Mit Witz – aber nicht aus Spaß

Brinkumer Rüdiger Gums kandidiert für den Landtag 

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Rüdiger Gums ist in Stuhr-Varrel aufgewachsen. Nachdem er viel von der Welt gesehen hat, ist er seit 16 Jahren wieder wohnhaft in Stuhr. Bei der Landtagswahl kandidiert er parteilos.

Brinkum - Von Katharina Schmidt. Rüdiger Gums war in vielen Parteien Mitglied. Der Brinkumer schnupperte bei CDU, SPD, FDP und den Grünen ebenso hinein wie bei den Piraten und der „Schill-Partei“. Bei der Landtagswahl am 15. Oktober kandidiert er für den Wahlkreis 41 (Syke, Stuhr, Weyhe, Bassum) – ganz ohne Partei, als unabhängiger Einzelbewerber.

Als Monteur reiste Gums viel umher. Um Leute kennenzulernen und zu sehen, wie Politik funktioniert, trat er mal hier und mal dort in eine Partei ein – und meistens wenig später wieder aus. „An der Basis sind die alle ganz lieb und nett“, erzählt der 58-Jährige. Er sitzt umgeben von Bücherregalen auf seinem Sofa in einem Brinkumer Reihenhaus. „Aber in dem Moment, wo die Politiker aufsteigen, müssen sie Leute anlächeln, die sie gar nicht mögen.“

Gums sticht nicht nur durch seine Unabhängigkeit heraus. Auf seiner Internetseite zählt er nicht nur seine politischen und beruflichen Stationen auf. Dort steht auch, dass er Schülersprecher und Jungschützenkönig war. Dass er mit einem Premierminister verwandt ist (wenn auch über mehrere Ecken). Und dass er keine Punkte in Flensburg hat. Der Lebenslauf verleitet zum Schmunzeln. Auch im Gespräch wirkt Gums locker und lustig. Doch aus Spaß kandidiert er nicht. „Ich habe drei knallharte Gründe“, betont er.

Grund Nummer eins: Keime

Als Grund Nummer eins nennt er Keime. Der Brinkumer erinnert daran, dass die Umweltschutzorganisation Greenpeace in Niedersachsen multiresistente Keime in Gülle nachgewiesen hat. Zudem habe er persönlich eine positive Probe von einem Stuhrer Feld genommen. Landwirte würden Gülle unter anderem direkt vor Kindergärten verteilen. „Das ist mehr als ein Skandal. Das ist tödlich das Zeug“, ärgert er sich. „Wenn ich Abgeordneter werde, werden nächstes Jahr nicht ein Mal multiresistente Keime auf die Felder kommen!“

Grund Nummer zwei: „Alle Brunnen in unseren Städten und Gemeinden sind vergiftet. Man kann die Brühe nicht trinken“, bemängelt Gums. All die Gifte in der Umwelt haben ihm zufolge drastische Wirkung: „Die Fruchtbarkeitsrate ist radikal gesunken“, meint er. In seiner Klasse seien damals 44 Kinder gewesen. 17 davon hätten bis heute keinen Nachwuchs. Gums ist überzeugt, dass Umweltgifte Schuld daran sind. Er selbst hat einen Sohn.

Wenn der Kandidat über Gifte und Keime spricht, regt er sich auf und schüttelt verständnislos den Kopf. Die Stimmung verderben lässt er sich aber nicht. „Wenn ich arbeite, dann immer mit guter Laune“, merkt er an. Das gelte für seinen Job als Programmierer ebenso wie für seine Tätigkeit als Sterbebegleiter. Mit schlechter Laune könne nichts gelingen – das werde am Beispiel der AfD deutlich.

„Die Wahl wird dadurch zur Farce“

Der dritte Grund, der den Brinkumer bewegt hat zu kandidieren, ist pragmatisch: „Unsere drei Abgeordneten von SPD, CDU und FDP haben alle Listenplätze bekommen“, blickt er auf die Wahl von 2013 zurück. Sie hätten theoretisch nicht eine Stimme gebraucht. „Die Wahl wird dadurch zur Farce.“

2012 kandidierte Gums bereits für das Bürgermeisteramt in Stuhr, ein Jahr später stellte er sich bei der Landtagswahl (Direktkandidat der Piraten) und bei der Bundestagswahl (parteilos) auf. Genug Stimmen bekam er nie – trotzdem war er eigenen Angaben zufolge „jedes Mal erfolgreich“. Er schreibt sich zum Beispiel auf die Fahne, Menschen für das Thema Fracking sensibilisiert zu haben.

Die hundert nötigen Unterstützerunterschriften für seine aktuelle Kandidatur zu sammeln, sei kein Problem gewesen, sagt er. Auch für den 15. Oktober gibt der 58-Jährige sich optimistisch: „Ich gehe natürlich davon aus, dass ich gewinne.“

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