Teilnehmerinnen zwischen 51 und 77 Jahren lernen den Denksport beim TuS Varrel

Zehn Damen machen eine gute Figur beim Schach

Ralf Mulde (r.) und Uwe Rademacher vom TuS Varrel mit sechs der zehn Teilnehmerinnen ihres Schachkurses. - Foto: Ehlers

Varrel - Von Andreas Hapke. Uwe Rademacher schiebt einige Figuren auf dem überdimensionalen Schachbrett hin und her. „Kann der König jetzt eine Rochade machen?“, lautet seine Frage. „Ja“, heißt es aus der Gruppe. Und auch „nein“. „Höre ich vielleicht noch ein vielleicht?“, scherzt Rademacher und löst auf: Eine Rochade ist nicht möglich, da eines der Felder, die der König überqueren müsste, von einer gegnerischen Figur bedroht ist.

Rademacher ist aktiver Schachspieler beim TuS Varrel und leitet im Clubraum auf dem Gut einen Anfängerkurs seines Vereins. Die Besonderheit: Der Gruppe gehören ausschließlich Frauen im Alter von 51 bis 77 Jahren an. Ursprünglich war das Angebot für Mädchen und Frauen von 8 bis 98 gedacht, doch die Rückmeldung aus den angschriebenen Grundschulen blieb aus. „Vielleicht war der Zeitpunkt kurz vor Weihnachten etwas unglücklich. Da ist unser Anliegen wohl untergegangen“, sagt Ralf Mulde, Sprecher der Schachabteilung.

Macht aber nichts, denn auf diese Weise würden die zehn Teilnehmerinnen eine „homogene Truppe“ bilden, findet Mulde. Und eine wissbegierige obendrein. „Wir müssen ganz viel lernen“, flüstert Anne Richardt, während Rademacher mit den Magnetfiguren eine neue Spielsituation ans große Schachbrett heftet. Warum sie dabei ist? „Ich lebe alleine und muss sehen, dass ich soziale Kontakte bekomme“, sagt Anne Richardt, die sich zudem als „neugierig“ bezeichnet. „Ich hätte auch mit Rommé anfangen können. Im Alter probiert man halt ganz viel aus.“

Für Beate Wübbelt ist der Kurs „eine Art Gedächtnistraining“. Heute muss sie besonders aufpassen, denn Rademacher erklärt die Regel „en passant“, das heißt Bauer schlägt Bauer „im Vorbeigehen“. Ihr Mann spiele Schach immer ohne diese Regel und würde gerne mehr darüber erfahren, erzählt Wübbelt. „Dann haben Sie ihrem Mann jetzt was voraus“, sagt Rademacher.

Gemeinsam mit ihrer Nachbarin Gerda Stahl belegt Karin Hirschgänger den Kurs. „So können wir anschließend zusammen spielen“, begründet sie. „Wir können das Brett einfach stehen lassen und irgendwann weitermachen.“ Gerda Stahl findet Bridge schwerer. „Außerdem braucht man dafür vier Leute, beim Schach nur zwei, das vereinfacht vieles.“ Sie freue sich darauf, im Sommer auf der Terrasse zu spielen.

Es ist der fünfte Termin, und erstmals dürfen die Frauen die Figuren aus den Holzkästen vor ihnen holen und selbst Situationen nachstellen. In der kommenden Woche möchte Rademacher mit dem Spielen beginnen. Der Kurs endet nach acht Terminen mit dem Bauerndiplom des Deutschen Schachbunds. Dann könnten Rochade und „en passant“ wieder auf die Frauen zukommen – „und natürlich Sekt und Schnittchen“, sagt Rademacher. Das Interesse der zehn Teilnehmerinnen wertet er als Erfolg. „Schach ist ein Nischensport, und wir sind ein kleiner Verein. Nachwuchs muss her.“ Die Gruppe zeige, dass Alter dabei keine Rolle spiele und die betagtere Generation fit sei. Eine Mitgliedschaft im Verein sei aber nicht das vorrangige Ziel des Kurses. „Wir vermitteln den Sport gerne“, betonen Mulde und Rademacher, die beide in der zweiten Mannschaft des TuS in der B-Klasse aktiv sind.

Sollte es Frauen geben, die über den Kurs hinaus im Verein Schach spielen wollen, sei erst mittelfristig – „nach zwei, drei Monaten“ – eine Mitgliedschaft fällig. Anne Richardt etwa wäre eine Kandidatin für die Fortsetzung des Angebots. „Schach ist nicht ohne, aber ich fände es schön, wenn man weiter hier aufschlagen kann“, sagt sie. „Dümmer wird man dadurch nicht.“

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