Wissen vermitteln, das Leben retten kann

Sandra und Uwe Banach sind Brandschutzerzieher aus Leidenschaft

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Uwe und Sandra Banach lieben ihre Tätigkeit als Brandschutzerzieher. 

Stuhr - Von Julia Kreykenbohm. Schuld ist ihr Ehemann. Das erklärt Sandra Banach aus Brinkum ohne zu zögern und mit einem fröhlichen Lachen. Ohne ihn wäre sie wohl nie mit der Feuerwehr in Berührung gekommen und hätte dort eine Leidenschaft entdeckt, die bis dahin unerkannt in ihr geschlummert und ihr Leben sehr bereichert hat. Und ohne ihn wäre sie nun auch nicht im Besitz einer der drei Ehrenamtskarten, die die Gemeinde Stuhr kürzlich erstmals vergeben hat (wir berichteten).

Aber böse ist sie ihm für beides nicht, im Gegenteil. Wer die 31-Jährige nach ihrer Arbeit als Fachberaterin für Brandschutzaufklärung und -erziehung fragt, spürt förmlich, wie sehr ihr diese am Herzen liegt. Sie strahlt, gestikuliert und sprudelt fast über von kleinen Anekdoten und Erlebnissen, die ihr das Ehrenamt beschert hat und sie einfach glücklich machen.

Dabei hat alles mit einer harmlosen Frage ihres damaligen Freundes Uwe Banach angefangen, der schon viele Jahre Feuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr Stuhr und als Brandschutzerzieher unterwegs war: „Hast du nicht mal Lust zu helfen?“ Damals ging es darum, mithilfe einer Puppenbühne Kindern etwas über Brandschutz zu vermitteln. Die Altenpflegerin hatte Lust, kam mit – und „infizierte“ sich. Von da an begleitete sie Uwe immer wieder. Das war 2011. Im Jahr 2014 besuchte sie dann ein Seminar und durfte sich ab da Fachberaterin nennen.

Sie liebt die pädagogische Arbeit mit Kindern 

Mitglied der Feuerwehr ist Banach nicht. Das sei nicht so ihr „Ding“ gewesen. Aber die pädagogische Arbeit, ganz besonders mit Kindern, liebt sie. Damit ist sie ein Unikat im Landkreis: eine Fachberaterin, die keine Feuerwehrfrau ist.

Die meiste Zeit treten ihr Ehemann und sie im Doppelpack auf. Dann liefert er die Informationen, Daten und Fakten, und Sandra „füllt es mit Leben“, beschreibt es Uwe. Das heißt, sie verpackt alles kindgerecht, leicht verständlich und vor allem nicht langweilig. Wie merke ich mir zum Beispiel die Notrufnummer? „Die tragt ihr im Gesicht“, sagt Sandra dann zu ihren Schützlingen: „Ein Mund, eine Nase und zwei Augen.“

Manche Dinge kommen aus Handbüchern, manche denkt sie sich selber aus. Außerdem liest sie die Stücke, die Ehemann Uwe für die Puppenbühne schreibt und in denen es um lustige Geschichten mit ernstem Hintergrund geht, mit kritischen Augen gegen. Sie passt auf, dass „ihr Feuerwehrmann“ im Eifer nicht ins Fachchinesisch abgleitet: „Wenn da Rettungssäge steht, denke ich, dass Kinder damit nichts anfangen können. Besser ist einfach nur Säge.“

Gibt immer viel zu lachen

Sandra und Uwe besuchen Kindergärten und Schulen oder bekommen Besuch von ihnen. Da gibt es immer viel zu lachen, denn die Kleinen sind neugierig und können sich noch begeistern. Auch wenn es die ein oder andere Enttäuschung beim Besuch des Feuerwehrhauses gibt, denn die am häufigsten gestellte Frage lautet: „Wo ist die Rutschstange?“

Doch egal, ob nun Kinder oder Erwachsene: Keine Gruppe ist wie die andere. Damit der Besuch der Brandschutzerzieher als ein schönes Erlebnis in Erinnerung bleibt, informieren sich Sandra und Uwe Banach im Vorfeld genau: Wie viele Personen? Wie alt? Menschen, die eventuell traumatisiert sind und bei bestimmten Dingen in Panik geraten können? Über eine Stunde nehmen sich die beiden zur Vorbereitung, um ein maßgerechtes Programm zu schneidern.

Nebenbei sind sie auch noch mit dem Brandschutzmobil in ganz Niedersachsen unterwegs und auf zahlreichen Veranstaltungen in Stuhr vertreten. Von Mai bis September sind sie fast jedes Wochenende „on Tour“. Raum für andere Hobbys bleibt da kaum. „,Wann habt ihr denn mal Freizeit?’ werden wir manchmal gefragt und müssen dann lachen. Denn das machen wir ja in unserer Freizeit“, erzählt Sandra. Ab und zu fährt sie direkt nach der Arbeit zu ihrem Ehrenamt. Doch das macht ihr nichts aus. Sie geht so sehr darin auf, dass sie es „den ganzen Tag machen könnte“.

Wissen, das Leben retten kann

2016 waren die Eheleute auf 22 Brandschutzveranstaltungen und sprachen vor 3000 Erwachsenen sowie 2500 Kinder. „Wir würden uns aber auch hinstellen, wenn nur ein Kind da wäre“, stellt die 31-Jährige klar. Das schönste sei, wenn sie im Nachhinein die Kleinen aus ihren Kursen wiedertreffe, und diese ihr stolz erzählen, was sie alles behalten haben. Denn Sandra weiß, dass dieses Wissen dem Kind oder auch seiner Familie vielleicht mal das Leben retten kann.

Das sei die schönste Motivation – wobei sie sich auch über die Ehrenamtskarte gefreut habe. Die Bewerbungsunterlagen hatte übrigens ihr Mann eingereicht, indem er sich ihre Unterschrift mehr oder weniger „erschlichen“ hatte, um sie zu überraschen. „Diese Karte ist eine sehr nette Aufmerksamkeit, man fühlt sich gewertschätzt und sitzt ja auch nicht alle Tage beim Bürgermeister im Büro“, sagt Sandra.

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