Fallbeispiele beim MIT-Themenabend

„Zeitig die Nachfolge für Firma regeln“

Wulf-Dietrich Spöring

Brinkum - Von Andreas Hapke. Was tun, wenn der Firmenchef plötzlich verstirbt, die Unternehmensnachfolge nie geklärt wurde und sich deshalb niemand mit den geschäftlichen Angelegenheiten auskennt? Dann kann es sein, dass der einst florierende Betrieb von Monat zu Monat an Wert verliert.

„Am Ende geht es nur noch darum, dass Unternehmen abzuwickeln“, sagt Wulf-Dietrich Spöring, der solche Geschichten aus der Praxis kennt. Er ist Vorstand der Bremer Family Office, ein Dienstleister für Finanzplanung, Vermögenscontrolling und immaterielle Vorsorge. Auf Einladung des Ortsverbands Stuhr der Mittelstandsvereinigung (MIT) referierte er am Donnerstag im Hotel Bremer Tor zum Thema Unternehmensnachfolge.

In dem konkreten Fall sank der Wert der Firma binnen kürzester Zeit von 2,5 Millionen Euro auf null. „Wir haben nur noch die Kundenkartei vermittelt“, sagte Spöring und berichtete dann über einen Vollblutunternehmer, mit dem er vor zwei Jahren dessen Nachfolgeregelung angegangen sei. „Wir sind heute noch nicht fertig.“ Das eine wie das andere Beispiel zeigt: „Unternehmensnachfolge gehört geplant. Wir haben nicht unendlich Zeit.“

Eingangs hatte bereits MIT-Vorsitzender Bernd-Artin Wessels von der Unternehmensnachfolge als einem „Riesenpaket von Einzelfragen“ gesprochen, die „möglichst vollständig und richtig gelöst werden sollen“. Die Problematik hänge nicht nur davon ab, ob geeignete Söhne oder Töchter zu gewinnen seien, ob es ausreichend leitendes Personal gebe, das als Gesellschafter mit eingebunden werden könne, oder ob in den Nachfolgeprozess Kauf, Verkauf und Stiftungsgründung eine Rolle spielten. Auch Fusionen könnten eine Lösung sein. Wie individuell das Thema daherkommt, zeigten drei Fallbeispiele aus Stuhrer Unternehmen.

„Betrieb soll anders, aber gut weiterlaufen“

Volker Wenzel, geschäftsführender Gesellschafter zweier Firmen am Rodendamm, findet es „rational daneben“, noch 30 Jahre zu arbeiten und dann tot umzufallen. Er sei 55 Jahre alt, habe keine Kinder und stelle fest, dass die „Generation Y“ in seinen Unternehmen „ihre eigenen Kontakte bildet und Sachen besser macht als ich. Die ticken anders“. Deshalb wolle er auch, dass seine Firmen „anders, aber gut“ weiterlaufen. Sein Plan: Er setze sich mit einer Handvoll Leuten auseinander und bespreche, wie eine Nachfolge geregelt werden könne. „Ich fange an, Geschäftsführer zu bilden und Anteile abzugeben.“

Bei der Firma Grundmann Personalberatung will Junior Tom Grundmann nach eigener Auskunft in die Fußstapfen seines Vaters treten. Der sei Jahrgang 1963, weshalb die beiden den Prozess der Nachfolge vor zwei Jahren eingeleitet hätten. Für die kommenden vier, fünf Jahre sei vereinbart, dass er in die Geschäftsführung eintrete und einige Gesellschaftsanteile übernehme, sagte Tom Grundmann. In den darauffolgenden vier, fünf Jahren werde sein Vater noch mehr Anteile abtreten und sich immer mehr aus dem operativen Geschäft herausziehen.

Niels Worgulla - Fotos: Hapke

Rechtzeitig wollte auch der Varreler Frank Schröder seinen Natursteinbetrieb übergeben. Für 2004 hatte er das mal angestrebt, zum 60. Geburtstag. Da in der Familie niemand Interesse gehabt hatte, streckte der Betonbau- und Steinmetzmeister seine Fühler drei, vier Jahre vor dem angepeilten Termin nach einer externen Lösung aus. Die gelang nicht, obwohl Schröder nach eigener Auskunft „steigende Bilanzen“ vorzuweisen sowie bei der Suche unter anderem die Handwerkskammer und die Meisterschule eingeschaltet hatte. Ihm blieb nur, den Betrieb zu liquidieren. „Ich habe Maschinen, Ware und Auftragsbestand verkauft“, sagte Schröder.

„Da haben sie nicht den richtigen Berater gefunden, der Ihnen ein Netzwerk aufzeigen konnte“, sagte Niels Worgulla, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerrecht bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RSM. Er war der zweite Referent des Abends und nicht weniger deutlich als Spöring in der Forderung, die Nachfolge rechtzeitig zu klären. Meistens auf der Basis seines „Lieblingsbeispiels“, wie er es selbst nannte: Der Unternehmer fährt mit dem Auto gegen den Baum und ist tot, was gegebenenfalls auch für das einzige Kind auf der Rückbank gilt. In einer Patchwork-Familie würde dann die Ex-Frau alles erben, wenn nichts Gegensätzliches in die Wege geleitet worden sei. „Will man das?“, fragte Worgulla. Viele Unternehmer seien zudem unzureichend über die Erbschafts- und Schenkungsteuer informiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Erdogan-Party in der Türkei: AKP-Anhänger feiern möglichen Wahlsieg wie WM-Triumph

Erdogan-Party in der Türkei: AKP-Anhänger feiern möglichen Wahlsieg wie WM-Triumph

WM-Aus für Lewandowski: James führt Kolumbien zum 3:0

WM-Aus für Lewandowski: James führt Kolumbien zum 3:0

Fotos vom Hurricane-Abschluss am Sonntagabend

Fotos vom Hurricane-Abschluss am Sonntagabend

Federer verliert Finale und Nummer 1 - Kein Jubel bei Zverev

Federer verliert Finale und Nummer 1 - Kein Jubel bei Zverev

Meistgelesene Artikel

Rabatt in Höhe von 15 Prozent für MIA-Einwohnerticket

Rabatt in Höhe von 15 Prozent für MIA-Einwohnerticket

14 Tage Schonfrist für Dauerparker

14 Tage Schonfrist für Dauerparker

„Geht den Weg eurer Träume“

„Geht den Weg eurer Träume“

Kliniken wieder unter dem Dach des Landkreises 

Kliniken wieder unter dem Dach des Landkreises 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.