The Blue Grass Boys“, benannt nach der dortigen bläulichen Färbung des Grases, legte er den Grundstein für das bis heute so erfolgreiche Musikgenre.

Den Auftakt übernahmen „The Honey Dewdrops“. Das verheiratete Singer-Songwriter-Paar aus Baltimore Laura Wortmann (Gitarre, Banjo, Gesang) und Ehemann Kagey Parrish (Gitarre, Mandoline, Gesang) glänzte mit großer Instrumentenbeherrschung und wunderbarem Harmoniegesang. Sanfte Balladen, wie „Nobody in this world“ und „Same old“ von ihrer letzten CD, sind die Spezialität des Duos. „Wir spielen am liebsten traurige Lieder“, sagte Kagey Parrish. Mit einem a cappella gesungenen alten Gospel-Lied „Bright morning star“ verabschiedete sich das Paar zunächst von der Bühne.

Kagey Parrish und Laura Wortmann (The Honey Dewdrops) sowie Molly Rose Tuttle (The Goodbye Girls) laufen zur Höchstform auf.

Turbulent wurde es mit den „Truffle Valley Boys“. Die vier Musiker kommen eigentlich aus Italien. Mit Gitarre, Banjo, Dobro, Mandoline und Kontrabass heizte das Quartett in stilsicherer Bühnenkleidung dem Publikum mächtig ein. In einer wilden Choreografie wechselten die einzelnen Künstler mit Retro-Bluegrass vom Hintergrund nach vorne und zurück, um ein mit Szenenapplaus quittiertes Solo vorzutragen. „Black eyed susie“, „Tear drops mixed with rain“ und „Prison“ spielten und sangen die Künstler aus ihrem Repertoire und verbanden dies mit einer humorvollen Bühnenshow.

Der dritte Teil der Veranstaltung gehörte den vier Damen namens „The Goodbye Girls“. Mit Geige, Gitarre, Banjo, Kontrabass und Harmoniegesang spielte und sang sich das Quartett mit Eigenkomposition wie „Lost girl“ in die Herzen der Zuhörer.

Sängerin und Gitarristin Molly Rose Tuttle gilt als kommender Star der Szene, wie Rainer Zettler wissen ließ. Besucher Wolfgang Funck aus Neumünster hatte indes nur Augen für Mandolinenspielerin Allison de Groot. Der 58-jährige Steuerberater kennt die kanadische Musikerin von anderen Auftritten in Holland und Dänemark und war extra zum Bluesgrass-Jamboree nach Stuhr gekommen. „Die Fahrt dauert länger als die Veranstaltung hier“, sagte er scherzend.

Den Abschluss bildete die „Festival Finale Session“, zu der Mandolinenspieler Rainer Zellner alle Musiker um sich auf der Bühne versammelte. Die Künstler präsentierten als Zugaben Beispiele ihres Könnens und liefen zur kollektiven Höchstform auf. Zur Freude des Publikums spielten sie in wechselnder Zusammenstellung und ernteten dafür lang anhaltenden Applaus bevor sie als allerletztes Stück zum Mitsingen „You are my sunshine“ zum Besten gaben.

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