Ehrenamtliche Helfer liefern Drei-Gänge-Silvesteressen des Mehrgenerationenhauses aus

Zanderfilet zum Jahresausklang

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Brinkum – Durch den Lockdown ist nur wenig Betrieb im Brinkumer Mehr-Generationen-Haus (MGH). Kurse und Treffen pausieren. Lediglich in der Küche, in der von Montag bis Freitag ein Mittagstisch gekocht wird, zeigt sich Betriebsamkeit. Am Heiligabend und am Silvestertag hatte die Küche Drei-Gänge-Menüs als Festessen vorbereitet. Zanderfilet, Rosenkohl und Kartoffeln standen am letzten Tag des Jahres auf dem Speiseplan. Eine Brokkolicremesuppe gab es als Vorspeise und Zitronen-Mousse zum Nachtisch.

Da die Gäste nicht persönlich zum Essen in den Räumen des MGH erscheinen durften, hatte die Hausleitung bereits im Frühjahr einen Lieferservice mit ehrenamtlichen Fahrern vorgesehen. „Insbesondere von dem Lieferdienst machen jetzt viele der meist älteren Gäste gerne Gebrauch“, berichteten Thomas Schaumlöffel, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, und Oliver „Olli“ Müller aus dem MGH-Team. „Im zweiten Lockdown haben wir den Lieferservice massiv beworben und festgestellt, dass – entgegen dem ersten Lockdown im Frühjahr – wohl doch mehr Bedarf da ist. Damals war die Resonanz nicht so groß wie jetzt“, erklärte Müller. Die Lieferung ist in „Brinkum und umzu“ kostenlos. „Nur in Randbereichen der Gemeinde Stuhr berechnen wir einen kleinen Obolus von zwei Euro.“

Außerhalb der Coronazeit sei das gemeinsame Mittagessen für die rund 20 Stammgäste des MGH stets eine willkommene Abwechslung im Tagesablauf gewesen. Auch die Kinder der Krippe „Löffelchen“ im ersten Stock des MGH sowie die Tagesgäste in der Begegnungsstätte von ProDem in Brinkum und in Erichshof profitieren von den Kochkünsten der Küchenmitarbeiter des MGH.

„Sonst habe ich die Gäste zum MGH gefahren und wieder zurückgebracht. Jetzt bringe ich ihnen das Essen nach Hause“, sagte Kurt Künnemann. Er ist einer der ehrenamtlichen Silvester-Fahrer. Fünf Teams standen an diesem Tag bereit, um mit ihren privaten Autos die Menüs an die Haustür der Gäste zu bringen: Christine Klinke, Uwe Schaper, Michael Lampe sowie Heidi und Bernd Siedekum. Je Fahrer wurden drei bis vier Kunden beliefert.

Seit zwei Monaten ist Christine Klinke auch außerhalb der Festtage dienstags als Fahrerin tätig. „Das macht richtig Spaß, wenn ich die älteren Herrschaften mittags sehe, wie sie das Essen entgegennehmen. Immer bleibt Zeit für ein Wörtchen, das ist so toll“, freute sie sich. „Das ist ja auch einer der Hauptgründe, warum wir das machen“, meinte Oliver Müller. „Uwe Schaper fährt heute ausnahmsweise“, erklärte er. „Uwe ist netterweise eingesprungen. Normalerweise kümmert er sich um unsere Haus-EDV und um den Computertreff im Haus Lohmann.“ Bernd Siedekum hilft sonst im MGH aus, wenn „Not am Mann ist“. Heidi Siedekum leitet die Nähgruppe und hält am Klönschnacktelefon Kontakt zu den Hausgästen. Beide waren Silvester ebenfalls aushilfsweise tätig. Michael Lampe ist einer der regelmäßigen Fahrer. Immer montags liefert er das Essen aus. „Auch im Sprechcafé hatte er sich engagiert, als das noch möglich war“, so Oliver Müller.

An den Töpfen in der Küche führte an diesem Tag Koch Bernd Eickhorst Regie, assistiert von Elke Kleinnitzke. Aber nicht nur dort liefen die Vorbereitungen für den Abtransport der Menüs auf Hochtouren. Viel Arbeit gab es auch für die Mitarbeiter im Büro des MGH. Zuvor wurden Bestellungen aufgenommen und einer Route zugeordnet. Die Fahrer mussten terminlich eingeplant werden.

Neben dem bestellten Silvestermenü gab es für alle Gäste eine Überraschungstüte als Geschenk. Ein Quarkstollen und eine kleine Bastelarbeit der Näh-Gruppe lagen darin. „Das ist das Besondere an Weihnachten und Silvester, da geben wir uns ein bisschen mehr Mühe“, scherzte Müller. Auch der Speiseplan für Januar 2021 gelangte so an die Empfänger.

Die Silvester-Tour von Kurt Künnemann führte ihn zu vier Adressen in Brinkum: drei Einzelpersonen und ein Ehepaar. Fünf Portionen Zanderfilet und Co. hatte er in Warmhalteverpackungen im Kofferraum des Toyota verstaut. Er kennt seine Abnehmer von den normalen Donnerstag-Touren, die er seit über sechs Jahren fährt. Entsprechend freudig fiel die Begrüßung aus. Damit die anderen Speisen im Auto nicht kalt wurden, blieb es nur bei einem kurzer Schnack an der Haustür. Nur beim letzten Kunden Herbert Henneke entwickelte sich ein längeres Gespräch. Man kennt sich.

Der rüstige 89-Jährige zählt seit drei Jahren zu den regelmäßigen Mittagsgästen im MGH. Dann wird er von ehrenamtlichen Fahrern abgeholt und wieder nach Hause gebracht. „Schon bei der Fahrt war es amüsant“, erinnerte sich Kurt Künnemann, „da wurden schon die ersten Witze gerissen.“

Er hofft, dass die Mittagsgäste ab Ostern wieder zusammensitzen können, und ergänzt: „Wenn man die Leute fährt, macht es mehr Spaß, als wenn man das Essen zu ihnen nach Hause bringt. Aber das lässt sich im Moment ja nicht ändern.“

Von Rainer Jysch

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