Seventeen Tandem

Schüler sollen jugendlichen Geflüchteten beim Spracherwerb helfen

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Projektleiterin Sina El Basiouni (hinten l.) und Stuhrs interkulturelle Koordinatorin Fathma Atenhahn (vorne r.) mit den Ehrenamtlichen (vorne v. l.) Stefan Koschade, Gerd von Seggern (beide Pro Ehrenamt) sowie (hinten r.) Andre Becker (Flüchtlingsnetz Stuhr).

Stuhr - Von Andreas Hapke. Jugendliche mit Fluchterfahrung leben oft schon Monate in Stuhr, bevor sie die deutsche Sprache lernen. „Unter 16 Jahren kommen sie in die KGS, aber mit 17 stehen für sie die Berufsbildenden Schulen an. Kleine und überfüllte Klassen verhindern das häufig“, berichtet Stuhrs interkulturelle Koordinatorin Fathma Atenhahn. „Manche müssen ein Dreivierteljahr auf den Besuch der Schule warten. Wir müssen da etwas auffangen.“

Gemeinsam mit zwei Studentinnen des Masterstudiengangs Transkulturelle Studien an der Uni Bremen hat Fathma Atenhahn das Projekt Seventeen Tandem ins Leben gerufen. Kern des Konzepts: Deutsche Jugendliche sollen gleichaltrige Migranten beim Lernen der deutschen Sprache unterstützen. „Es geht um Partnerschaften zwischen denen, die gut Deutsch sprechen, und denen, die es lernen wollen“, sagt Sina El Basiouni, die das Projekt federführend betreut.

Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Ramona Ruf war sie in der KGS Brinkum, um im elften und zwölften Jahrgang für eine Teilnahme zu werben. Laut Sina El Basiouni hatten rund 20 Jugendliche ihr Interesse bekundet, davon kamen zehn zum ersten Vorbereitungstreffen in der vergangenen Woche. Ein weiteres Treffen ging gestern über die Bühne. Auf Seiten der Migranten kommen nach Auskunft von Fathma Atenhahn zurzeit 16, 17 Jugendliche für das Projekt infrage.

Dessen Startschuss soll am 22. September beim Tag der Begegnung fallen (wir berichteten). Fathma Atenhahn und Sina El Basiouni wollen für das gegenseitige Beschnuppern einen geschützten Raum einrichten. Damit das Rahmenprogramm der Veranstaltung nicht stört, geht das Kennenlernen bereits von 11.30 bis 13.30 Uhr über die Bühne. 

„Die Teilnehmer könnten Namensschilder mit ihren Interessen basteln“, schlägt Sina El Basiouni vor, um das Eis zu brechen. Auf keinen Fall wollen die Organisatoren die Partnerschaften vorgeben. „Das soll sich im Gespräch ergeben.“ Überhaupt soll nichts gegen den Willen eines Teilnehmers passieren. Die Leiterin spricht von einem „Projekt auf Augenhöhe“, von einem „kulturellen Austausch“. Realistisch sei jedoch, dass sich Paare aus demselben Ortsteil zusammenfinden, fügt Fathma Atenhahn hinzu.

„Projekt in bestehendes Netzwerk integrieren“

„Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen“, betont die interkulturelle Koordinatorin. An eine neue ehrenamtliche Einrichtung sei dabei nicht gedacht. Vielmehr gehe es darum, neue Impulse zu setzen und Ehrenamtliche der Flüchtlingsarbeit mit ins Boot zu holen. Pro Ehrenamt und das Flüchtlingsnetz Stuhr haben sich bereits eingeklinkt. „Wir wollen das Projekt langfristig in das bestehende Netzwerk integrieren“, sagt Sina El Basiouni.

Für die deutschen Jugendlichen soll das Engagement keine signifikante Mehrbelastung darstellen. Die Zeiteinteilung und die Gestaltung der künftigen Treffen bleiben ihnen selbst überlassen. Denkbar ist, dass die Paare einmal pro Woche im Jugendzentrum, in der Stadt oder zu Hause zusammenkommen. „Die Anreize müssen von den jungen Menschen kommen“, sagt Gerd von Seggern (Pro Ehrenamt). Er macht darauf aufmerksam, dass die Jugendlichen für ihr freiwilliges Engagement ein Zertifikat erhalten können. „Das kommt gut an bei Bewerbungen.“

Nach dem Tag der Begegnungen sind weitere Treffen und Workshops vorgesehen, um den Partnerschaften einen Rahmen zu geben und die Jugendlichen bei gemeinsamen Unternehmungen, etwa Ausflüge ins Klimahaus oder ins Universum, zu unterstützen. „Wir bleiben Ansprechpartner für alle Probleme, die auftreten können“, sagt Sina El Basiouni – auch mit Blick auf die voraussichtliche Zusammensetzung der Paare. Die ehrenamtlichen Deutschen sind überwiegend weiblich, die Migranten männlich. „Das Projekt“, betont sie, „ist nicht als Partnerbörse gedacht“.

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