„Wir werden weiter den Finger in die Wunde legen“

Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen feiert ihr 30-jähriges Bestehen

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Der Isu-Vorsitzende Werner Heinken (r.) und der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Henning Sittauer (l.) im Gespräch mit dem Kreiszeitungsredakteur Andreas Hapke.

Stuhr - Von Andreas Hapke. 30 Jahre nach ihrer Gründung hat die Interessengemeinschaft Stuhrer Unternehmen (Isu) nichts an Bedeutung verloren. Eher im Gegenteil, finden der erste Vorsitzende Werner Heinken und der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Henning Sittauer. Es seien Aufgaben hinzugekommen, von denen beim Startschuss niemand etwas geahnt hatte.

„Wir müssen in Zeiten des Fachkräftemangels gucken, wie wir Firmen und Auszubildende zusammenbringen“, nennt Sittauer ein Beispiel. Und dass der Platz für Gewerbe mal knapp werden könnte, war Ende der 1980er-Jahre auch kein Thema. „Wir brauchen die Flächen, damit sich Betriebe erweitern oder neu ansiedeln können. Doch zurzeit hat man das Gefühl, still ruht der See, da passiert gar nichts“, stellt Sittauer fest. „Wenn es sein muss, legen wir den Finger immer wieder in diese Wunde.“

Eine solche Hartnäckigkeit hat schon den einen oder anderen Erfolg gezeitigt – etwa 1994, als die Gemeinde auf Forderung der Isu die Stelle des Wirtschaftsförderers eingerichtet hat. Die Interessengemeinschaft rechnet sich auch an, dass die Erhöhung der Gewerbesteuer 2016 durch eine von ihr organisierte Podiumsdiskussion um zehn Prozentpunkte geringer ausgefallen ist.

Regelmäßige Dämmerschoppen

Darin spiegelt sich das Selbstverständnis der Isu wider: „Wir wollen Bindeglied zwischen unseren Mitgliedern auf der einen sowie Politik und Verwaltung auf der anderen Seite sein“, sagt Sittauer. Außerdem gehe es darum, die Betriebe auf dem aktuellen Stand der Dinge zu halten. Dafür sorgten insbesondere die regelmäßigen Dämmerschoppen zu Themen wie Cyberkriminalität, Datenschutznovelle und Änderungen im Steuerrecht. Die Isu habe sich nie als Werbegemeinschaft verstanden, die sich um die Weihnachtsbeleuchtung im Ort kümmert.

Wenn die Mitglieder am 26. April ihren runden Geburtstag feiern, dann geht dies nicht ohne einen Rückblick auf den 21. Januar 1988. An jenem Tag hoben 27 Firmen den Zusammenschluss im Gasthaus Nobel in Moordeich aus der Taufe. Den Anstoß zur Gründung hatte eine Anfrage der Moordeicher Schützen geliefert: Ob sich die Betriebe mit irgendwelchen Aktionen am Jubiläumsschützenfest beteiligen könnten, wollten sie zu ihrem 75-jährigen Bestehen wissen. Die gemeinsame Präsentation der Unternehmen machte laut Heinken Lust auf mehr.

208 Betriebe sind zur Feier eingeladen, etwa so viele wie beim Jubiläum 2013. Pro Jahr kämen zwar zehn Mitglieder hinzu, doch das halte sich mit Abgängen durch Insolvenzen, Fusionen und Verlagerungen die Waage, berichtet Heinken. „Niemand tritt aus, weil er unzufrieden ist.“

Überhaupt können sie sich bei der Isu nicht an Querelen erinnern. „Meinungsverschiedenheiten ja, Zoff nie“, sagt der Vorsitzende. Das hat auch an den Führungsqualitäten des inzwischen verstorbenen Gründungsvorsitzenden Harald Krokat gelegen. „Er hatte die Mitglieder mit ruhiger Hand und rhetorischem Geschick zusammengebracht“, erinnert sich Sittauer. Kein Wunder, dass der Tod Krokats im November 2014 eine Zäsur bedeutete.

„Krokats Tod war ein Einschnitt“

„Das kam plötzlich und war auf jeden Fall ein Einschnitt, aber wir haben uns nie Gedanken über ein Vakuum gemacht. Wir haben das recht gut kompensiert“, sagt Heinken. Der seit März 1994 stellvertretende Isu-Chef sprang selbst in die Bresche, sein eigener Nachfolger war mit Volker Twachtmann schnell gefunden. Diese Personalie sei auch nach Krokats Geschmack gewesen.

„Bis zum Schluss“, so Heinken, habe Krokat die Geschicke der Isu mitgelenkt. „Wir mussten ihm versprechen, alles in seinem Sinne weiterzuführen.“ Und daran hat sich die Führungsetage bis heute gehalten. Veranstaltungen wie der Dämmerschoppen, Betriebsbesichtigungen und Ausflüge unter dem Motto „Isu on Tour“ bilden unter Heinken ebenfalls die Dauerbrenner. „Wir fahren weiter auf dieser Schiene“, sagt der Vorsitzende. Demzufolge dürfen sich die Mitglieder auch künftig über hochkarätige Referenten freuen. Schwergewichte aus Funk und Fernsehen – etwa Ulrich Wickert und Friedrich Nowottny – haben ebenso begeistert wie zuletzt Joe Kelly.

Lediglich in der Zusammenarbeit der Führungscrew hat sich in jüngster Vergangenheit etwas getan. Früher reichte eine Vorstandssitzung pro Jahr, weil Krokat, Sittauer und Heinken viel unter sich ausgemacht hatten. Heute treffen sich die Verantwortlichen vier Mal. Dass dies nach den Neuwahlen 2019 in anderer Zusammensetzung passiert, scheint unwahrscheinlich. Sittauer und Heinken jedenfalls sehen „keine Gründe aufzuhören“. Festlegen wollen sie sich aber erst im Sommer dieses Jahres.

• Ihr 30-jähriges Bestehen feiert die Isu am Donnerstag, 26. April, 18.30 Uhr, im Restaurant Meyerhof in Heiligenrode. Gastredner ist Hans Willms, Chefredakteur der Mediengruppe Kreiszeitung.

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