Entlassungsfeier für die Abiturienten der KGS Brinkum / 152 Schüler schaffen es

„Willkommen zur Krönung“

152 von 156 angetretenen Schülern haben ihr Abitur geschafft, davon 29 mit einer eins vor dem Komma, drei sogar mit einer 1,0. Diese Zahlen nötigen Schulleiter Michael Triebs Respekt ab, wie er während der Entlassungsfeier sagte. - Foto: Hapke

Brinkum - Von Andreas Hapke. Zwischen 1,0 und Punktlandung bewegen sich die Abiturnoten an der KGS Brinkum. „Okay, wir haben unterschiedliche Leistungen abgeliefert“, stellte Schülersprecher Kilian Schröder gestern während der Entlassungsfeier in der Schulmensa fest. „Aber ich wage zu behaupten, auch Lehrer liefern unterschiedliche Leistungen ab.“

Zu den Besten seiner Zunft zählt wohl Michael Triebs, wenn man Schröder und seiner Kollegin Carolin Bothe Glauben schenkt. Sie lobten ihn dafür, die Jobs des Schulleiters und Oberstufenkoordinators in Personalunion ausgefüllt zu haben.

Trotzdem war noch Zeit für die Ausarbeitung einer lockeren Rede geblieben, in der Triebs das Abi-Motto „Westminster Abi“ aufgriff. Er ließ ein Foto von Westminister Abbey an die Leinwand beamen, der Kirche für die Krönungen in England. Zuletzt eröffnete eine solche Zeremonie 1953 Queen Elisabeth einen neuen Lebensabschnitt. „Willkommen zur Krönung“, rief er den Abiturienten zu.

Triebs bezweifelte, dass es der Generation Smartphone heute besser gehe als ihm vor 40 Jahren – auch wenn er in der Uni-Bibliothek noch mühselig Bücher mit Karteikarten habe suchen müssen, wo heute das Einloggen in ein Netzwerk ausreiche. Die Digitalisierung birge auch Gefahren, „auf die eure Generation besonders achten muss“. Die immer schneller werdende Technik erspare keine Zeit, eher im Gegenteil: Sie führe zu einer Kommunikation, die man nicht brauche, also zu Zeitverlust.

Diese Steilvorlage musste Josef Fittkau, didaktischer Leiter der Lise-Meitner-Schule, nach eigener Auskunft „einfach aufnehmen“. Inzwischen habe sich in der Gesellschaft herumgesprochen, dass es auf Entschleunigung ankomme. Insofern biete sich zurzeit die A1 als außerschulischer Lernort an – speziell der Abschnitt zwischen Wildeshausen und Groß Ippener, wo er auf der Überholspur im Stau stand.

Dass das Bild von Westminster Abbey immer wieder mal verschwand und stattdessen der blaue Bildschirmschoner zu sehen war, deutete Elternvertreter Andre Becker als Motto des Abi-Balls: „Flächendeckend blau“. Abiturienten, die sich sich bereits am Ziel wähnen, nahm er jegliche Illusion: „Kein Arbeitgeber wird euch so gebrauchen können. Ihr werdet also dazu lernen müssen, aber was, das entscheidet ihr selbst.“

Stuhrs stellvertretender Bürgermeister Uwe Schweers (CDU) forderte die Jugendlichen dazu auf, ihre Neugier zu bewahren, ihren Schwung und ihre Begeisterungsfähigkeit. „Suchen Sie sich Ihren Weg, aber verlieren Sie die Gemeinschaft nicht aus den Augen.“

Was kommt nach dem Happy End? Diese Frage aus dem Lied „Happy End“ der Gruppe Madsen griff Carolin Bothe auf. „Es kann nicht jeder BWL studieren oder eine Ausbildung bei der Sparkasse machen“, sagte sie und verwies auf mehr als 14 000 Studiengänge und 330 Ausbildungsberufe. Da dürfte doch für jeden etwas dabei sein.

Ihre Rede garnierten die Schülervertreter mit Fotos aus der gemeinsamen Schulzeit. Darauf waren die Jugendlichen auch verkleidet als Prostituierte, Zuhälter und Superhelden zu sehen – zu den 330 Ausbildungsberufen dürfte das nicht zählen. Und dann hieß es nur noch: „Lass uns einen Schlussstrich ziehen.“ So ganz geht das aber noch nicht. Denn gestern gab es nur den ersten Teil der Entlassungsfeier, die Fortsetzung folgt heute.

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