„€žDas wird in keinem Jahr weniger wichtig“

Gedenkgang zum Mahnmal Obernheide am 22. November

Von Pappeln eingerahmt, soll das Denkmal in Obernheide nicht nur als Mahnung dienen, sondern auch „Kraft und Hoffnung vermitteln für eine Welt in Frieden und Verständigung“, wie es auf der Gedenktafel heißt. - Foto: Hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. Für Nina Bernard, Geschichtslehrerin an der KGS Moordeich, steht fest: Der Gedenkgang zum Mahnmal Obernheide ist unersetzlich. „Es mag Debatten darüber geben, ob man unter solche Veranstaltungen langsam einen Schlussstrich ziehen sollte. Doch für die Schüler ist es jeweils das erste Mal, dass sie sich mit diesem Teil der Vergangenheit beschäftigen.“ So sieht es auch Bürgermeister Niels Thomsen: „Wir sollten nichts am Konzept ändern.“

Seit Jahren organisiert die Lise-Meitner-Schule den Gedenkgang zum Mahnmal Obernheide für alle Stuhrer, so auch fürMittwoch, 22. November. Wer mitlaufen möchte, findet sich bis 11 Uhr am Bahnhof in Alt-Stuhr ein. Die von Pastor Robert Vetter geleitete Gedenkfeier am Mahnmal beginnt gegen 11.45 Uhr. Für die Rückfahrt zur Schule und zum Bahnhof stehen Busse bereit.

Die Gemeinde ließ das Denkmal 1988 errichten. Treppenförmig aufgeschichtete Steine erinnern daran, dass an dieser Stelle während des Zweiten Weltkriegs ein Arbeitslager für Frauen gestanden hatte. Zusammen mit den fünf Pappeln soll es nicht nur als Mahnung dienen, sondern auch „Kraft und Hoffnung vermitteln für eine Welt in Frieden und Verständigung“, wie es auf der Gedenktafel heißt.

Nach der Bombardierung Bremens hatten die Nazis das Arbeitslager im September 1944 als Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme eingerichtet. Rund 800 Frauen, Jüdinnen aus Ungarn und Polen, waren dort untergebracht. Sie wurden beim Behelfswohnungsbau und zur Beseitigung von Trümmern in Bremen und Uphusen eingesetzt. „Jeden Tag mussten sie morgens von Obernheide zum Bahnhof in Alt-Stuhr laufen, um mit dem Zug nach Bremen zu gelangen, und abends wieder zurück“, berichtet Ursula Bajus, Fachbereichsleiterin für Erdkunde, Geschichte und Politik an der KGS Moordeich. „Im Winter, in schlechter Kleidung. Das kann man sich gar nicht vorstellen.“ Durch den Gedenkgang werde diese Dimension klar. „Manche Schüler sind schon von dieser einen Strecke erschöpft.“

Dass viele Bewohner nicht wüssten, was es mit dem Mahnmal auf sich habe, ist für Bajus ein Grund mehr, nicht von der Veranstaltung abzulassen. Und: „Wir können nicht mit allen Schülern ins ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen fahren“, sagt sie. Dorthin wurden die Frauen nach Schließung des Lagers Obernheide im April 1945 verschleppt.

150 Schüler laufen mit

Also machen sich auch diesmal wieder rund 150 Mädchen und Jungen auf den Weg nach Obernheide. Es sind Schüler des zehnten Jahrgangs der Realschule und des Gymnasiums sowie die Neuntklässler der Hauptschule. „Erst in diesem Alter sind die Jugendlichen reif genug, um die ganze Dimension zu verstehen“, sagt Bernard. Sie bereitet die Teilnehmer mit einem Dokumentarfilm über die Befreiung Bergen-Belsens auf den Gang vor. Vier Schüler führen am Bahnhof und am Mahnmal ein Interview mit der ungarischen Jüdin Lily Maor auf. Sie hatte das Lager überstanden und später einen Verein der Überlebenden gegründet.

Bis heute gebe es keine vollständige Namensliste der internierten Frauen, sagt Bajus. Die Gedenkstätte Bergen-Belsen arbeite daran. Nina Bernard will zu gegebener Zeit den Kontakt aufnehmen, damit die komplette Liste auch in Obernheide zu sehen ist.

Die Verlegung des Gedenkgangs vom Volkstrauertag auf den Buß- und Bettag im Jahr 2015 soll dem Charakter der Veranstaltung „mehr Rechnung tragen“, begründet Thomsen. „Und die Schule hat es einfacher, das in der Woche zu organisieren.“ Er hebt den örtlichen Aspekt des Gedenkens hervor: „Viele junge Menschen fahren auf dem Weg zum Silbersee an dem Mahnmal vorbei. Durch die Veranstaltung wissen sie, was es bedeutet. Das wird in keinem Jahr weniger wichtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das irgendwann nicht mehr machen.“

Zumal die Schule laut Bajus seit Jahren wenig Probleme mit Rechtsextremismus hat. „Ich kann mich noch an Schmierereien mit Nazi-Symbolen erinnern. Das ist heute kein Thema mehr.“

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