„Wir helfen uns gegenseitig“

Anke Hinrichs spürt besondere Verbindung zu einem Hirtenhund

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Anke Hinrichs und der ungarische Hirtenterrier Bojtar aus dem Brinkumer Tierheim.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Rund 60 Ehrenamtliche gehen regelmäßig mit Hunden des Tierheims in Brinkum Gassi, ungefähr 20 von ihnen sind immer mit denselben Vierbeinern unterwegs. Eines dieser eingespielten Paare bilden Anke Hinrichs und der ungarische Hirtenhund Bojtar, den die Erichshoferin so nennt, wie dessen Rasse heißt: Pumi.

Sie spürt eine ganz besondere Verbindung zu dem Tier: „Wir haben vieles gemeinsam und profitieren voneinander“, sagt sie. „Es geht uns beiden besser, seitdem wir unterwegs sind.“

Täglich holt sie ihn im Tierheim ab

Anke Hinrichs kennt Pumi seit rund einem Jahr. Jeden Tag holt sie ihn beim Tierheim ab, am Wochenende sogar morgens und nachmittags. Dann geht es entweder mit dem Auto ins Grüne, oder die 53-Jährige läuft mit dem Hund über die Ernst-Abbe-Straße in Richtung Autobahn. „Das ist erst seit ein paar Tagen möglich. Früher wollte er nicht dorthin abbiegen“, erzählt Hinrichs. „Er ist halt etwas eigen, aber das bin ich schließlich auch.“

Das Geräusch der vorbeidüsenden Fahrzeuge macht dem schätzungsweise sieben- bis achtjährigen Rüden nichts aus. Anders sieht es laut Hinrichs bei einer Begegnung mit fremden Vierbeinern aus. „Dann wird er aggressiv. Er attackiert andere Hunde“, berichtet sie. Pumi habe eine Angstaggression, vermutlich sei er mal von einer Gruppe Hunde attackiert worden. Jetzt greife er präventiv selbst an, weshalb er einen Maulkorb trage. „Aber sonst ist er ganz pflegeleicht. Wenn er erst mal jemanden richtig kennt, kann er sehr anschmiegsam sein.“

Viele Gemeinsamkeiten - „Ich glaube nicht an Zufälle“

Das Verhalten Pumis führt sie auch auf dessen „unsichere Persönlichkeit“ zurück: „Wenn er sicherer wäre, wären ihm die anderen Hunde egal.“ Im Umgang mit Menschen sei Pumi ebenfalls zunächst sehr zurückhaltend. Das kenne sie von sich selbst. Sie sei distanziert und baue eine Mauer auf, um Menschen nicht zu nah an sich heranzulassen. Wie das Tier benötige sie lange, um Vertrauen aufzubauen. „Ich habe eben auch meine Vorgeschichte“, sagt sie, ohne näher darauf eingehen zu wollen.

Nach eigener Auskunft hat Anke Hinrichs schon nach wenigen Spaziergängen gemerkt, dass Pumi und sie Gemeinsamkeiten aufweisen. Dazu zählt sie neben der Unsicherheit sowie der Skepsis anderen Tieren beziehungsweise Menschen gegenüber auch die Einsamkeit, die sie und Pumi im Alltag umgibt. „Außerdem haben wir beide Probleme mit unserem Magen und unseren Augen. Ich glaube da nicht an Zufälle.“

Auf den Spaziergängen helfen sich Pumi und Anke Hinrichs gegenseitig. „Ich bringe ihm ein paar Dinge bei, die ich aus einer Fernsehsendung von einem Hundeflüsterer kenne. Ich ziehe ihn zum Beispiel zur Seite, wenn sich seine Ohren aufstellen, denn dann will er meistens losrennen. Er ist insgesamt viel ruhiger geworden.“

Dauerhaft kann Hinrichs Pumi nicht zu sich nehmen

Im Gegenzug gebe es ihr großes Selbstvertrauen, dass ihre Übungen von Erfolg gekrönt sind. „Außerdem bewege ich mich an der frischen Luft und komme zwangsläufig mit anderen Gassigängern in Kontakt.“

Keine Frage: Die beiden tun sich gegenseitig gut. Doch dass sie selbst Pumi zu sich nimmt, komme nicht in Frage, sagt Hinrichs. „Aus persönlichen Gründen geht das nicht. Und auf lange Sicht braucht er einen Menschen, der selbstbewusster durchs Leben geht. Jemanden, der die Herausforderung annimmt, ihn zu betreuen; der mit ihm eine Hundeschule besucht und ihn so resozialisiert, dass er mit anderen Hunden klarkommt.“

Sollte es zu einer Trennung kommen, sei das zwar traurig. „Aber ich bin nicht so egoistisch, dass ich ihn behalten möchte. Ich gönne ihm ein schöneres Leben als im Tierheim. Darum geht es schließlich.“ Als Gassigängerin wird sie dem Brinkumer Tierschützern jedenfalls nicht verloren gehen. „Der nächste Hund“, weiß Hinrichs aus Erfahrung, „tröstet einen wieder.“

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