„Wir leisten wertvolle Arbeit“

Zwei Drittel der Sozialarbeiter im Ausstand

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Streikende Stuhrer Sozialarbeiter vor dem Haus am Wall in Brinkum.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Ihr Arbeitskampf bleibt von der Öffentlichkeit weitestgehend unbemerkt. Wenn es um den Streik der Sozialarbeiter und Erzieher geht, treten zumeist nur letztere in Erscheinung. Doch die Stuhrer Sozialarbeiter befinden sich nach eigener Auskunft „nahezu geschlossen“ im Ausstand. Die Auswirkungen seien längst spürbar, wie Kirsten Nietzold und Annika Reiners gestern in einem Gespräch mit dieser Zeitung mitgeteilt haben.

Mal schnell bei Reiners vorbeischauen, weil es in der Klasse einen Konflikt gibt? Diese Möglichkeit haben Lehrer und Schüler der KGS Brinkum zurzeit nicht. Einzelfallhilfe, Sozialtrainings und andere Projekte waren an der Schule zwischenzeitlich komplett zum Erliegen gekommen, da die zweite Schulsozialarbeiterin vorübergehend krank geworden war.

Laut Kirsten Nietzold, die im Freizeitbereich der KGS Brinkum arbeitet, fallen im Ganztagsangebot vier Arbeitsgruppen aus. Insgesamt seien davon 50 Schüler betroffen. Der auf dem Schulgelände angesiedelte Jugendtreff Haus am Wall ist geschlossen, während es im Moordeicher Treff No Moor immerhin einen Notdienst für Jugendliche gibt, „die nach der Schule nicht nach Hause können“, sagt Hans Schüler, Leiter des Teams Jugendarbeit.

Mit ihm zählt die Mannschaft 15 Kollegen. Sie sind in der allgemeinen Schulsozialarbeit tätig, für die Profilierung der Hauptschule verantwortlich, betreuen Jugendliche in ihren Treffs und im Ganztag oder suchen in ihrer Funktion als Streetworker den Kontakt zum Nachwuchs. Neun Mitarbeiter streiken, eine Kollegin befindet sich im Urlaub. Laut Nietzold „hätte die aber auch gestreikt. Zwei Drittel der Sozialarbeiter haben eigentlich ihre Arbeit niedergelegt“.

Im Vergleich zu anderen akademischen Berufen im öffentlichen Dienst, etwa in den Bauverwaltungen oder in den Wirtschaftsabteilungen, seien die Sozialpädagogen finanziell deutlich benachteiligt, erklären die Stuhrer Kollegen in einem Schreiben. „Dieses Problem wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die wenigsten Stellen in Vollzeit ausgeschrieben werden.“ Dabei leisteten Sozialpädagogen für die Gesellschaft wertvolle Aufgaben. Sie unterstützten Menschen, die Schwierigkeiten, Probleme, Verhaltensauffälligkeiten und Krisen haben, und ermöglichten so eine Eingliederung in die Mitte der Gesellschaft. „So wird für die Jugendlichen ein guter Start ins Arbeitsleben möglich und eine Ausgrenzung verhindert.“

Für den Arbeitskampf bringt Schüler „großes Verständnis“ auf. „In diesem Streik muss man alle sozialen Dienste sehen. Und die Sozialarbeiter decken ein breites Feld ab.“ In finanzieller Hinsicht sei die Problematik ähnlich gelagert wie bei den Kindertagesstätten. Zwar hätten alle Sozialarbeiter eine feste Stelle, doch nur drei in Vollzeit. Die meisten seien 30, manche 20 Stunden tätig. „Wer halbtags angestellt ist, braucht eigentlich eine zweite Beschäftigung“, sagt Schüler.

Und wie im Falle der Erzieher sind auch bei den Sozialarbeitern die Kinder Leidtragende des Ausstands. Deshalb haben die Stuhrer Kollegen den Nachwuchs, aber auch die Lehrer der KGS Brinkum, in einem Streikcafé vorm Jugendtreff Haus am Wall über ihre Ziele informiert: dass sie für eine gerechtere Eingruppierung in den Tarifverträgen und mehr Anerkennung ihrer Arbeit einstehen.

Die Kinder und Jugendlichen haben ihrerseits ihre Sorgen und Nöte zum Ausdruck gebracht. Nietzold nennt Beispiele wie „Einer hat mich geschlagen, und jetzt kann ich das nicht klären“, „Alleine in den paar Tagen, in denen die Sozialpädagogen weg sind, fehlen sie uns schon total“ und „Vor allem fehlen uns die Freizeitangebote und dass man in Ruhe über unsere Probleme reden kann“.

Bei Schüler hält sich das Feedback in Grenzen. Lediglich ein Brinkumer Junge habe sich bei ihm per E-Mail über die Situation beschwert.

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