Anhebung des Pegels

Erster Schritt gegen Verockerung eines Regenrückhaltebeckens ist getan

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Das Regenrückhaltebecken an der Rheinallee. Gut zu sehen: die bräunliche Färbung des Gewässers.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Anwohner der Rheinallee sind unzufrieden mit dem Zustand des dortigen Regenrückhaltebeckens. Nicht zum ersten Mal beklagen sie sich über die Verockerung und die damit einhergehende braune Färbung des Gewässers, jetzt auch über einen „Kahlschlag“ auf der Uferseite nahe der Wohnbebauung. Das eine vernichte Leben im Wasser, das andere den Lebensraum von Tieren an Land, heißt es. Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, spricht zudem von einer Verlandung des Beckens. „Es kann seine Funktion nicht mehr erfüllen“, sagt er.

„Das Gewässer sieht nicht schön aus“, findet auch Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko. Die Verockerung sei aber ein generelles Phänomen in Stuhr. Wegen des niedrigen Grundwasserspiegels kommen eisenhaltige Deckschichten in Kontakt mit Sauerstoff. Das durch Oxidation freigesetzte Eisen wird dann ins Wasser gespült und sorgt für die Verfärbung. Dieser Prozess spiele sich auch an der Rheinallee ab, sagt Plitzko.

Hinzu komme, dass bereits bräunliches Wasser aus einem Graben entlang des nahen Biotops in das Becken fließe. Für die Trübung des Wassers sei allerdings der durch Bewegung aufgewühlte Lehm ursächlich.

Laut Plitzko ist die Verockerung auch ein ökologisches Problem. „Die Ockerschicht liegt wie ein Leichentuch auf dem Gewässergrund. Kleinlebewesen sterben, und die Nahrungskette ist unterbrochen“, stellt er fest. Ob es dadurch auch weniger Fische gibt, könne er nicht sagen. Da das Becken kein Fischgewässer sei, kontrolliere der Angelverein den Besatz nicht. Im Stuhrgraben gebe es aber trotz der Verockerung Fische.

Ein Anwohner hat nach eigener Auskunft weniger Fischreiher beobachtet. „Der stellt sich schließlich nicht in ein leeres Gewässer“, sagt er und verweist darauf, dass die Menge an Kröten ebenfalls abgenommen habe. Die Zahlen, die Plitzko vorliegen, sprechen eine andere Sprache. Der Naturschutzbund habe in diesem Jahr 116 Kröten gezählt, für den Umweltbeauftragten eine „große Menge“.

Abwasserverband Weyhe zuständig

Für das Becken ist der Abwasserverband Weyhe zuständig. Ihm gehören die Flächen und die Anlage, die das Wasser ab einem bestimmten Stand über die kleine und die große Wasserlöse in die Ochtum pumpt. Nach Auskunft des technischen Leiters Fred Mendrzik hat der Verband kürzlich einen ersten Schritt unternommen, der Verockerung entgegenzutreten. In Absprache mit der Unteren Wasserbehörde des Landkreises hat er den Wasserspiegel um 20 Zentimeter auf 2,75 Meter angehoben, damit weniger Sauerstoff an die eisenhaltigen Deckschichten gelangt. „Wir gehen den Wünschen der Bevölkerung nach und wollen das optimieren“, sagt Mendrzik. Wegen des Hochwasserschutzes dürfe der Pegel allerdings nicht zu sehr steigen, denn dann fehle bei Starkregen die Speicherwirkung. „Was Hochwasser bedeutet, sehen wir zurzeit in Houston.“ Mendrzik spricht von einem Spagat zwischen den technischen Anforderungen und Belangen des Naturschutzes. Die Anhebung um 20 Zentimeter sei nicht dramatisch.

„Wir müssen jetzt ‘rumexperimentieren“

„Wir müssen jetzt ‘rumexperimentieren“, sagt Plitzko zu der Maßnahme, denn: „Verockerung ist nicht ohne Weiteres rückgängig zu machen. Es gibt keine einfache Lösung.“

Mendrzik widerspricht der Aussage, das Becken könne wegen Verlandung seiner Funktion nicht nachkommen. „Es erfüllt die technischen Anforderungen“, sagt er. Von Verlandung könne überhaupt keine Rede sein, fügt Plitzko hinzu. „Sonst gäbe es große Röhrichtzonen am Uferrand. Das ist nicht der Fall, das spricht für Tiefe.“ Das Gewässer sei nicht umgekippt.

Zum Vorwurf des Kahlschlags sagt Mendrzik: „Das Becken ist kein Biotop, sondern eine technische Anlage. Und die muss seitlich begehbar sein.“ Aus demselben Grund hätten Sitzplätze, gepflasterte Flächen und Müllberge am Ufer nichts zu suchen.

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