Zweite Highland-Games in Stelle

„Zieh’, Junge! Los Uwe, das schaffst du!“

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Diese beiden Herren müssen sich mächtig in das Seil hängen, um den schweren Lkw-Reifen von der Stelle zu bekommen.

Stelle - Von Angelika Kratz. Literweise Schweiß und große Leidenschaft waren an diesem Sonnabend auf dem Märchencampingplatz am Steller See gefordert: Das ansonsten ruhige Idyll verwandelt sich an diesem Tag in den Schauplatz der zweiten Highland-Games – mit edlen Kiltträgern, starken Frauen und heroischen Schwertkämpfern.

Schon von Weitem ist die markante Dudelsack-Musik zu hören, die die schweißtreibenden Spiele untermalt. Zur Freude von Organisator Heiko Matz stimmt auch das Wetter. Noch fröhlicher stimmt ihn indes der lebhafte Andrang auf dem Platz: Während zur Premiere im vergangenen Jahr 15 Clans angereist waren, begrüßt er an diesem Wochenende 30 auf dem Märchencampingplatz. Erstmals sind auch zwei reine Frauenteams und eine gemischte Mannschaft am Start.

„Ausnahmen werden da keine gemacht“, stellt Matz klar. Aber ein wenig Hilfestellung bekommen die Frauen dann schon, als es ans Baumstammwerfen geht. Matz ist zuversichtlich, in den nächsten Jahren noch mehr Freunde des Schottenrocks und der Spiele ansprechen zu können. „Das muss sich erstmal rumsprechen“, findet er.

Den Gästen bietet sich ein buntes Bild: Die jeweiligen Clans sind leicht an ihren verschiedenen Kilts zu erkennen – jede Gruppe besitzt ein spezielles Muster, das nur ihre Mitglieder tragen. Dabei dominieren Karos in den unterschiedlichsten Farben das Bild. Einige Schottenröcke stechen aber auch mit rein schwarzen Kilts hervor.

Das passende Flair der Highland-Games unterstreichen duftende Räucherstäbchen und die Puppen der beiden „Drachendruiden“ Torsten und Silke Gerdes. Sie unterhalten die Besucher passend zum Thema mit Fabelgeschichten.

Stilecht im clantypischen Kilt ist dieser Teilnehmer der Highland-Games zum Steinwurf angetreten.

In den Pausen zieht es die Besucher unter anderem zu den Achimer Bogenschützen, wo sie Wildschweine, Fasane oder Rehe ins Visier nehmen. Zum Glück für die Tierwelt sind diese nur aus Plastik. Raimond Ehrentrautt vom Vorstand hat auch Anfängerbögen im Angebot und freut sich über interessierte Teilnehmer zwischen 16 bis 56 Jahren.

Kleine Eingewöhnungsphasen mit oft großem Anfängerglück sind auch bei den anderen Disziplinen zu beobachten, beispielsweise beim Hammerwerfen, dem kleinen und großen Steinwurf, Speerwerfen oder Treckerreifenziehen. Die Männer und Frauen legen sich mächtig ins Zeug, oft begleitet von lautem Gegröle und Anfeuerungsrufen ihrer Clans.

Mitten drin sorgt der Träger des sicherlich schönsten Schottenrocks der Spiele für Musik. Matthias Gröger gehört das edle Stück mit akkuraten Falten und einem eingewebten grauen Drachen. Er spielt Dudelsack, und zwar so gut, dass er so manchem Gast mit „Amazing Grace“ Tränen entlockt.

Ein paar Meter weiter geht es eher rustikal zur Sache: „Zieh’, Junge! Los, Uwe, das packst du!“, rufen die Unterstützer ihrem Recken zu. In möglichst kurzer Zeit sollen Uwe & Co. einen riesigen Lkw-Reifen über eine gewisse Distanz zu ziehen. Unter den Teilnehmern sind auch Bewohner des Martinshofs in Bremen. „Dabeisein ist alles“, lautet die Device vieler Kiltfans, die an diesem Tag ihre Kräfte messen.

Mit royaler Zurückhaltung beobachten hingegen Gerhard Bertelmann und Magdalena Biene das bunte Spektakel: Die Rollstuhlfahrerin und ihr Begleiter sind majestätisch gekleidet und haben sich prächtig geschmückt, um den Spielen beizuwohnen. „Alles gut hier“, fasst Stephan Matz die Bilanz des Tages zusammen.

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